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Nach 40 Jahren wieder in Nenzing

02.09.2021 • 20:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Seilbagger "HS 870" wurde vor über 40 Jahren in Nenzing gebaut und wurde nun dort wieder restauriert. <span class="copyright">Liebherr-Werk Nenzing</span>
Der Seilbagger "HS 870" wurde vor über 40 Jahren in Nenzing gebaut und wurde nun dort wieder restauriert. Liebherr-Werk Nenzing

Erster Seilbagger von 1980 wurde im Liebherr-Werk ­Nenzing restauriert.

Ein alter Bekannter ist nach 40 Jahren wieder in das Liebherr-Werk in Nenzing zurückgekehrt. Es handelt sich dabei um den Protoypen des Seilbaggers „HS 870“, der 1980 erstmals auf der Baumaschinen-Messe „Bauma“ in München präsentiert worden ist. Fast vier Jahrzehnte lang war das Gerät seitdem im Einsatz und verrichtete zuletzt in einer Kiesgrube nahe der deutschen Stadt Bonn noch tagtäglich seinen Dienst. 2014 entdeckte der damalige Verkaufsleiter für Seilbagger und Raupenkrane für die Region Deutschland das Schmuckstück. Schon nach kurzer Zeit stand fest: Es handelte sich tatsächlich um den Protoypen des Baggers mit der Seriennummer 181001.

Nicht nur neuer Lack

Im Februar 2018 kam der „Urvater der Nenzinger Baumaschinenproduktion“ (siehe Factbox) dann schließlich wieder an seinem Geburtsort an, wie es seitens des Liebherr-Werks Nenzing heißt. Gemäß Montageleiter Jürgen Grass hatte der Zahn der Zeit seine Spuren an dem Gerät hinterlassen. Der Zustand sei zwar den Umständen entsprechend gut gewesen. Dennoch sei es mit ein bisschen neuem Lack nicht getan gewesen.

Liebherr-Werk Nenzing

Im Jahr 1976 wurde das Liebherr-Werk Nenzing gegründet, um an diesem Standort maritime Krane zu bauen. Weniger als 100 Beschäftigte arbeiteten damals an Schiffs- und Offshore-Kranen für die Firmengruppe. Der Konkurs des deutschen Baumaschinenherstellers Menck sollte sich kurz darauf als bedeutend für die weitere Entwicklung des Standorts erweisen. Denn Hans Liebherr junior, Sohn des Firmengründers, erwarb die Konstruktionspläne des insolventen Herstellers und nach einiger Überlegung fiel die Entscheidung, in Nenzing einen Seilbagger bauen zu lassen. So kam es, dass die Spezialisten für maritime Krane zu Experten für Baumaschinen wurden. Heute sind in Nenzing 1460 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Und der erste Eindruck hatte nicht getäuscht. Insgesamt über 700 Stunden Arbeit haben Grass und ein Team aus Monteuren, Schlossern, Ingenieuren sowie Lehrlingen in die Restauration des Seilbaggers gesteckt. Ziel war es, den Charakter des Prototypen zu erhalten. Von den Auszubildenden wurde dafür die Stahlverkleidung komplett neu gebaut. Dazu wurde der Fahrantrieb restauriert, Hydraulikschläuche wurden ersetzt und alte Pumpen sowie Motoren wurden zerlegt, gereinigt und wieder neu montiert. Auch 3D-Druck-Technik kam zum Einsatz. Denn für die Scheinwerferabdeckungen wurden trotz intensiver Suche keine Ersatzteile gefunden. Diese wurden dann im 3D-Drucker originalgetreu hergestellt, erklärt Grass.

Interessante Erfahrung

Der Leiter der Montage ist stolz auf alle Beteiligten: „Wir haben hier viele sehr gute und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei uns. Der eine oder andere war vor 40 Jahren sogar noch selber bei der Fertigung des ‚HS 870‘ mit dabei.“ Vor allem für die Lehrlinge sei die Restauration eine interessante Erfahrung gewesen. Schließlich seien die heutigen Seilbagger allesamt digital, während beim Prototypen noch alles analog sei.

Manfred Brandl durfte sich zu seiner Pensionierung über ein besonderes Wiedersehen freuen.  <span class="copyright">Liebherr-Werk Nenzing </span>
Manfred Brandl durfte sich zu seiner Pensionierung über ein besonderes Wiedersehen freuen. Liebherr-Werk Nenzing

Eine besondere Überraschung war die Restauration des „HS 870“ für den früheren Geschäftsführer des Liebherr-Werks Nenzing, Manfred Brandl. Schließlich war er selbst mit dabei, als der Prototyp gebaut worden ist. „Zeitgleich mit meiner Pensionierung nach 42 Liebherr-Jahren wurden die Restaurationsarbeiten am ‚HS 870‘ fertig. Sozusagen als Abschiedsgeschenk ziert nun mein Vorname diese tolle Maschine. Dafür bin ich sehr dankbar und es erfüllt mich mit Stolz, Teil dieser Liebherr-Geschichte zu sein“, freut sich Brandl.

Für Vorführungen

Der restaurierte Seilbagger mit dem neuen Namen „Manfred #1“ wird seinen Lebens­abend in der Walgaugemeinde verbringen. Im Werk kann er nun von Gästen und Mitarbeitenden bestaunt werden. Ebenso ist geplant, dass die Maschine bei Kundentagen und Veranstaltungen für Vorführungen genutzt wird. Schließlich hat mit dem „HS 870“ die Ära der Baumaschinenproduktion im Liebherr-Werk Nenzing begonnen.

Die Bedeutung des Prototypen zeigt sich auch darin, dass die Geschichte und Restauration der Maschine umfassend dokumentiert und aufgearbeitet worden ist. Die ganze Story ist auf der Internetseite von Liebherr nachzulesen und anzuschauen: https://www.liebherr.com/de/deu/aktuelles/storys/hs-870/hs-870.html.

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