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Heute vor 30 Jahren wurde Ötzi gefunden

19.09.2021 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ötzi ist über 5000 Jahre alt
Ötzi ist über 5000 Jahre alt (c) dpa (A0200 epa Pa)

„Ötzi“ ist noch heute ein hochfrequentierter Besuchermagnet.

Vom ewigen Eis ist wenig über. Nur vereinzelt kleben Altschneefelder in den Senken und Klüften, aufgeweicht von warmen Sommermonaten trotzen sie der Herbstsonne. Die Nebel der letzten Tage sind die Flanken der umgebenden Gipfel hinaufgeklettert, verwandeln das kleine Plateau zu einer Aussichtsplattform mit Endlosaussicht: Richtung Norden fällt der Blick hinunter ins Ötztal, nach Süden ins Schnalstal, wo am Talausgang der türkisblauer Speicherteich von Vernagt heraufblinzelt. Eine alpine Passhöhe aus dem Lehrbuch. Und ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde.

Vor genau 30 Jahren, am 19. September 1991, entdeckt ein deutsches Wanderer-Ehepaar hier, am Tisenjoch auf 3210 Meter Seehöhe, einen skelettierten Hinterkopf aus einem angetauten Eisfeld hinter einem Stein ragen. Erika und Helmut Simon glauben zunächst an einen verunglückten Bergsteiger. Sie melden ihren Fund in der nahen Similaunhütte – und steigen ins Tal ab. An diesem Donnerstag ahnt noch niemand, welche Bedeutung die ledrige Leiche wenig später haben wird.

Bild vom Fundort
Bild vom FundortSonstiges

Einen Namen hatte er schon wenige Tage nach seiner Entdeckung bekommen: „Ötzi“ – „Taufpate“ war ein Journalisten der damals noch existierenden „Arbeiterzeitung“. Für den Staatsbürgerschaftsnachweis dauerte es aber bis Anfang Oktober 1991 und bedurfte einer Neuvermessung des Grenzverlaufs. Österreich oder Italien? Seit damals weiß man, dass sich der Fundort 92,56 Meter jenseits der Grenze auf Südtiroler Seite befindet.

Am heute vielbegangenen hochalpinen Wanderweg von der Similaunhütte zur Fundstelle wechselt man mehrmals das Staatsgebiet. Dort, wo „Ötzi“ lag, steht heute eine Steinpyramide. Vier schwarze Eisentafeln erklären in vier Sprachen die Bedeutung des Orts. „Ist oben eh alles in Ordnung“, will ein kerniger Mann mit Halbglatze und imposantem Kaiser-Franz-Josef-Bart wissen. Auf einer der darunterliegenden Almen lehnt er sich auf seinen Wanderstock, die Ziegen, die sich im Wald verkrochen haben, fest im Blick. Der Bergbauer hat eine besondere Beziehung zu dem Steinmonument: Er hat es gebaut. Drei Tage lang sei er damals in der Früh, nach dem Melken der Kühe, mit der Materialseilbahn nach oben gegondelt, habe die von Kollegen herbeigeschafften Felsbrocken zu der Stele hochgemauert und am Abend mit dem luftigen Lift wieder nach unten gefahren.

Am Tisenjoch erinnert heute eine Steinpyramide an den Fundort von „Ötzi“
Am Tisenjoch erinnert heute eine Steinpyramide an den Fundort von „Ötzi“APA
Eine Nachbildung des Ötzi
Eine Nachbildung des ÖtziSonstiges

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