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Weniger Käse nach Alpsaison

12.09.2021 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Martin Bereuter, stellvertretender Obmann vom Vorarlberger Alpwirtschaftsverein. <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">Hartinger</span></span>
Martin Bereuter, stellvertretender Obmann vom Vorarlberger Alpwirtschaftsverein. Hartinger

Langer Winter und nasskalte Witterung verkürzten den Alpsommer.

Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, dann war es heuer ein durchschnittlicher Alpsommer. Verglichen mit der sehr guten und vor allem langen Sommersaison 2020 fällt das Ergebnis jedoch sehr viel schlechter aus. Denn die Älpler zogen heuer zwei bis drei Wochen später ins Gebirge als vergangenes Jahr. Was dann folgte, waren Wochen geprägt von nasskalter Witterung. Keine optimalen Bedingungen.

Martin Bereuter, Bürgermeis­ter von Sibratsgfäll, ist stellvertretender Obmann des Vorarlberger Alpwirtschaftsverein. Er selbst bewirtschaftet Talbetrieb, Vorsäß und Alpe mit 45 Milchkühen und 60 Stück Jungvieh. „Anfang des Sommers war ein extrem guter Futterzuwachs. Mitte Juli kam dann vermehrt das kühle Nasswetter. Das hat die Futterausbeute sehr eingeschränkt, und der Alpsommer war schnell vorbei“, sagt Bereuter. Man habe mehr Futter gebraucht, was sonst dem Talbetrieb im Winter zugute gekommen wäre.

Durch den verkürzten Alpsommer ist die Milchmenge geringer. <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">Klaus Hartinger</span></span>
Durch den verkürzten Alpsommer ist die Milchmenge geringer. Klaus Hartinger

Verluste durch Abstürze

In erster Linie seien die Vorarlberger Älpler aber froh, dass sie hierzulande von Naturkatastrophen, die es vielerorts gegeben hat, verschont geblieben sind.

Allerdings habe es relativ viele Viehverluste durch Abstürze gegeben. „Es gab definitiv vermehrt Unfälle. Das ist vor allem der nassen Witterung im Hochgebirge geschuldet“, ist Bereuter überzeugt. Aber auch der Wolf könnte dabei eine Rolle gespielt haben. Die tatsächliche Ursache der Abstürze ist laut Bereuter schwer zu eruieren. Wenn ein Wolf angreift, flieht das Vieh – das kann gefährlich werden.

„Es gibt Vorfälle, die sich mitten in der Nacht ereignet haben. Das ist schon ungewöhnlich, da die Tiere zu dieser Zeit normalerweise ruhen“, meint Bereuter. Es sei also wahrscheinlich, dass ein Wolf da sei. Jedenfalls bringe das eine zusätzliche Herausforderung mit sich, wenn die Wetterverhältnisse alleine schon mies sind.

Weniger Käse

Auch die Ausbeute der Alpkäseproduktion dürfte heuer geringer ausfallen, was dem späteren Aufzug geschuldet sei. „Die Milchmenge ist geringer, weil wir im Frühjahr viele Tage verloren haben. Das ist hintenraus nicht mehr zum Aufholen“, weiß der Landwirt.

Personal und Helfer

Immerhin sei es heuer nicht problematisch gewesen, Personal für die Alpen zu bekommen. Natürlich gibt es laut Bereuter immer wieder Helfer, die nicht die komplette Saison durchhalten, weil sie sich das irgendwie anders vorgestellt haben. „Ein Sommer auf der Alpe ist gut und schön. Aber die Realität ist manchmal hart. Da muss man durch, egal ob das Wetter schön ist oder nicht. Es ist harte Arbeit und keinesfalls Urlaub“, nimmt Bereuter die Illusion. Die meisten Älpler hätten jedoch langjähriges Personal. Die wissen, was auf sie zukommt.

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Klaus Hartinger

Wenig Vieh

560 Alpen gibt es im Land, nahezu alle werden bewirtschaftet. Zum Teil haben sie jedoch zu wenig Vieh, zu wenig Bestoßung. „Das ist dem TBC geschuldet. Gerade im Montafon haben die Hochtreiber Angst, dass sich die Tiere infizieren. Aber die Situation ist schon seit Jahren so“, sagt der stellvertretende Obmann.

Ende August sind Bereuters Milchkühe wieder auf die Voralpe hinab gezogen. Das Jungvieh – etwa 60 Stück – bleibt noch oben auf Bereuters Neualpe auf 1500 Metern. Der Abtrieb geht am 18. September über die Bühne – ohne Festivität wegen der anhaltenden Pandemie. Lediglich Helfer und Landwirte sind dabei.

Alpabtrieb: Keine Spektakel geplant

Der Alpsommer neigt sich dem Ende zu, die Älpler kehren mit ihren Tieren ins Tal zurück. Aufgrund der Pandemie gehen auch heuer die traditionellen Alpabtriebe größtenteils ohne Rahmenprogramm wie Bewirtung über die Bühne.

• Montafon: Samstag, 18. September 2021: Alpe Wasserstube, Panoramagasthof Kristberg (12 Uhr Eintreffen der geschmückten Kühe), ohne Bewirtung; Alpe Verbella, Vallüllasaal Partenen (11 Uhr Eintreffen der geschmückten Kühe), mit Bewirtung, bei jeder Witterung.
Samstag, 25. September 2021: Schafscheide Garnera (700 bis 800 Tiere), Bargaplatz Transtrauas (8 bis 11 Uhr, vom Parkplatz der Versettla Bahn Richtung Ganeu/Garnera, mit Bewirtung

• Dornbirn: Auch heuer muss der Alpabtrieb in Dornbirn ohne das gewohnte Fest in der Enz stattfinden. Die Älpler werden dennoch traditionell zu Fuß ins Tal marschieren. An den beiden Samstagen am 18. (12.30 bis 15.30 Uhr) und 25. September (12.30 bis 15.30 Uhr) wird es deshalb zu einer vorübergehenden Sperre auf der Gütle- und Ebniter Straße kommen.

• Kleinwalsertal: Die Organisatoren des Alpabtriebs informieren, dass der Viehscheid am Scheidplatz in Riezlern in diesem Jahr nicht wie gewohnt möglich ist. Um größere Personenansammlungen zu vermeiden, wird keine Bewirtung und Unterhaltung stattfinden, ebenso werden keine Marktstände vor Ort sein. Alpe Bärgunt: 260 Tiere (8.15 Uhr ab Baad-Kreisverkehr, 8.35 Uhr Abzweigung Bödmen, 9 Uhr Hirschegg-Walserhaus, 9.20 Uhr Breitachbrücke), Zwerenalpe: 116 Tiere (10.45 Uhr Kanzelwand Talstation), Alpe Galtöde: 157 Tiere (12 Klettergarten – Schwarzwassertalstraße, 12.30 Uhr Abzweigung Oberseitestraße, 12.50 Uhr Breitachbrücke).

• Bregenzerwald: Alpe Ruba, Mittwoch, 15. September 2021 durch Sibratsgfäll; Hochalpe, Samstag 18. September 2021 durch Sibratsgfäll.
Der Gallomat in Bezau, die Noriker- und Ziegenausstellung in Andelsbuch und der Markt in Schwarzenberg wurden alle abgesagt.
Die traditionelle Käseprämierung im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg kann jedoch wie geplant am 18. September stattfinden.