Allgemein

Feministische Kunst am Rathaus Bregenz

30.08.2021 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Arbeit der Tiroler Künstlerin Katharina Cibulka und ihres Teams.  <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Arbeit der Tiroler Künstlerin Katharina Cibulka und ihres Teams. Klaus Hartinger

Künstlerin Katharina Cibulka bespielt die Fassade des Bregenzer Rathauses.

“Man merkt, dass wir einen neuen Bürgermeister haben“, meinte eine Frau, die ges­tern Vormittag am Bregenzer Rathaus vorbeiging. Zu dieser Bemerkung veranlasst hat sie ein großes Netz, das seit ges­tern an der Fassade des eingerüsteten Gebäudes angebracht ist und Aufsehen erregt, wie zu beobachten war. Darauf ist in großen Buchstaben der Satz „Solange Gleichstellung nicht deine Lieblingsstellung ist, bin ich Feminist:in“ gestickt.

Die Arbeit stammt von der Tiroler Künstlerin Katharina Cibulka (geboren 1975) und ist Teil ihres seriellen Kunstprojekts „Solange“, das schon an zahlreichen Orten im In- und Ausland zu sehen war. In Bregenz wurde das Projekt von der neuen Dienststelle für Frauen, Gleichstellung, LGBTIQ+ und Integration initiiert, erläuterte die politisch Zuständige, Vizebürgermeisterin Sandra Schoch (Grüne). Dabei ging es auch darum, die weibliche Perspektive in den öffentlichen Raum zu bringen, erklärte sie.

Die Künstlerin Katharina Cibulka.   <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Künstlerin Katharina Cibulka. Hartinger

„Wir thematisieren den Mythos der erlangten Gleichberechtigung, merken aber, dass das noch lange nicht der Fall ist“, sagte Cibulka. Gemeinsam mit einem Team arbeitet sie seit einigen Jahren an dieser Serie. Eine Anklage sollen die Sätze nicht sein, sondern ihr ist auch wichtig, Humor und Doppeldeutigkeit in die Sprüche bringen. Nicht zuletzt, um auch die Männer ins Boot zu holen, denn „die brauchen wir, wenn wir am großen Projekt Gleichberechtigung arbeiten“.

Das Gebäude gebe das Thema vor, erklärte die Künstlerin ihre Arbeitsweise. Für Bregenz gab es vier Sprüche zur Auswahl, die einer Jury (Daniela Egger, Stefania Pitscheider Soraperra und Jürgen Weis­häupl) vorgelegt wurden. „Die hat sich den von uns favorisierten ausgesucht“, sagt Cibulka. Sie wünscht sich, dass die Arbeit zu Diskussion und Kommunikation führt – „am besten generationenübergreifend“.

Politisch Verantwortliche der Stadt und die Künstlerin präsentierten das Projekt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Politisch Verantwortliche der Stadt und die Künstlerin präsentierten das Projekt. Hartinger

Mit Diskussionen rechnet auch die Stadt. „Mein Referent ist auf viele Mails vorbereitet“, meinte Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ) mit einem Grinsen. Dramatisch werde die Auseinandersetzung nicht werden, sagte indes Kulturstadtrat Michael Rauth (ÖVP). Rauth betonte, dass der öffentliche Raum der beste Platz sei, um sich mit Kunst auseinanderzusetzen, die wiederum die Aufgabe habe, die Gesellschaft kritisch zu beleuchten und Missstände aufzuzeigen. Zur Arbeit selber meinte er: „Die Aussage ist einfach, humorvoll und leicht verständlich und bringt es auf den Punkt.“