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Schulbetrieb zwischen Tests und Freiwilligkeit

11.09.2021 • 20:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Enge Sitzkreise sind in Schulen im benachbarten Ausland nicht möglich. Mindestabstände gehören zu den wenigen Maßnahmen, die überall gelten. <span class="copyright">Hartinger</span>
Enge Sitzkreise sind in Schulen im benachbarten Ausland nicht möglich. Mindestabstände gehören zu den wenigen Maßnahmen, die überall gelten. Hartinger

In den Nachbarländern gibt es Unterschiede beim Umgang mit Corona in Schulen.

Die Covid-19-Maßnahmen ab Schulstart unterscheiden sich in den Vorarl­berger Nachbarländern teilweise deutlich. Während sich in Deutschland auch Geimpfte testen lassen müssen, bleiben Tests in der Schweiz freiwillig – wenn sie überhaupt angeboten werden. Auch bei den Masken schwankt das Spektrum zwischen Pflicht und Freiwilligkeit.

Keine 3G-Regel

Ab Montag gilt Maskenpflicht für die Oberstufenschüler und alle Lehrer im Kanton St. Gallen. Die Maskenpflicht gilt nicht im Sportunterricht und ist vorerst bis 7. November befristet. Schüler und Lehrer werden an den Grundschulen kos­tenlos mit Masken versorgt. An den übrigen Schulen erhalten zumindest die Lehrer kostenlosen Mund-Nasenschutz. Über den Maskentyp entscheidet der Schulträger. Massentests sind an den Schulen nicht vorgesehen. Es kommt nur im Anlassfall zu Ausbruchstestungen. Auch in diesem Fall dürfen Schüler nicht ohne Zustimmung der Eltern getestet werden.
Schüler dürfen aus Datenschutzgründen nicht gefragt werden, ob sie getestet, geimpft oder genesen sind. Auch Schulveranstaltungen sind unter Einforderung der 3G-Regeln, in der Schweiz als Zertifikatspflicht bekannt, verboten. An St. Gallner Schulen sind daher nur Veranstaltungen ohne Kontrolle des Impf-, Test oder Genesenenstatus möglich. So können bisher bis zu 1000 Personen an Schulveranstaltungen teilnehmen, wenn das Publikum sitzt. Veranstaltungen im Stehen oder mit Bewegung sind in Innenräumen mit maximal 250, draußen mit bis zu 500 Teilnehmern zulässig. Nur Tanzveranstaltungen bleiben verboten.
Fraglich ist, inwieweit das ­3G-Kontrollverbot für Schul­veranstaltungen im Nachbarkanton noch aufrechterhalten werden kann, nachdem der Schweizer Bundesrat ab 13. September die Zertifikatspflicht für fast alle Veranstaltungen verordnet hat.

Ohne Maske

Im Umgang mit der Pandemie hat man sich in Liechtenstein an der lockereren Politik der Schweiz orientiert. An den liechtensteinischen Schulen soll, wo immer möglich, eine Distanz von 1,5 Metern eingehalten werden. Schulveranstaltungen können abgehalten werden, wenn die allgemeinen Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Auch Elternabende und Projekttage sind unter diesen Umständen möglich.
Masken für die Lehrer werden von den Schulträgern zur Verfügung gestellt. FFP2-Masken gibt es allerdings nur auf Wunsch oder bei besonderer Gefährdung. Die Schüler können auf Wunsch der Eltern Masken tragen, sind aber dazu nicht verpflichtet. Wer Symp­tome aufweist, muss in Isolation. In den Schulbussen besteht ab zwölf Jahren Maskenpflicht.

Testpflicht für alle

Bis Ende August koppelten die Coronabestimmungen in Baden-Württemberg noch einzelne Maßnahmen im Schulbereich an die Inzidenz. Der Sportunterricht ist seitdem unabhängig von den Infektionszahlen der Gesamtbevölkerung zulässig. Veranstaltungen in Innenräumen dürfen nur von Immunisierten und Getesteten besucht werden. Das gilt auch für Schulveranstaltungen im Freien, wenn beispielsweise der Abstand von 1,5 Metern nicht zuverlässig eingehalten werden kann. In Baden-Württemberg gilt außerdem eine Testpflicht für alle Schüler, die nicht geimpft oder genesen sind. Wird ein Test verweigert oder ist das Testergebnis positiv, ist eine Teilnahme am Präsenzunterricht oder der Notbetreuung nicht möglich.
Unabhängig von der Inzidenz gilt die Maskenpflicht in allen Schulen, außer beim Sport- oder Musikunterricht. Klassenzimmer müssen alle 20 Minuten gelüftet werden. Nach einem positiven Fall muss sich die gesamte Klasse fünf Tage lang täglich testen. Bei Kindern unter acht Jahren und in Sonderfällen genügt ein Test.

Stoffmasken für die Kleinsten

Eine generelle Maskenpflicht im Unterricht gilt auch in Bayern, wobei für Schüler bis zur vierten Klasse eine textile an Stelle einer medizinischen Maske erlaubt ist. Die Maskenpflicht entfällt auch in Bayern während des Sportunterrichts und zusätzlich während der Stoßlüftung in den Klassen. Ab der 5. Schulstufe werden dreimal wöchentlich Antigentests durchgeführt. In den Grund- und Sonderschulungen wird in Bayern auf PCR-Pooltestungen umgestellt. Zwischenzeitlich sind aber auch hier noch Antigentests im Einsatz.
Die Impfung befreit in Bayern ebensowenig wie im Nachbarland Baden-Württemberg von der Testpflicht. Sie wird aber ab zwölf Jahren empfohlen.

Freiwillige Massentests

Wie St. Gallen orientiert sich der Kanton Graubünden an den Hygieneempfehlungen des Bundes und schreibt Maskenpflicht nur dort vor, wo ein Abstand nicht eingehalten werden kann. Im Gegensatz zum Nachbarkanton besteht an den Oberstufenklassen jedoch keine generelle Maskenpflicht. Allerdings kann sie der Schulträger in gewissen Fällen anordnen.
Aufführungen in Innenräumen sind mit Masken und bis zu 250 Personen erlaubt. Im Gegensatz zu St. Gallen setzt Graubünden auf wöchentliche Schultestungen mittels PCR-Speicheltests. Der Kanton hatte schon bisher schweizweiten Vorbildcharakter in Sachen Massentestung. Allerdings bleiben die Schultests wie im letzten Schuljahr freiwillig. Wer sein Kind nicht testen lassen möchte, kann es dennoch in die Schule schicken. Die Tests sind kostenlos. Der Kanton em­pfiehlt Geimpften ohne Symptome, nicht daran teilzunehmen.

Vielleicht wieder Tests

Aufgrund der Empfehlungen des Bundesrates hat Appenzell-Innerrhoden ebenso auf eine Maskenpflicht im Unterricht verzichtet. In speziellen Situationen kann sie aber angeordnet werden. Im Bedarfsfall will man wie in St. Gallen Ausbruchstestungen durchführen. Die Wiedereinführung freiwilliger, regelmäßiger Tests an den Schulen behält man sich noch vor.