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“Es stehen Lkw, weil das Personal fehlt”

15.09.2021 • 18:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/lassedesignen – stock.adobe.com

In Österreich fehlt es an Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern.

Was haben die Zeitung in der Früh, das rechtzeitig gelieferte Pakerl, die Ladung Pellets für den Winter oder täglich volle Supermarkt-Regale gemeinsam? Ohne Lkw-Fahrer wäre das alles nicht möglich. Was das in Realität bedeutet, kann man derzeit in Großbritannien beobachten. Laut Branchenverband Road Haulage Association fehlen dort zurzeit rund 100.000 Lkw-Lenker und -Lenkerinnen. Die Folge: Lücken in den Supermarkt-Regalen, keine Matratzen im Möbelhaus, zu wenig Chemikalien für Kläranlagen und mehr.

Geschuldet ist die Situation auch dem Brexit, aber nicht nur. Denn auch in Österreich würden bereits jetzt 5000 bis 8000 Lkw-Fahrer fehlen, sagt der zuständige Bundesspartenobmann der Wirtschaftskammer, Alexander Klacska gegenüber dem Kurier. Und die Lage wird nicht besser. Von den derzeit rund 100.000 berechtigten Lenkerinnen und Lenkern gehen in den kommenden zehn Jahren 20 Prozent in Pension.

Schlechtes Image

“In der Obersteiermark gibt es bereits Lkw, die stehen, weil das Personal fehlt”, sagt der steirische Fachgruppenobmann für Güterbeförderung, Peter Fahrner. Dort gehe es vor allem um Holztransporte, die besonders herausfordernd seien. Was Fahrner besonders stört, ist das negative Image, das der Beruf aufgrund der Diskussion um Feinstaub und CO2-Emissionen inzwischen hat. “Das sind tolle Menschen, die eine gute Arbeit machen. Das wird zu wenig gesehen.” Außerdem seien moderne Lkw inzwischen sehr sauber und eine Umrüstung auf Flüssiggas könnte helfen, CO2 zu sparen. Das werde aber von der Regierung nicht gefördert, kritisiert Fahrner.

In der Bezahlung sieht Fahrner jedenfalls keinen Grund für den zu geringen Zulauf an Interessenten. “Es wird fast immer über dem Kollektivvertrag gezahlt. Mit Diäten sind rund 2500 Euro netto im Monat durchaus üblich.” Er würde es daher begrüßen, wenn das AMS die Ausbildung von Fahrern fördern würde, und auch Fahrerinnen. Denn gerade hier bemerke man ein gestiegenes Interesse an dem Beruf. “Auch wegen der Sendung Truckerbabes auf ATV.”

Heißes Thema Arbeitszeit

Auch wenn steirische Fahrer primär im Zulieferverkehr unterwegs sind, sei Planungssicherheit schwierig, gesteht auch Fahrner ein. Hier sieht auch Horst Schachner, Landesvorsitzender der Transportgewerkschaft Vida, einen Hauptgrund für das geringe Interesse junger Menschen an dem Job. “Für den Nachwuchs müssen die Rahmenbedingungen passen.” Vor einigen Jahren hätte man Mitarbeiter noch mit dem “eigenen Lkw mit Namen” begeistern können. Daran hätten junge Menschen aber wenig Interesse, sagt Schachner.

“Wenn es keine Lkw-Fahrer mehr gibt, wird das jeder bemerken”, sagt der Gewerkschafter. Für ihn gibt es einen zentralen Hebel, um den Beruf für den Nachwuchs attraktiver zu machen: “Das einzige, das hilft, ist die Reduzierung der Arbeitszeit.” Und eines gibt Schachner auch zu bedenken: “Das Verlagern des Güterverkehrs auf die Schiene, löst dieses Problem nicht. Es gibt nämlich auch zu wenig Lokführer.”

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