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Neues Kulturzentrum mit Moschee in Lustenau

21.09.2021 • 20:39 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Kulturzentrum Lustenau <span class="copyright">ATIB KUM</span>
Kulturzentrum Lustenau ATIB KUM

Ein Kulturzentrum für die islamische Glaubensgemeinschaft wird geplant.

In Lustenau wird neues islamisches Kulturzentrum samt Moschee gebaut. Die Atib Lustenau, der türkisch-islamische Verein für kulturelle und soziale Zusammenarbeit, präsentierte das neue Projekt am vergangenen Wochenende der Öffentlichkeit. Das Kulturzentrum KUM, eine Abkürzung für „Kulturzentrum und Moschee“, aber auch das Dialektwort für „Komm“, soll ein Ort der Zusammenkunft sowohl für Muslime, aber auch Menschen anderer Glaubensrichtungen sein. Auf vier Ebenen entstehen Gebetsraum, Aufenthalts- und Lernräume, ein Mehrzweckraum, Jugendräume sowie diverse Geschäfte und ein Restaurant im Erdgeschoss.

Das neue Kulturzentrum in Lustenau soll ein Ort der Gemeinschaft werden. <span class="copyright">Atib</span>
Das neue Kulturzentrum in Lustenau soll ein Ort der Gemeinschaft werden. Atib

Zwei Stile vereint

Gebaut wird direkt an der Reichshofstraße, das Grundstück hat die Atib bereits 2016 erworben. „Der Entwurf beruht zu gleichen Teilen auf islamischer Architektur und Vorarlberger Baukunst. Klassisch gemauerte Rundbögen werden mit filigranem Vorarlberger Holzhandwerk kombiniert. Wesentliche Elemente der islamischen Bautradition – Bogen, Kuppel, Turm – werden in eine dezente Formensprache übersetzt, heißt es in einer Aussendung des Vereins.

Der Wunsch der Atib ist es, mit dem neuen Kulturzentrum einen Ort der Gemeinschaft zu schaffen und wo alle Menschen unabhängig vom Glauben und der Herkunft jederzeit eingeladen sind, soll nun in Lustenau entstehen. Ein Ort, an dem sozialer Austausch ganz selbstverständlich stattfinden kann. Ein Ort des Zusammenlebens.

Was ist die Atib?

Atib ist die türkische Abkürzung des türkisch-islamischen Vereins für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich.

Das zentrale Anliegen ist, die Wahrung der religiösen Identität muslimischer Mitbürger zu unterstützen, sich im Rahmen des öffentlichen Diskurses ­aktiv dafür einzusetzen, die muslimische religiöse Praxis zu ermöglichen und sich für die positive und solidarische Verankerung der österreichischen Muslime in unserer demokratischen Gesellschaftsordnung einzusetzen.

Der Verein ist im Zentralen Vereins­regis­ter eingetragen und übt nach seinen Statuten Tätigkeiten im kulturellen und sozialen Bereich aus. Weiters gilt Atib als „Hilfsverein“ für die Kultusgemeinden der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), bezieht sich auf deren Glaubenslehre und vertritt eine Vorbildfunktion im Kampf gegen jegliche Art von Extremismus und Radikalisierung.

„In den 60er-Jahren kamen wir nach Lustenau. Vor 20 Jahren erwarben wir eine ehemalige Vorhangfabrik, die wir in unser Vereinshaus umbauten. Nun möchten wir neu bauen – es soll ein Kunstwerk entstehen. Ich möchte betonen, dass das Projekt nicht nur für uns selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft in Lusten­au ist. Alle Menschen sind bei uns jederzeit herzlich willkommen“, sagt Hasan Tas, der Vorsitzende der Atib Lustenau.

In der Reichshofstraße auf dem Gelände des jetzigen Vereinshauses der Atib wird gebaut.  <span class="copyright">Atib </span>
In der Reichshofstraße auf dem Gelände des jetzigen Vereinshauses der Atib wird gebaut. Atib

Im Sommer 2024 fertig

Finanziert wird das Projekt über einen Kredit, Kreditgeber ist eine Vorarl­berger Bank. Wie der Verein bekannt gibt, werden die monatlichen Raten aus Mieteinnahmen zweier Wohnimmobilien in Lustenau sowie den neuen Gewerbeflächen im entstehenden KUM finanziert. Außerdem will der Verein Mieteinnahmen aus Wohnflächen generieren, die mittelfristig im Bestandsbau die bisherigen Gebetsräume ersetzen werden. Zusätzlich sollen Mitgliedbeiträge und Spenden helfen, die Raten zu bezahlen.

Das Areal, auf dem das neue KUM entstehen soll.<span class="copyright">Hartinger</span>
Das Areal, auf dem das neue KUM entstehen soll.Hartinger

Baubeginn ist mit Mai 2022 angesetzt, binnen zwei Jahren soll das Projekt zur Gänze umgesetzt sein und im Sommer 2024 eröffnet werden. Die Baueingabe sei bereits erfolgt.

In Vorarlberg leben derzeit circa 50.000 Menschen mit muslimischem Glauben, was 13 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Rund ein Viertel ist in Moscheevereinen aktiv, wobei es in Vorarlberg 37 Gebetsräume gibt. Allein in Lustenau leben 4000 Muslime.

Stimmen zum Projekt

Kurt Fischer, Bürgermeister

Das Projekt KUM Lustenau, ein Kulturzentrum mit integrierter Moschee, ist sicherlich ein historisches Projekt, nicht nur für den Verein. Es ist das erste Projekt dieser Art in Lustenau. Ich sehe die Chance ganz deutlich, dass das Ganze ein Meilenstein wird in der Entwicklung. Wir sind alle gefordert, gemeinsam einen Beitrag zu leisten, dass ein offener Ort entsteht.

Hanno Pinter, Sänger

Lustenau hat eine sehr lange Tradition, was Gebetsorte der islamischen Religion angeht. Ich kann der Atib Lusten­au alles Gute wünschen und hoffe, dass es so wird, wie sie es sich vorstellen. Sie sind auf einem sehr guten Weg.

Bernd Bösch, Obmann Austria Lustenau

Ich halte das für sehr wertvoll, dass der Verein die Integration stärkt mit dem Bauwerk und der Öffnung, die geplant ist. Gesellschaftlich, in der Diskussion, in der Auseinandersetzung. Ich glaube, dass das ein sehr vielversprechendes Projekt für Lustenau ist.

Omer Rehman, Unternehmer

Ich finde das Projekt aus zwei Gründen sehr ansprechend. Zum einen ist es städtebaulich sehr modern gedacht und dadurch hochspannend für Lustenau. Und zum anderen ist es ein Projekt für die Förderung der nachhaltigen und kulturellen Zusammenarbeit. Ich befürworte das Projekt sehr.

Marc Girardelli, Ski-Legende

In Lustenau entsteht ein Kulturzentrum, das völker- und kulturverbindend ist. Ich finde es super, dass das das erste ist in dieser Art in ganz Österreich. Vor allem der architektonische Stil ist etwas ganz Besonderes, den es so nicht nochmals gibt. Mir gefällt es unheimlich gut. Die Wirtschaft, Kultur, die Kunst, aber auch das Kulinarische verbindet sich dort in einem. Ich werde sicherlich ein erster Fan und Kunde sein.