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Entwürfe für Mohren-Areal gefragt

14.09.2021 • 20:13 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Auch Gasthaus soll es geben.


Mehr Produktions- und Lagerkapazitäten durch Verdichtung; eine bessere Verkehrsführung und eine Öffnung der Brauerei für Besucher: Das sind die wesentlichsten Ergebnisse eines mehrtägigen Planungsworkshops, den das Dornbirner Brauereiunternehmen im November 2020 gemeinsam mit Anrainern, Vertretern der Stadt und diversen Experten durchgeführt hat. Die Ideen, Wünsche und Anregungen flossen in ein inhaltliches Konzept, das nun mittels eines Architekturwettbewerbs konkrete Formen annehmen soll.

Zehn Teilnehmer

Die vier vom Auslober geladenen und sechs von der Architektenkammer zugeladenen Büros bzw. Arbeitsgemeinschaften haben bis 8. November Zeit, ihre Entwürfe auszuarbeiten. Voraussichtlich am 19. November soll der Sieger feststehen. Als Baubeginn wird das vierte Quartal 2022 anvisiert, 2030 soll das Areal fertiggestellt sein. Die Netto-Errichtungskos­ten beziffert das Unternehmen in den Ausschreibungsunterlagen mit acht Millionen Euro.
Das Vorentwurfskonzept des Siegerprojektes wird unter anderem als Grundlage für allfällige Widmungsverfahren sowie Adaptierungen des rechtskräftigen Bebauungsplanes dienen. Anschließend wollen die geplanten Erweiterungsmaßnahmen etappenweise umgesetzt werden.
Diese betreffen konkret die Bereiche Lager & Logistik, Produktion sowie die Verwaltung und die sogenannte „Biererlebniswelt“. Letztere soll etwa um eine von der Brauerei eigens betriebene Gastronomie erweitert werden. „Ziel ist die Schaffung eines bodenständigen und identitätsstiftenden Gasthauses mit ganztägigem Betrieb, dem Mohren-Wirt“, heißt es in den kürzlich veröffentlichten Ausschreibungsunterlagen. Die Gaststätte soll Platz für 100 Personen bieten und einen Gastgarten oder eine Dachterrasse für zusätzlich 60 Gäste umfassen.
Die verschiedenen Abteilungen der Verwaltung, die aufgrund des gewachsenen Firmengefüges der Mohrenbrauerei auf mehrere Gebäude und Ebenen verteilt sind, sollen künftig in einem neuen Trakt untergebracht sein. Auch neue Sozialräume wird es geben.

Thomas Pachole, Geschäftsführer Mohrenbrauerei. <span class="copyright">hartinger</span>
Thomas Pachole, Geschäftsführer Mohrenbrauerei. hartinger

3 Fragen an …

Thomas Pachole, Geschäfstführer Mohrenbrauerei

1. Was sind die Schwierigkeiten bei einer Betriebserweiterung im innerstädtischen Bereich?

Thomas Pachole: Das ist in der Tat eine große Herausforderung. Wir können unseren Nachbarn ja nicht einfach die nächste Halle vor die Nase setzen. Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen und benötigen unter anderem mehr Platz im Lager- und Produktionsbereich. Eine Herausforderung wird es deshalb sein, mit der limitierten Fläche auszukommen.

2. Was erwarten Sie sich von den Entwürfen?

Pachole: Die Architekten müssen zwei Welten in Einklang bringen. Einerseits muss die architektonische Gestaltung ansprechend sein. Andererseits muss gewährleistet sein, dass die komplexen innerbetrieblichen Prozesse gut funktionieren. Zudem wird bei laufendem Betrieb gebaut.

3. Vor einem Jahr sorgte das Mohren-Logo einmal mehr für Diskussionen in den sozialen Medien. Das Unternehmen hat sich daraufhin entschlossen, einen Markenprozess zu starten. Wie weit ist dieser gediehen?

Pachole: Zunächst haben wir im Rahmen einer Marktforschung über 2000 Vorarlberger befragt. Details kann ich noch nicht verraten, aber die Vorarlberger stehen der Marke sehr positiv gegenüber. Im Mai haben wir eine Expertenrunde aus Betroffenen, Aktivisten, Historikern und Integrations-Experten einberufen. Jetzt ist das Marketing gerade daran, die Ergebnisse zu verarbeiten. Letztlich ist es eine Entscheidung der Eigentümerfamilie. Eines ist aber klar: Eine 250 Jahre alte Marke lässt sich nicht in ein paar Monaten ändern.

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Vogis

Weiteres Hochregallager

Allerhöchste Priorität hat allerdings die Erweiterung und Modernisierung der Bereiche Produktion und Lager & Logistik, die den flächenmäßig größten Anteil des 23.000 Quadratmeter großen Betriebsareals darstellen. So soll allein die Flaschenabfüllung um 1200 Quadratmeter erweitert werden. Neben neuen Lager- und Gärtanks wird es ein weiteres Hochregallager mit einer Grundfläche von 14 mal 30 Meter und einer Höhe von 25 Metern geben. Und im südlichen Bereich des Areals ist unter anderem ein überdachtes Außenlager für das Leergut geplant.

Zahlen und fakten

– Bestandsfläche: 23.000 Quadratmeter

(Lager & Logistik: 8800 m², Produktion: 10.600 m² Biererlebniswelt: 2400 m², Verwaltung: 1200 m²)

– Nettonutzfläche neu: 7000 Quadratmeter

(Lager & Logistik: 2600 m², Produktion: 1900 m², Biererlebniswelt: 1000 m², Verwaltung: 1500 m²)

• Beginn Planung: 4. Quartal 2021

• Baubeginn: 4. Quartal 2022

• Baufertigstellung: 2030

• Errichtungskosten: 8 Millionen Euro

Städtebaulicher Aspekt

Wichtig scheint dem Dornbirner Traditionsunternehmen auch der städtebauliche Aspekt zu sein. Das Mohren-Areal soll laut der Auslobung ein „attrak­tives Passstück“ zwischen Innenstadt im Westen und dem Villenviertel im Osten werden. „Um eine städtische Verknüpfung herzustellen, wird eine gestalterische Einbindung der Brauerei, insbesondere der Zugangssituation in den Stadtraum gewünscht“, heißt es in den Wettbewerbsunterlagen. Das Konzept der Brauerei dürfe bis zum gegenüberliegenden Rathausplatz weitergedacht werden.
Zudem wünscht sich das Unternehmen eine Öffnung des Areals zur viel befahrenen Stadtstraße hin. Die Frage, wie dies aufgrund betrieblicher sowie brandschutztechnischer Erfordernisse umgesetzt werden kann, haben die Architekten nun im Rahmen des Wettbewerbs zu beantworten. Das Gesamtpreisgeld beläuft sich auf 80.000 Euro.