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Weißmann bringt Team durch, Klement bleibt

16.09.2021 • 10:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
ORF-STIFTUNGSRAT: WEISSMANN
ORF-STIFTUNGSRAT: WEISSMANN APA/ROBERT JAEGER

Weißmann bestellte am Donnerstag im Stiftungsrat sein Führungsteam.

Der künftige Alleingeschäftsführer Roland Weißmann verjüngt im Vergleich zu seinem Vorgänger das Team und setzt auf einen höheren Frauenanteil. Damit löst er ein erstes Versprechen seiner ORF-Bewerbung ein.

Der 35-köpfige ORF-Stiftungsrat bestellt am Donnerstag die vier zentralen und neun ORF-Landesdirektoren. Unter dem designierten ORF-Generaldirektor Weißmann wird ORF III-Geschäftsführerin Eva Schindlauer Finanzdirektorin, ORF III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher Radiodirektorin, Puls 4-Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz Programmdirektorin und GIS-Chef Harald Kräuter zum Technikdirektor.

Die Entscheidung fiel deutlich aus: Die vier zentralen Direktoren kamen auf 32 von 35 Stimmen. Dabei gab es keine Gegenstimme, nur drei Enthaltungen. Enthalten haben sich laut „Standard“ mit Barbara Nepp, Corina Heinreichsberger und Georg Watschinger drei der vier FPÖ-nahen Stiftungsräte. Sie hatten sich bei der ORF-Wahl im Juli für Lisa Totzauer ausgesprochen.

Landesdirektoren mit einer Enthaltung

Ein noch deutlicheres Votum gab es von den 35 Stiftungsräten für die neun Landesdirektoren und Landesdirektorinnen: 35 Pro-Stimmen und eine Enthaltung. Vier von ihnen wurden verlängert, dazu gibt es fünf Neubestellungen. Enthalten hat sich, wie angekündigt, die vom ORF-Zentralbetriebsrat entsandte unabhängige Stiftungsrätin Christiana Jankovics. Sie hatte am Vortag Kritik an der erneuten Nominierung Klements trotz Kritik an dessen Führungsstil geübt.

Werner Herics (Burgenland), Gerhard Koch (Steiermark), Karin Bernhard (Kärnten) und Markus Klement (Vorarlberg) bleiben. Neu sind Edgar Weinzettl (Wien), Robert Ziegler (Niederösterreich), Klaus Obereder in (Oberösterreich) und Esther Mitterstieler in Tirol. In Salzburg übernimmt die bisherige Magazin-Chefin Waltraud Langer.

Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen Freundeskreises, reagierte gegenüber der APA: „Mehr als 90 Prozent Zustimmung im Stiftungsrat für das neue ORF-Team sprechen für sich. Nach einer klaren Zweidrittelmehrheit für Weißmann im August, ist diese große Bestätigung für sein Team ein großer Vertrauensbeweis und klarer Auftrag für einen modernen und starken ORF.“

Kritik am Bestellungsvorgang kam bereits am Donnerstagvormittag von den NEOS. „Die Art und Weise, wie die neuen Direktorinnen und Direktoren ernannt werden, bleibt weiterhin höchst kritikwürdig, intransparent und von parteipolitischen Interessen geprägt“, wurde NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter in einer Aussendung zitiert. Sie fordert eine Abschaffung des im ORF-Gesetz vorgesehenen Anhörungsrechts der Landeshauptleute für die jeweiligen Landesdirektoren. Dieses sei in Wahrheit ein „Ernennungsrecht“.

Wrabetz, der noch bis 1. Jänner 2022 als Generaldirektor das größte Medienunternehmen des Landes führt, will die zahlreichen teils gewichtigen Führungspositionen im multimedialen Newsroom noch heuer besetzen. Dabei soll es zu einer Abstimmung mit Weißmann kommen – wie auch bei der im Herbst fälligen Neufestsetzung der GIS-Gebühren und Gesprächen für eine ORF-Gesetzesnovelle.

Es bleibt spannend

Auch der Bestellung der 13 Direktoren und Direktorinnen bleibt es spannend. Dann nämlich wenn wieder der scheidende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Zug ist. Wrabetz hat angekündigt, noch selbst die Chefredaktion und Ressortleitungen im künftigen multimedialen Newsroom bestellen zu wollen. Die Besetzung dieser Schlüsselpositionen der ORF-Information muss der Generaldirektor nicht mit den Stiftungsräten abstimmen.

Für den meisten ORF-Zuschauer womöglich aufreibender als die Bestellung der ORF-Direktoren ist die anstehende Erhöhung der ORF-Gebühren. Fünf Jahre nach der letzten Anpassung steht eine Anpassung an, zu rechnen ist mit einer Erhöhung um fünf bis zehn Prozent.

Der nächste anstehende Schritt ist die seit Jahren versprochene Novelle des ORF-Gesetzes. Diese soll es dem öffentlich-rechtlichen Sender ermöglichen, in das Streamingzeitalter einzutreten und zur multimedialen Plattform zu werden.