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Wie der Vater, so der Sohn

04.09.2021 • 20:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Tim Halbrainer steigt in Reinigungsfachmarkt seines Vaters ein.

Tim Halbrainer sitzt im großen Schulungsraum des Reinigungsfachmarktes seines Vaters und erzählt. Er spricht langsam und bedacht. Immer wieder huscht ihm ein kurzes Lächeln über die Lippen. Er spricht von seiner großen Leidenschaft und seinen Zukunftsplänen.
Tim Halbrainer ist 19 Jahre alt. Mit seiner Hak-Matura, die er mit gutem Erfolg absolvierte, steht ihm die Welt offen. Alterskollegen haben den Sommer damit verbracht sich Studienplätze zu sichern und sich auf neue Abenteuer in Innsbruck, Graz oder Wien vorzubereiten. Tim Halbrainer tickt anders. Er wird in Vorarlberg bleiben, ein Studium kommt für ihn trotz seiner guten Noten nicht infrage. „Ich möchte mich weiterbilden, aber auch arbeiten und etwas schaffen“, sagt der junge Dornbirner. Und er hat einen ungewöhnlichen Berufswunsch. In Zukunft wird sich im Leben des jungen Vorarlbergers alles um das Thema Reinigung drehen.

An der Seite des Vaters

In Berührung mit dem Thema kam er über seinen Vater Martin, der den Reinigungsfachmarkt in Dornbirn betreibt. In schulfreien Zeiten oder nach dem Unterricht half Tim Halbrainer bereits im Geschäft seines Vaters aus, nun wird er als gleichwertiger Partner an der Seite seines Vaters das Geschäft leiten.
Zuvor heißt es aber wieder die Schulbank drücken, denn zunächst steht die Ausbildung zum Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigungsmeister an. Seine Freunde und Klassenkameraden haben ihn zunächst etwas komisch angesehen, als er ihnen vermittelte, dass er seine Zukunft im „Putzen“ sehe. Doch sehr schnell konnte er durch seine ruhige und bedachte Art gepaart mit seiner Leidenschaft für das Thema Reinigung seine Freunde von der Wichtigkeit des Berufs überzeugen.

Tim Halbrainer. <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Tim Halbrainer. Alexandra Serra

„Es kamen natürlich ein paar abschätzige Kommentare, aber ich konnte jedem schnell klarmachen, wie wichtig Reinigung und Hygiene ist. Gerade durch Corona sehen wir, dass es unverzichtbar ist. Sollten dennoch blöde Kommentare kommen, ist mir das auch egal“, sagt der 19-Jährige.
Lehrmeister wird sein Vater sein, der ihm von der Pike auf das Reinigungsgeschäft nähergebracht hat. Mit dem Reinigungsfachmarkt und der dazugehörigen Cleanconsulting hat sich Martin Halbrainer einen Lebenstraum erfüllt. Dabei legt der Meister selbst nicht mehr Hand an, sondern berät unter anderem Gemeinden bei großflächigen Aufträgen und erstellt Konzepte für Gebäude­reinigungen. Die entsprechenden Firmen oder Reinigungsequipment, mit denen diese Konzepte dann umzusetzen sind, vermittelt er bei Bedarf auch. Zusätzlich hält er Schulungen ab, gibt sein Wissen an andere Gebäudereiniger weiter oder arbeitet als Gutachter. Dazu hat er ein großes Mustergelände in seinem Reinigungsfachmarkt aufgebaut und es zuletzt sogar nochmals um 500 Quadratmeter erweitert, um an verschiedensten Belagsarten die entsprechende Reinigung zu demonstrieren. „Ich versuche gerade einen OP-Saal zu erstehen, um die richtigen Reinigungstechniken in diesem sensiblen Bereich unterrichten zu können. Allerdings sind die Gerätschaften teuer, ich hoffe dennoch, dass es klappt“, sagt der 46-Jährige.

Martin Halbrainer. <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Martin Halbrainer. Alexandra Serra

Schwierige Coronazeit

In der Hochphase der Pandemie konnte Halbrainer allerdings keine Schulungen anbieten. Weil er aber mit seinem Reinigungsfachmarkt zur kritischen Infrastruktur zählte und somit seinen Betrieb weiterführen konnte, bekam er für diese Ausfälle auch keine Entschädigung. Auch die Annahme, dass in Coronazeiten das Geschäft mit Reinigung besonders gut lief, ist ein Trugschluss.
„Plötzlich gab es nur noch Hygieneexperten und überall musste Anti-Corona draufstehen. Das war sehr viel Pro-Forma-Politik und alle haben sich auf das Thema Desinfektion eingeschossen. Welche Mittel, in welcher Dosierung und auf welchen Belägen aber Sinn machen, spielte keine Rolle. Ich machte da nicht mit und weigerte mich den Menschen etwas anzudrehen, was sie nicht brauchten oder wegen falscher Anwendung keinen Nutzen hatte. Aus Italien gab es sogar Bilder, wo Büsche und Spielplätze mit Desinfektionsmittel besprüht wurden. Völlig hirnverbrannt“, erklärt der Experte.

Martin Halbrainer hat zusätzliche 500 Quadratmeter angemietet, um die Schulungen noch anschaulicher zu gestalten. <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Martin Halbrainer hat zusätzliche 500 Quadratmeter angemietet, um die Schulungen noch anschaulicher zu gestalten. Alexandra Serra

Aus diesem Grund waren die Zeiten der Pandemie belastend, es ging sich aber aus, wie Halbrainer sagt. Nun startet das Unternehmen wieder durch. Mit Tim an seiner Seite blickt Martin Halbrainer freudestrahlend in die Zukunft. In ihrem Naturell unterscheiden sich Vater und Sohn, die von sich selbst sagen, sie sind die besten Freunde, sehr und ergänzen sich dadurch gut. Während Tim eher den ruhigen, kalkulierenden Part einnimmt, ist Martin Halbrainer eher der Mann für die vordere Front, der den Kontakt zu den Menschen sucht. Neben ihrer Zuneigung zueinander verbindet die beiden vor allem die Leidenschaft zur Reinigung. Martin als Lehrmeister, Tim als Lehrling und dennoch als Partner auf Augenhöhe.

„Wir haben noch nie gestritten und sind immer ehrlich miteinander. Ich habe ihn auch nie gedrängt ins Unternehmen zu kommen. Das war seine eigene Entscheidung und das macht mich noch stolzer“, sagt Martin Halbrainer. Und Tim freut sich auf die kommenden Jahre. Zunächst als Lehrling, dann als Lehrender.