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Ein Drittel weniger Touristen als vor Corona

30.08.2021 • 22:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Der Ländle-Sommertourismus scheint sich immer mehr von der Corona-Krise zu erholen. Auf dem Niveau vor der Pandemie ist er jedoch noch lange nicht. <span class="copyright">Oliver Farys</span>
Der Ländle-Sommertourismus scheint sich immer mehr von der Corona-Krise zu erholen. Auf dem Niveau vor der Pandemie ist er jedoch noch lange nicht. Oliver Farys

Der Sommertourismus befindet sich auf Erholungskurs.

Kurzfristige Buchungen, hoher Covid-19-Beratungsaufwand sowie omnipräsentes Regenwetter stellten für die Tourismusbetriebe des Landes eine enorme Herausforderung dar. Die Ankunfts- und Nächtigungszahlen der heurigen Sommersaison im Zeitraum von Mai bis Juli lagen etwa ein Drittel hinter den jenen von 2019. Dennoch zogen Tourismuslandesrat Christian Gantner und Vorarlberg-Tourismus-Geschäftsführer Christian Schützinger in einer im Bregenzer Vier-Sterne-Hotel Schwärzler abgehaltenen Pressekonferenz eine positive Bilanz.

Der lange Weg aus der Krise

Nach einem herausfordernden Sommer im Coronajahr 2020 brechen für den heimischen Tourismus wieder bessere Zeiten an, beginnt Tourismuslandesrat Christian Gantner die Pressekonferenz. Nicht zu vegleichen jedoch mit jenen vor der Pandemie, wie ein Vergleich zeigt: Die Zahl der Gästeankünfte im bisherigen Sommer lag bei 390.000 (minus 35,7 Prozent gegenüber 2019), jene der Nächtigungen bei 1,4 Millionen (minus 29,3 Prozent gegenüber 2019).

„Damit liegen wir jedoch deutlich über dem Ergebnis von 2020“, erklärt der Tourismuslandesrat zuversichtlich. Immerhin wurden gegenüber dem von der Pandemie gebeutelten Vorjahr Zuwächse von 15,3 Prozent bei den Gästeankünften und von 14,9 Prozent bei den Nächtigungen erzielt. „Der Tourismus erholt sich langsam.“ Auch das Reiseverhalten habe sich im Vergleich mit 2020 deutlich verändert, wie Vorarlberg-Tourismus-Geschäftsführer Christian Schützinger erklärt: „Im Unterschied zum Sommer des vergangenen Jahres gibt es nun wieder mehr Mitbewerber.“ Während vor einem Jahr noch der Heimaturlaub (ob nun freiwillig oder nicht) hoch im Kurs stand, so zieht es die Urlauber heuer wieder Richtung Mittelmeerländer.

Mehr Urlaube in der Heimat

Um diesem Trend entgegenzuwirken, startete das Land Vorarlberg die Sommerkampagne 2021 mit dem Ziel, so viele Vorarlberger wie möglich zu einem Urlaub im Ländle zu bewegen. Hierfür stellte das Land ein Sonderbudget in Höhe von 200.000 Euro zur Verfügung. Und tatsächlich, das Projekt sollte Früchte tragen: Der Anteil einheimischer Gäste stieg sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch gegenüber dem Vor-Corona-Sommer 2019.

Tourismuslandesrat Christian Gantner. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Tourismuslandesrat Christian Gantner. Oliver Lerch

„So symbolisiert Vorarlberg auch weiterhin als Modellregion eine funktionstüchtige und sichere Alternative zum Lockdown.“

Christian Gantner, Tourismuslandesrat

Im Vergleich zu den Werten von noch vor zwei Jahren verbrachten 3,2 Prozent mehr Vorarlberger heuer ihren Urlaub im Ländle, das Nächtigungsplus beläuft sich auf 5,5 Prozent. „Sehr viele Vorarlberger haben wieder den Urlaub in der Heimat für sich entdeckt“, erklärt Gantner. Ein Trend, den es auch weiterhin zu verfolgen gilt, wie er weiter ausführt: „Das Gästemarketing innerhalb Österreichs und in der erweiterten Bodenseeregion soll verstärkt, der Einheimischen-Anteil sukzessiv weiter erhöht werden.“

Unterschiede bei Unterkünften

Dass Vorarlberg im Bereich der Nächtigungszahlen ein so gutes Ergebnis erzielen konnte, sei Schützinger zufolge auf die hohe Qualität der Angebote und den hohen Anteil an Stammgästen zurückzuführen: „Wir genießen bei unseren Gästen ein großes Vertrauen“, ist der Tourismusdirektor überzeugt. Eine Einschätzung, die sich mit Blick auf den Hauptherkunftsmarkt Deutschland eindeutig bestätigen lässt, denn die Nächtigungszahlen liegen mit -0,3 Prozent nur knapp unter dem Rekordniveau von 2019, als die Weltgymnaestrada im Ländle gastierte.

Im Bereich der Unterkünfte erkennt der Tourismusdirektor klare Verschiebungen: Während sich im Vorjahr ein wahrer Trend in Richtung Campingplätze und Privatzimmer bemerkbar machte, ist heuer eine größere Nachfrage nach Hotels, Gasthöfen und gewerblichen Ferienwohnungen spürbar. 2,6 Prozent mehr Gäste als im Vorjahresmonat konnten 2021 alleine in diesem Segment verzeichnet werden, im Bereich der Privatquartiere gab es hingegen einen Rückgang von rund elf Prozent.

Sicherheit ist das A und O

Neben der hohen Qualität des touristischen Angebots spielt laut Tourismuslandesrat Gantner jedoch vor allem das Vertrauen der Gäste in einen verantwortungsvollen Umgang mit den Covid-19-Präventionsvorkehrungen eine bedeutende Rolle in den positiven Zwischenbilanzwerten. Dabei habe das Ländle vor allem durch den „Winterkodex“ profitiert. Immerhin sei Vorarlberg die einzige Urlaubsregion, die gemeinsam mit allen Tourismus-Akteuren eine umfassende Sicherheitsstrategie entwickelt habe, die sich auf allen Ebenen und am gesamten Weg des Gastes orientiert.

 Vorarlberg Tourismus-Geschäftsführer Christian Schützinger. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Vorarlberg Tourismus-Geschäftsführer Christian Schützinger. Klaus Hartinger

„Im Unterschied zum Sommer des vergangenen Jahres gibt es wieder mehr Mitbewerber.“

Christian Schützinger, Tourismusdirektor.

Ein Weg, den es auch weiterhin zu verfolgen galt, wie Gantner weiter erklärt – nämlich in Form der Vorarlberger Corona-Sicherheitsstrategie „Sicher zu Gast in Vorarlberg“ für den Sommertourismus. Die Kampagne umfasst sowohl die ausführliche Information der Gäste über gültige Corona-Vorgaben sowie Testmöglichkeiten und Einreise- und Ausreiseregelungen als auch eine umfassende Unterstützungen der Betriebe bei der Umsetzung von Präventionskonzepten. „So symbolisiert Vorarlberg auch weiterhin als Modellregion eine funktionstüchtige und sichere Alternative zum Lockdown und fungiert als eine Art Visitenkarte nach außen“, erklärt der Landesrat. Immerhin seien im Hinblick auf das Coronavirus in der Branche lediglich Einzelfälle aufgetreten.

Aufwärtstrend fortführen

So erkennt Gantner den Tourismus auch aus langfristiger Sicht auf einem guten Weg. Nach dem Höhepunkt des Aufwärtstrends im Jahre 2019 (fast 1,3 Millionen Gäste und 4,2 Millionen Nächtigungen) gelte es nun im Rahmen der Tourismusstrategie 2030 an dem Erfolgskurs festzuhalten und etwaige Herausforderungen zu evaluieren, um Themenschwerpunkte für die kommenden Jahre festzulegen. Denn „Tourismus ist nicht nur ein regionaler Wertschöpfungsmotor, sondern Energiequelle für unsere Lebensraum-Entwicklung“, schließt der Landesrat.

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