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Gutachter hatte Autos mit Dosen zu bewerfen

31.08.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Berufungsverhandlung am Landesgericht Feldkirch.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Berufungsverhandlung am Landesgericht Feldkirch. Hartinger

Sachverständiger hielt Beschädigung von Windschutzscheibe für möglich.

Die Zeugin warf im Gerichtssaal einen Kugelschreiber an die Wand. Die mutmaßliche Geschädigte war zu diesem ungewöhnlichen Verhalten von den Berufungsrichtern aufgefordert worden. Die 47-jährige Frau sollte damit demonstrieren, wie der Angeklagte die Getränkedose gegen die Windschutzscheibe ihres Autos geworfen habe. Trotz des flachen Wurfwinkels sei die von der Zeugin behauptete Beschädigung der Frontscheibe mit zahlreichen Rissen technisch möglich, sagte der Kfz-Sachverständige Christian Wolf. Der Gutachter verwies dazu auf eigene Versuche. Wolf hatte im Auftrag des Berufungsgerichts bei seinen Tests auf dem Gelände einer Autoverwertungsfirma zahlreiche Bierdosen auf mehrere abbruchreife Autos geworfen.

Teilbedingte Geldstrafe

Die Berufungsrichter stützten sich auf die Angaben des Sachverständigen und der Zeugin. Der Richtersenat hob deshalb am Montag bei der Berufungsverhandlung am Landesgericht Feldkirch den erstinstanzlichen Freispruch auf und sprach den Angeklagten wegen Sachbeschädigung schuldig. Dafür wurde der unbescholtene Angestellte mit dem Netto-Monatseinkommen von 1500 Euro rechtskräftig zu einer Geldstrafe von 800 Euro (80 Tagessätze zu je 10 Euro) verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil 200 Euro. 600 Euro wurden für eine Probezeit von drei Jahren auf Bewährung bedingt nachgesehen.

Die mögliche Höchststrafe wäre eine Haftstrafe von sechs Monaten oder eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen gewesen. Als Schadenersatz für die beschädigte Windschutzscheibe hat der 56-Jährige der Fahrzeugbesitzerin 1000 Euro zukommen zu lassen.

Aus Wut

Nach Ansicht der Zweitrichter hat der angeklagte Radfahrer am 30. September 2020 in Dornbirn nach der Beinahe-Kollision mit dem Auto in seiner Wut eine Getränkedose gegen die Frontscheibe des Pkw geworfen und damit die Beschädigung in Kauf genommen.

In erster Instanz war am zuständigen Bezirksgericht im Zweifel ein Freispruch ergangen. Weil die Bezirksrichterin davon ausging, dass die von der Polizei unmittelbar nach dem Vorfall festgestellte Beschädigung der Windschutzscheibe nicht durch den angeklagten Dosenwurf erfolgt ist.

Lebensfremd

Landesgerichtspräsidentin Angelika Prechtl-Marte als Vorsitzende des Berufungssenats hält die Annahme, dass die Autoscheibe schon vor dem Vorfall beschädigt gewesen sei und die Autofahrerin den Angeklagten zu Unrecht belastet habe, für lebensfremd.

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