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Vom erstaunlichen Amtsakt einer Schlüsselabgabe

25.09.2021 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne in der Neue am Sonntag.

Letztens habe ich bei einem Amt einen Schlüssel – für den ich eine Kaution hinterlegt hatte, – retour gegeben. Gleich im Vorfeld sei gesagt: Ich mag die Vorarlberger Ämter. Für eine wie mich, die eine sehr lange Zeit in Wien gewohnt hat, ist der Besuch eines Vorarlberger Amtes eine Sensation an Freundlichkeit.
Was mich bei meiner Schlüsselabgabe dennoch erstaunt hat, war der amtliche Arbeitsaufwand, der hinter so einer Rückgabe steckt. Ich dachte, das wäre ein Akt von fünf Minuten. Schlüssel zurückgeben, Geld erhalten, etwas unterschreiben, gehen. Mit dieser Annahme betrat ich den ersten Amtsraum. Ein – wie schon erwähnt – sehr freundlicher Herr begrüßte mich. Ich wurde nach meinem Namen gefragt, ein Zettel aus einem großen schwarzen Ordner genommen und bestätigend genickt. Ja, Frau Salmhofer hat sich einen Schlüssel geliehen und eine Kaution hinterlegt. Der Schlüssel in meiner Hand war nicht Beweis genug. Eifrig wurde etwas in den Computer eingegeben und zwei Zettel ausgedruckt, welche ich zu unterschreiben hatte. Den Schlüssel gab ich ab. Meine Kaution bekam ich noch nicht.

Mit den zwei von mir unterschriebenen Formularen musste ich nun in Raum zwei. Als ich an der Reihe war – es war wieder eine wirklich sehr liebe Dame hinter der Amtstheke –, überreichte ich meine Schlüsselabgabebestätigungsformulare. Diese wurden gewissenhaft studiert. Eines durfte ich behalten, das andere ging mit der Dame mit. Jetzt würde ich mein Geld bekommen! Nö. Noch nicht. Wieder wurde etwas in den Computer getippt. Für meine Begriffe erstaunlich viel (nun gut, mein amtlich beglaubigter Name ist verhältnismäßig lang, aber sooo lange auch wieder nicht). Dann wurden weitere zwei Formulare ausgedruckt, die ich erneut zu unterschreiben hatte. Die Dame verschwand mit meiner Unterschrift.

Ich musste lächeln, womöglich zu dem Herren von vorhin, dem ich den Schlüssel gegeben hatte. Er saß eine Tür und etwa fünf Schritte entfernt. Sie kam retour, tippte etwas in ihren Computer, druckte wieder etwas aus und übergab mir schlussend­lich die Kaution. Aus meinen gedanklich anberaumten fünf Minuten Zeitaufwand waren zwanzig Minuten geworden, gefühlte dreißig Formulare hatte ich unterschrieben (in Wirklichkeit waren es, glaube ich, sechs Stück, meine Erinnerung ist durch das Erstaunen etwas verzerrt) und zwei Leute beschäftigt. Was der Schlüssel aber – im Gegensatz zu mir daheim – nicht tun wird, ist: verschwinden! Bei soviel Aufzeichnungen muss ganz klar sein, wo er liegt.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.