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Kyptobetrüger: Fälle häufen sich

17.09.2021 • 18:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/Stanislav – stock.adobe.com

In Tirol wurde wieder Fall bekannt, in dem eine Frau Opfer von Betrügern wurde.

Das Internet ist voll mit Geschichten von jungen Menschen, die mit einer Investition in diverse Kryptowährungen quasi über Nacht zum Millionär wurden. Was all die Angebote gemeinsam haben: Es wird von der großen Revolution des Finanzwesens gesprochen, es soll sich um „exklusive“ Clubs handeln, den „Investoren“ werden Renditen versprochen, die aus dem Reich der Fantasie kommen – man kann es einfach nicht anders sagen. Am Ende ist alles Schall und Rauch und die Hinterleute tauchen mit dem Geld der Investoren unter.

Nun wurde wieder ein Fall bekannt. Die Arbeiterkammer Tirol berichtet von einer 42-jährigen Frau. Nach einer ersten Kontaktaufnahme wurde sie von angeblichen Brokern über einen Messanger-Dienst kontaktiert. Tatsächlich setzen zahlreiche der Krypto-Betrugssysteme auf die russische Messanger-App Telegram. Die Frau überwies daraufhin mehrere Tausend Euro auf ein Konto, auf das sie keinen Zugriff hatte. Nach einigen Monaten waren die angeblichen Broker nicht mehr erreichbar, das Geld war weg.

Alte Betrugsmasche

Die meisten dieser Systeme lehnen sich an eine Betrugsmasche an, die der Italiener Charles Ponzi vor 100 Jahren entwickelt hat und mit der auch der ehemalige Wallstreet-Star Bernard Madoff und der Wörthersee Jet-Set-Investor Wolfgang Auer-Welsbach Tausende Kunden betrogen haben. Bei einem Ponzi-System werden den „Investoren“ hohe Renditen versprochen. Das Geld wird jedoch nicht veranlagt, vielmehr werden damit die Forderungen vorheriger Investoren gedeckt. Solange frisches Geld hereinkommt, funktioniert das System.

Bei Betrugs-Kryptowährungen wird das gerne mit einem Multi-Level-Marketing-Schmäh verbunden. Wirbt ein Opfer eine neuen „Investor“, bekommt es eine gewisse Summe der Fake-Kryptowährung. Wirbt dieses neue Opfer wieder jemanden an, bekommen beide etwas von der wertlosen Coin. Das geht oft bis zu zehn Stufen nach unten.

Technisch ist das relativ einfach. Es gibt jede Menge solcher Betrugscoins, die so programmiert sind, dass sie sich selbst vermehren. Da die Systeme frei zugänglich sind, kann jeder so eine Coin einfach kopieren und umbenennen. Dann muss man nur noch Betrugsopfer finden.

Investorenwarnungen

Auf Behördenseite versucht die Finanzmarktaufsicht (FMA) seit Jahren mit Aufklärungsarbeit gegen diese Betrugssysteme vorzugehen. Inzwischen ist der Kryptobereich auch soweit reguliert, dass sich Firmen registrieren müssen, wenn sie mit Kryptowährungen handeln. Derzeit gibt es 22 registrierte Dienstleister für virtuelle Währungen.

Mit den Investorenwarnungen veröffentlicht die FMA auch eine aktuelle Liste von aktiven Betrugssystemen. Allerdings ist die FMA keine Strafbehörde. Und da die Kryptobetrüger sehr oft international tätig sind, können Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft teilweise wenig ausrichten.

Problematisch sind auch Anbieter, die nicht aktiv eine Kryptowährung verkaufen, sondern Schulungsunterlagen oder massiv überteuerte Tablets, auf denen die Pseudo- Coins erschaffen werden. Denn hier gibt es keine rechtliche Handhabe. Diese Form der Abzocke ist eigentlich sogar legal.

Wer sich vor solchen Betrugsmaschen schützen möchte, muss vor allem auf den Hausverstand setzen. Wenn Banken keine Zinsen zahlen, kann kein seriöse Unternehmen Renditen von mehreren hundert Prozent pro Jahr bieten. Auch wenn die Verkäufer den potenziellen Investoren das Blaue vom Himmel versprechen, der Traum vom schnellen Reichtum bleibt ein Traum. Viel schlimmer: Im Regelfall verliert man damit Geld.

Betrugssysteme im Kryptobereich

Ponzi-Schema: Bei dieser Betrugsform werden Kundengelder in Form von Bitcoin, Ripple, Ethereum etc. unter Versprechung utopisch hoher Renditen und geringem Risiko eingesammelt. Gewinne werden häufig anfangs auch tatsächlich ausbezahlt, allerdings vom Geld neuer Kunden. Bleiben diese aus, implodiert das System.

Exit-Fraud: Hier sammeln die Betrüger unter der Vorgabe ein Krypto-Start-up zu sein Geld ein. Nach einiger Zeit bricht der Kontakt ab, die Hinterleute setzen sich mit dem Geld ab. Gerne wird auch behauptet, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein.

Pseudo-Gewinne: Auf sozialen Netzwerken werden „Investoren“ für Anleger-Plattformen gewonnen. Am Bildschirm vermehrt sich das eingezahlte Geld. In Wirklichkeit verschwinden die Gelder in einem Konstrukt von Scheinfirmen und ist für die Opfer verloren.

Pump and Dump: Weltweit gibt es 11.943 Kryptowährungen, die frei gehandelt werden können. Viele davon mit Kursen im Mikro-Cent (0,000001 Euro). Eine Gruppe von Personen kauft nun eine große Menge und streut irgendwelche bahnbrechenden Gerüchte auf sozialen Medien, in der Hoffnung, so den Kurs nach oben treiben zu können. Gelingt es, werden die Kryptowährungen mit Gewinn abgestoßen.