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Luschnouar Kilbi erneut abgesagt

01.09.2021 • 19:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bis zu 20.000 Besucherinnen und Besucher tummeln sich jährlich am Kilbi-Sonntag in Lustenau. <span class="copyright">Archiv/Stiplovsek</span>
Bis zu 20.000 Besucherinnen und Besucher tummeln sich jährlich am Kilbi-Sonntag in Lustenau. Archiv/Stiplovsek

Größtes Volksfest im Land wird wegen Pandemie heuer nicht durchgeführt.

Wie schon im Vorjahr fällt auch heuer die Luschnouar Kilbi der Coronapandemie zum Opfer. Das haben die Verantwortlichen der Marktgemeinde am Mittwoch in einer Aussendung bekannt gegeben. In einer Sondersitzung des Gemeindevorstands mit dem Lustenau Marketing wurde am Dienstagabend beschlossen, das größte Vorarlberger Volksfest, das jährlich bis zu 20.000 Besucher anzieht, erneut abzusagen. Die derzeitige Lage mit steigenden Infektionszahlen lasse eine Durchführung der Kilbi nicht zu, sagte Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP).

Nicht vorstellbar

Menschen aus dem ganzen Land würden bei der Veranstaltung am zweiten Sonntag im Oktober – heuer wäre es der 10. Oktober gewesen – in die Marktgemeinde strömen und dort im dichten Gedränge im Ortszentrum verweilen und feiern. Eine Durchführung der Kilbi mit Besucherregistrierung, Abriegelung bei Erreichen der Maximalkapazität, einer Abzäunung des gesamten Zentrums und der Zufahrtswege sowie 3G-Kontrollen sei nicht vorstellbar und wohl nur schwer durchführbar. Bei der Entscheidung habe man auch an die Gastronomen und Standbetreiber gedacht. Für sie wäre bei einer Absage „in letzter Minute“ wohl ein größerer wirtschaftlicher Schaden entstanden.

Nachgefragt

Traurig zeigte sich der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) über die erneute Absage der Kilbi aufgrund der Coronapandemie. Alljährlich würden sich Alt und Jung in der Gemeinde auf das Volksfest sowie die besondere Atmosphäre dort freuen. Diese könne bei einer „Light-Version“ der Kilbi einfach nicht aufkommen. Schon mit den bereits jetzt gültigen Regelungen sei eine Durchführung fast unmöglich. Aufgrund der derzeitigen Situation sei bis Oktober nicht mit einer Lockerung der Maßnahmen zu rechnen, sondern wohl eher mit Verschärfungen. Um keine Erwartungen zu schüren, habe man daher jetzt entschieden, die Kilbi auch heuer ausfallen zu lassen.

Schade ist die Absage aus Sicht des Bürgermeisters auch für die Vereine im Ort. Denn für sie sei die Kilbi alljährlich eine willkommene Einnahmequelle, um ihr Budget aufzubessern und damit die ehrenamtlichen Aktivitäten zu finanzieren. Und natürlich würden auch die lokalen Geschäfte, Bäckereien und Gastronomiebetriebe von der Kilbi profitieren. Zugleich habe sich das Volksfest einen familiären Charakter behalten, bei dem Kommerz keine große Rolle spiele. Umso trauriger sei nun die erneute Absage.

Für die Kilbi-Organisatoren, Giebl Hämmerle von der Gemeinde und Julia Schneider vom Lustenau Marketing, ist eine Light-Version des Volksfestes keine Option. Die 160 Händlerinnen und Händler, Vereine und Schausteller hätten aber Verständnis für die Absage gezeigt. „Gerade in diesen Zeiten ist es uns ein Anliegen, der Lustenauer Bevölkerung ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. So haben wir schon mit der Planung eines Alternativprogramms gestartet und werden auch dieses Jahr die Lustenauerinnen und Lustenauer mit der einen oder anderen Aktion überraschen“, erklärte Julia Schneider.

„Sônggl“ und Käsdönnola

Im Vorjahr konnten sich Kilbi-Fans trotz der Absage einen „Sônggl“ herstellen lassen und diesen dann in einem Lustenauer Geschäft abholen. Die Buttons werden sonst alljährlich auf dem Volksfest angeboten und erfreuen sich großer Beliebtheit. Ebenso erhältlich waren am Kilbi-Sonntag die Käsdönnola von der Bäckerei Wund. Diese wurden an einem Stand vor dem Geschäft verkauft.

Bürgermeister Kurt Fischer bedauert die zweite Absage in Folge. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Bürgermeister Kurt Fischer bedauert die zweite Absage in Folge. Stiplovsek

Die Entscheidung, die Kilbi abzusagen, sei nicht leicht gefallen, sagten die Organisatoren. Allerdings gelte das Motto: „A klei Kilbi git as nö.“ Daher habe man sich dazu entschlossen, noch ein Jahr auszuharren, „und auf ein legendäres Comeback unserer Kilbi im nächsten Jahr zu hoffen“.

Das Lustenauer Kirchweihfest gibt es schon seit über 200 Jahren. Von der langen Geschichte zeugt ein Dekret des „Reichsgräflichen Harrachschen Oberamtes allda in Hohenembs“ vom 17. Oktober 1801. Das Fest, wie man es heute kennt, wurde 1978 von der Lustenauer Kaufmannschaft ins Leben gerufen, seit 23 Jahren liegt die Organisation in den Händen der Gemeinde.

“Emser Marktstraßenfest”

Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass das „Emser Marktstraßenfest“ in der Stadt Hohenems nicht durchgeführt wird. Dieses hätte am 25. September über die Bühne gehen sollen. Aufgrund der Pandemie wurde die Veranstaltung, bei der vor zwei Jahren über 15.000 Besucher waren, abgesagt.