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WKV-Gebäude soll ein Denkmal werden

18.09.2021 • 20:19 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Geplant wurde das Kammergebäude von Ernst Hiesmayr († 2006), einem bedeutenden Architekten der Nachkriegsmoderne, der sich mit zahlreichen Wohn-, Schul- und Verwaltungsbauten einen Namen gemacht hat. <span class="copyright">Klaus hartinger</span>
Geplant wurde das Kammergebäude von Ernst Hiesmayr († 2006), einem bedeutenden Architekten der Nachkriegsmoderne, der sich mit zahlreichen Wohn-, Schul- und Verwaltungsbauten einen Namen gemacht hat. Klaus hartinger

Bundesdenkmalamt will Fassade sowie Teile im Gebäudeinneren erhalten.

Die Vorarlberg-Abteilung des Bundesdenkmalamts (BDA) beabsichtigt, das 1954 erbaute Handelskammergebäude in Feldkirch (heute Sitz der Wirtschaftskammer) unter Denkmalschutz zu stellen. Anders als im Fall des Café Feurstein (siehe unten in der Factobx) wird die Unterschutzstellung hier nicht grundsätzlich bekämpft, sondern lediglich deren Umfang.
BDA-Abteilungsleiterin Barbara Keiler bestätigt auf NEUE-Anfrage, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Das Gutachten sei den Parteien bereits zugestellt worden. Nähere Details wollte sie mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht nennen. Wesentlich auskunftsfreudiger zeigt sich die Pressestelle der WKV. Man sei am 2. Oktober 2020 vom Bundesdenkmalamt darüber informiert worden, dass Teile des Gebäudekomplexes unter Denkmalschutz gestellt werden sollen. Neben der Außenfassade des gesamten Gebäudekomplexes seien Teile des Innenbereichs wie etwa das Stiegenhaus oder die Deckengestaltungen betroffen, heißt es.

Paradebeispiel

Laut WKV kommt das BDA in seiner Expertise zu dem Schluss, dass das Gebäude sowohl kulturgeschichtlich als auch architektonisch einen hohen Stellenwert für den Vorarl­berger Raum hat. „Einerseits spiegelt es den wirtschaftlichen Aufschwung Vorarlbergs nach dem Krieg wider, andererseits ist architektonisch die Verbindung zwischenkriegszeitlicher Formsprache (Außenerscheinung des Gebäudekomplexes) mit einer fortschrittlichen Verwendung von Konstruktionsdetails und Baumaterialien im Inneren des Gebäudes hervorzuheben“, zitiert die Kommunikationsabteilung der Kammer aus dem Gutachten. Das Gebäude gilt laut BDA somit als „frühes Zeugnis der Nachkriegsarchitektur und als Paradebeispiel eines Verwaltungsbaus der gewerblichen Wirtschaft“. Ein weiterer Punkt ist die historische Bedeutung. So zeige der Bau des Gebäudekomplexes, wie die Wirtschaftskammern (früher Handelskammern) als selbstständige Organisationen in der Nachkriegszeit er­starkt sind.

Die WKV hält zudem fest, dass man stets bemüht gewesen sei, Umbauten und Sanierungen im Sinne der Architekten und bis zuletzt in Absprache mit Architekt Ernst Hiesmayr (1920-2006) durchzuführen. Die dem Gebäude entgegengebrachte Wertschätzung sei vom BDA hervorgehoben worden.
Nicht einverstanden ist die Kammer mit dem Umstand, dass auch das Pförtnerhaus unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Die Möglichkeit, dieses zu erweitern, müsse aus strategischen Gründen erhalten bleiben. Die WKV musste laut eigenen Angaben bereits aufgrund des zunehmenden Bedarfs an Büroräumlichkeiten zusätzliche Flächen auf der gegenüberliegenden Straßenseite zukaufen. Da sich diese aber in Wohnungseigentumsobjekten befänden und die restlichen Einheiten zu Wohnzwecken genutzt würden, könnten hier ausschließlich Abteilungen ohne Kundenkontakt angesiedelt werden. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Bedarf an Räumlichkeiten für Abteilungen mit Kundenkontakt in Zukunft wachse. Zudem führt die WKV ins Treffen, dass das Pförtnerhaus seines ursprünglichen Zweckes entfremdet sei und seit Jahren als Bürogebäude genutzt werde.

Wie lange das Verfahren noch andauern wird, ist derzeit nicht abzusehen. Detail am Rande: Die WKV hat zur Beratung jene Rechtsanwaltskanzlei hinzugezogen, die für das Amt der Stadt Feldkirch die Unterschutzstellung des Café Feurstein bekämpft. Dieses Verfahren läuft bereits seit Anfang 2020 – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Café Feurstein: Neuverpachtung zieht sich

Die Entscheidung, wie es mit dem seit Ende 2019 leerstehenden Traditionskaffeehaus Feurstein in Feldkirch weitergeht, bleibt weiterhin offen. Entgegen einer anderslautenden Meldung wird der Stadtrat im September noch keinen Zuschlag erteilen. Wie der ressortzuständige Stadtrat Benedikt König (ÖVP) auf Anfrage mitteilte, wird in der am Montag stattfindenden Sitzung ein konkreter Mietvertrag noch nicht Gegenstand einer Beschlussfassung sein. Das nächste Mal tagt das Gremium dann erst wieder am 4. Oktober. Ob dann eine Entscheidung fallen wird, ist ebenfalls noch nicht sicher.

Wann genau es zu einer Beschlussfassung kommen werde, könne man vor Eintritt der Vertragsverhandlungen nicht sagen, meint Stadtrat König. „Das wäre unseriös, ich möchte das sauber aufgearbeitet haben.“

Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung das Lokal Mitte Mai zur Pacht ausgeschrieben. Interessierte Gastronomen wurden ersucht, ein Betriebs-, Sanierungs- und Finanzierungskonzept zu übermitteln. Seit Anfang Juli stehen zwei Bewerber in der engeren Auswahl. Dabei handelt es sich zum einen um einen Feldkircher Immobilienunternehmer, der das Lokal sanieren und dann an Hecht-Wirtin Waltraud Waldner untervermieten würde. Das andere Bewerber-Duo – aus der Schweiz stammend – hatte ursprünglich ein Konzept für ein Restaurant vorgelegt, was eine neue Konzession erfordert hätte. Mittlerweile sollen die Interessenten ihr Konzept adaptiert haben und ebenfalls einen Kaffeehausbetrieb anstreben.

Auch das beim Bundesdenkmalamt (BDA) anhängige Unterschutzstellungsverfahren zieht sich. Wie berichtet, soll das seit 1949 bestehende Kaffeehaus samt Mobiliar für die Nachwelt erhalten bleiben. Die Stadtverwaltung wehrt sich allerdings gegen das Vorhaben des BDA. Unter anderem wurde beantragt, das Kaffeehausinventar ins nahegelegene Palais Liechtenstein zu verpflanzen. Hierzu ist noch die Entgegnung des BDA ausständig.

Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, könnte der Unterschutzstellungsbescheid noch im Herbst ergehen. Allerdings zieht die Stadtverwaltung dann vermutlich vor das Bundesverwaltungsgericht.