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Corona: Dialysepatienten nicht in Panik

16.09.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/KHBG/Karin Nussbaumer

Team des LKH Feldkirch befragte Patienten zum seelischen Wohlbefinden.

Zwar mit Besorgnis aber ohne Panik oder Hysterie haben Vorarlbergs Dialyse­patienten bisher die Coronapandemie durchlebt. Das zeigt eine Studie, die von einem Team der Abteilung „Innere Medizin 3“ (Nephrologie und Dialyse) am Landeskrankenhaus Feldkirch durchgeführt worden ist. Die Mediziner rund um Oberarzt Emanuel Zitt wollten herausfinden, wie sich die aktuelle Situa­tion auf das seelische Wohlbefinden der durch eine Krankheit stark eingeschränkten Patienten auswirkt. Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass neben der medizinisch-fachlichen Betreuung auch eine gute menschlich-emotionale Begleitung der Betroffenen wichtig ist.

Drei Mal pro Woche

Rund 200 Menschen werden durchschnittlich in den drei Dialysestationen des Landes behandelt. In Nenzing und Bregenz befinden sich zudem zwei private Außenstellen, die von den Spezialistinnen und Spezialisten des Referenzzentrums am LKH Feldkirch mitbetreut werden. Die Patientinnen und Patienten kommen drei Mal pro Woche jeweils für Stunden zur Behandlung: „Bei der Dialyse wird eine Teilmenge des Blutes aus dem Körper geleitet. Über einen Filter werden Giftstoffe, die normalerweise über die Nieren ausgeschieden werden, ausgewaschen. Das gereinigte Blut wird wieder zurückgeleitet“, erklärt Zitt. Die Prozedur verlangt den Betroffenen nach Auskunft des Mediziners viel ab – auch ohne Pandemie.

Oberarzt Emanuel Zitt war an der Studie beteiligt.<span class="copyright">KHBG/Karin Nussbaumer </span>
Oberarzt Emanuel Zitt war an der Studie beteiligt.KHBG/Karin Nussbaumer

Durch das Coronavirus ist noch ein weiterer belastender Faktor hinzugekommen. Denn Dialysepatienten sind nach Angaben des Oberarztes Hochrisikopatienten. Schon früh habe sich in der Pandemie gezeigt, dass gerade Menschen mit Nierenerkrankungen – besonders Transplantierte und Dialysepatienten – das höchste Risiko hätten, bei einer Coronainfektion schwer zu erkranken. Dementsprechend hat das Team der Nephrologie aktiv mit den Betroffenen über die Risiken gesprochen und auch zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen. Dazu gehörte etwa, dass während der Hoch-Phase der Pandemie Sammel-Taxifahrten nur mehr mit zwei statt mit sechs Patienten durchgeführt wurden.

Abwechslung

Für die Studie wurde an die Betroffenen ein Fragebogen mit 22 Fragen verteilt. Knapp 150 Personen haben an der Umfrage teilgenommen. Die Auswertung hat auch Interesse bei internationalen Fachmagazinen geweckt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Patienten zwar Sorgen über eine mögliche Infektion gemacht haben. Allerdings hat dies nur ein Drittel der Befragten als „einschneidende, zusätzliche Belastung“ empfunden. Für viele sei die Dialyse in Zeiten eingeschränkter Sozialkontakte sogar eine Abwechslung gewesen. „Das untermauert, dass vor allem das Pflege-, aber auch das ärztliche Team einiges richtig gemacht hat. Wir sind wichtige Ansprechpartner – nicht nur für die körperliche Therapie, sondern auch für die seelische Unterstützung“, freute sich Zitt. Die Studie habe gezeigt, dass die Dialyse ein wichtiger Teil des Lebens der Betroffenen sei und auch eine bereichernde Wirkung haben könne.

Patienten sprachen gut auf Impfung an

Die mRNA-Impfstoffe haben bei den Dialysepatienten gut gewirkt, berichten die Experten aus dem Landeskrankenhaus Feldkirch. Demnach haben 98 Prozent der Geimpften – also so gut wie alle – mit Antikörpern auf die Impfung reagiert. In anderen Fällen – wie etwa bei der Hepatits-B-Impfung – falle die Reaktion eher gering aus, da die Immunabwehr der Patienten eingeschränkt sei. mRNA-Impfstoffe könnten diesbezüglich künftig Abhilfe schaffen, hofft Emanuel Zitt, Oberarzt an der Abteilung „Innere Medizin 3“. Bis August 2021 sind in Vorarlberg 33 Dialysepatienten an Covid-19 erkrankt, vier sind verstorben. Unter den Erkrankten waren keine vollständig Geimpften.