Allgemein

Corona-Schwerpunktkontrollen in Wien

24.09.2021 • 16:24 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Rund 50 Polizeibeamte waren gestern an den Schwerpunktkontrollen beteiligt.
Rund 50 Polizeibeamte waren gestern an den Schwerpunktkontrollen beteiligt. BMI/Gerd Pachauer

Das Innenministerium startete „Aktion scharf“ gegen 3G-Betrüger.

Am frühen Donnerstagabend ist die fußgängerfreundlichen Favoritenstraße im zehnten Wiener Gemeindebezirk recht leer. Einige Gäste genießen die letzten Sonnenstrahlen in den Gastgärten der Cafés, vereinzelt werden noch Einkäufe erledigt. Umso auffälliger wirkt das gute Dutzend Polizisten, das sich gemeinsam mit zwei Beamten des Marktamts auf dem Platz vor dem Einkaufscenter versammelt. Hier wird eine Schwerpunktkontrolle der Corona-Maßnahmen durchgeführt.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hatte die „Aktion scharf“ am Vortag angekündigt. Besonders ist man gefälschten Impf-, Test- oder Genesungszertifikaten auf der Spur. „Wir haben allein in den letzten sechs Monaten an die 400 solcher gefälschter Dokumente festgestellt“, berichtete der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Man müsse davon ausgehen, dass eine hohe Dunkelziffer bestehe. Delikte wie Betrug, Urkunden- oder Datenfälschung sowie der Gebrauch fremder Ausweise stehen im Raum. Der Strafrahmen dafür bewegt sich bei bis zu drei Jahren Haft. Bei Verstößen gegen die Covid-Bestimmungen sind bis zu 500 Euro Geldstrafe möglich.

Jede Menge Kontrolleure

Als große Gruppe betreten die Polizistinnen und Polizisten einen gut besuchten Gastgarten am Columbusplatz. Während die Magistratsbeamten des Marktamts direkt auf die Betreiber zusteuern, teilen sich die Polizistinnen und Polizisten in Zweier-Teams auf. So können sie auch große Lokale rasch und vollständig kontrollieren. Mit der GreenCheck-App wird die Echtheit der Impf-, Test oder Genesungszertifikate überprüft. Der Scan des QR-Codes dauert wenige Sekunden. Probleme gibt es hier keine.

In Wien waren am Donnerstag rund 50 Beamte bei den Sonderkontrollen im Einsatz. Die Polizei suche dabei den Dialog, betont Barbara Gass, Pressesprecherin der Landespolizeidirektion Wien. „Die Kontrolle soll die Gesundheit schützen, nicht Menschen verärgern.“ Daher würde man nur bei gänzlichem Unverständnis hart strafen.

Vorgaben und Strafen

Auch die Filiale einer Pizzakette gegenüber des Cafés wird kontrolliert. Kunden sind um diese Uhrzeit nicht im Lokal, doch auch die Angestellten werden nach ihren Nachweisen gefragt. Gleichzeitig überprüft das Marktamt, ob auch alle Vorgaben eingehalten werden. Neben allgemeinen gewerblichen Bestimmungen werden vor allem die Gästeregistrierung und das Corona-Konzept kontrolliert. Letzteres fehlt in dieser Filiale. Der Betreiber wird kontaktiert, eine Anzeige eingebracht.

Wenige Meter weiter kann ein Mitarbeiter einer Eisdiele seinen Nachweis nicht erbringen. Die 90 Euro Strafe zahlt er vor Ort. Im Großteil der Gaststätten gibt es aber keine Probleme. Dort gehen die Beamten innerhalb weniger Minuten rein und wieder raus. „Wir sind mit so vielen Leuten im Einsatz, um das auch schnell abzuhandeln. Wir wollen die Leute ja nicht stören.“, sagt die Polizeipressesprecherin Gass.

Fitnesscenter bis Shisha-Bars

Eine gewisse Komik erzeugt das hohe Polizeiaufgebot dennoch. Als zwölf Beamte gleichzeitig ein Fitnessstudio kontrollieren, legen Männer und Frauen Hanteln ab, steigen von Laufbändern und erheben sich von Yogamatten. Schaulustige beobachten durch die Glastüren am Eingang, wie die uniformierten Polizistinnen und Polizisten die QR-Codes der verschwitzten Sportler kontrollieren. Christian nutzt die Kontrolle auch für eine Trinkpause. Dass die Maßnahmen überprüft werden, begrüßt er: „Das sorgt auch für Sicherheit.

„Es ist beruhigend. Wer nicht getestet, geimpft oder genesen ist gefährdetet ja nicht nur sich, sondern auch andere“, sagt auch Armin. Er sitzt mit seiner Freundin Patricia in einer Shisha-Bar an der Simmeringer Hauptstraße als die Polizei vorbeischaut. „Man sollte die Regelungen ernst nehmen“, betont Patricia. Beide sind geimpft, die rasche Überprüfung hat ihren Abend nicht gestört. Auf der Terrasse des Lokals sitzt Wolfgang mit seiner Frau bei einem Glas Weißwein. Auch er will die Gewissheit haben, dass sein Umfeld die drei Gs nachweisen kann. Ginge es nach ihm, könnte es könnte ruhig noch mehr Kontrollen durch die Polizei geben.

Das Virus schadet dem Geschäft

Im Schnitzel-Lokal auf der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtet man das Geschehen kritisch. So viel Polizei sei „nicht gut für das Geschäft„, erklärt der Besitzer der Redaktion. Das Lokal ist leer, auch die Beamten ziehen vorbei, ohne es zu betreten. Stattdessen wird das Eiscafé nebenan kontrolliert. Helit und Seuket sitzen im kleinen Gastgarten direkt an der Simmeringer Hauptstraße und trinken Kaffee als sie aufgefordert werden, ihre Nachweise vorzuweisen. Auch sie sind beide sind doppelt geimpft. Man solle überall kontrollieren, sagt Helit. Er arbeitet selbst in einem Wettlokal und überprüft dort jeden einzelnen Gast. „Milliarden Menschen haben die Impfung bereits erhalten. Was soll denn passieren, wenn man sich impfen lässt?“, fragt er.

Das Ehepaar Ruki und Zekir Abaze betreibt das kleine Eiscafé. Auch sie begrüßen die Kontrolle. Nicht die Maßnahmen, sondern das Coronavirus schade dem Geschäft, sagt Zekir. „Seit Corona haben wir viel weniger Laufkundschaft. Wenn es so weitergeht, wird es für uns hier sehr knapp.“ Ihr anderes Lokal in einem Einkaufscenter laufe besser. Dort hätten die Gäste auch mehr Verständnis für die Corona-Maßnahmen. „Hier an der Simmeringer-Hauptstraße reagieren Kunden immer wieder aggressiv, wenn wir sie nach ihren Nachweisen bitten“, erzählt Zekir der Kleinen Zeitung. Auch einige Stammkunden würden das Lokal nicht mehr besuchen, weil sie sich nicht testen oder impfen lassen wollen. Andere kämen dennoch und würden versuchen, sich bei neueren Kellnerinnen oder Kellnern durchzuschummeln. Das Ehepaar hat dafür kein Verständnis. Sie sind beide geimpft und froh über den Schutz.

Bei den Schwerpunktkontrollen in Wien wurden am Donnerstag keine gefälschten Zertifikate entdeckt. Womöglich hat die Ankündigung der Strafe schon gereicht. Die Polizei brachte aber 20 Anzeigen im Rahmen der Corona-Maßnahmen ein und stellte 18 Organmandate aus.