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Der große Krach bleibt wohl aus

25.09.2021 • 13:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Um überhaupt erst in Gefahr für so ein Bild zu laufen, müsste Max Verstappen in Sotschi wohl eine unglaubliche Aufholjagd starten.
Um überhaupt erst in Gefahr für so ein Bild zu laufen, müsste Max Verstappen in Sotschi wohl eine unglaubliche Aufholjagd starten. GEPA pictures

Duell zwischen Verstappen und Hamilton sorgte für Gesprächsstoff.

Es knallte in Silverstone, es knallte zuletzt in Monza – und es wird bis zum Saisonende 2021 womöglich noch weiter knallen. Der Titelkampf zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen ist der engste und heißeste in der Formel 1 seit vielen Jahren, mindestens seit dem Duell von Hamilton gegen Nico Rosberg 2016. Mit dem Unterschied, dass das damals ein teaminterner Kampf bei Mercedes war, diesmal aber auch noch zwei verschiedene Teams involviert sind. Was den erbitterten Fight noch zusätzlich anheizt – denn die sind sich alles andere als grün. So sind die Gründe für die Crashs auf der Strecke durchaus vielfältig.

Da sind einmal die Fahrer: Bei den meisten Rennen bewegen sich Verstappen und Hamilton in einer eigenen Welt, weit weg vom Rest der Konkurrenz. Das liegt erstens an ihrer fahrerischen Klasse, mit der sie ihre Teamkollegen Sergio Perez und Valtteri Bottas deutlich in den Schatten stellen. Und zweitens an der immer noch vorhandenen Überlegenheit von Mercedes und Red Bull, die dafür sorgt, dass die Konkurrenz von außen nur selten wirklich mitmischen kann – am ehesten ist dazu noch McLaren in der Lage.

Dazu kommt die persönliche Rivalität zwischen dem jungen Herausforderer und dem über zehn Jahre älteren Platzhirsch, der in den letzten Jahren keine ernsthafte Konkurrenz mehr gewöhnt war und sich nun plötzlich einem Gegner in einem gleichwertigen Auto gegenüber sieht. Vom Typ her könnten die beiden unterschiedlicher kaum sein: Verstappen auf der einen Seite, komplett auf den Rennsport fokussiert, praktisch ohne Interessen außerhalb, immer sehr gerade heraus, direkt und wenig politisch. Hamilton dagegen stets ein bisschen der Showman, mit vielen Kontakten ins Musik- und Modebusiness, dazu gesellschaftlich sehr engagiert, vor allem in Sachen Anti-Rassismus und Gleichberechtigung.

Aber manchmal eben auch ein bisschen Drama-Queen: Am Sonntagabend in Monza nach dem Crash den Angeschlagenen zu mimen, mit Nackenschmerzen und betonend, wie gefährlich der Unfall doch gewesen sei – aber am nächsten Tag nach New York fliegen, um quietschvergnügt an der Met-Gala teilzunehmen… Das kam an vielen Stellen nicht so gut an, vor allem, nachdem Hamilton ja in Silverstone Verstappen bei Tempo 300 in die Streckenbegrenzung geschickt hatte – was einen Aufprall mit 51 g bewirkte…

FIA-Strafe für Verstappen sorgte für Aufregung

Dazu kommen die Teams und ihre Bosse. Es ist vor allem das sehr emotionsgeladene Verhältnis der Führungsetagen mit Mercedes-Sportchef Toto Wolff auf der einen und dem Red-Bull-Führungsduo aus Teamchef Christian Horner und Motorsport-Koordinator Helmut Marko auf der anderen Seite, das jeden Zwischenfall auf der Strecke auch zu einem daneben macht, bei dem man sich gerne noch tage- bis wochenlang danach gegenseitig über die Medien angreift und die Atmosphäre oft weiter vergiftet.

Dass die FIA in Monza eine 3-Plätze-Startplatzsstrafe für Sotschi gegen Verstappen aussprach, für einen Zwischenfall, den die meisten Experten und Fahrer von Fernando Alonso über Daniel Ricciardo bis Martin Brundle und Ralf Schumacher eher als normalen Rennunfall einstuften, trug nicht gerade dazu bei, die Wogen zu glätten.

Bei den Bullen nütze man deshalb gleich die „Gelegenheit“ und tauschte den Motor des Niederländers aus. Verstappen wäre wohl sowieso nicht an der vierten Antriebseinheit herumgekommen. So startet der WM-Führende am Sonntag von ganz hinten und die Wahrscheinlichkeit, in Sotschi die nächste Runde im direkten Kampf zwischen Hamilton und Verstappen zu sehen, schwindet. Ganz ausgeschlossen ist es aber nicht. In Sotschi, mit seinen langen Geraden, ist Überholen doch etwas einfacher als auf den meisten anderen Strecken.

Im Hause Red Bull ist man aber wohl eher auf Schadensbegrenzung aus. Denn die Strecke liegt nämlich vor allem Kontrahent Mercedes. Seit dem ersten Rennen im Jahr 2014 ging der Rennsieg an der russischen Schwarzmeerküste immer an die Silberpfeile. Ein enges Rennen an der Spitze mit dem nächsten Abflug scheint also unwahrscheinlich. Für den weiteren Saisonverlauf könnte freilich trotzdem gelten: Nach dem Crash ist vor dem Crash …