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Wenn die Zähne im Mund zerbröseln

25.09.2021 • 11:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Regelmäßiges Zähneputzen kann Kreidezähne nicht kurieren, aber Karies vorbeugen
Regelmäßiges Zähneputzen kann Kreidezähne nicht kurieren, aber Karies vorbeugen Stanislaw Mikulski – stock.adobe.com

Die Ursache für Kreidezähne ist noch ungeklärt.

Für ein Kind – und auch dessen Eltern – ist es einer dieser Meilensteine, an die man sich erinnert: der erste ausgefallene Zahn. Er wird gehütet wie ein Schatz, stolz herumgezeigt, bis ihn eventuell die Zahnfee nachts gegen ein kleines Präsent tauscht. Mit dem Erscheinen der bleibenden Zähne folgt bei manchen Kindern dann rasch der Zahnarztbesuch. Denn leidet ein Kind an den sogenannten Kreidezähnen, kann es sein, dass der Zahn beim Durchstoßen des Zahnfleisches sprichwörtlich zerbröselt.
Das ist eine schwere Ausprägung des Krankheitsbildes, das offiziell Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) genannt wird.

„Bei Kreidezähnen ist der Zahnschmelz, der die Zähne eigentlich schützen sollte, nicht so fest, wie er sein sollte bzw. wie er bei gesunden Zähnen ist“, erklärt Katrin Bekes von der Medizinischen Universität Wien. Sie hat als Expertin für Mineralisationstörungen das erste deutschsprachige Fachbuch zu MIH verfasst. „Bei MIH handelt es sich um eine Mindermineralisation, diese betrifft die ersten bleibenden Backenzähne sowie auch die Schneidezähne.“ Die Eckzähne hingegen sind im Normalfall nicht betroffen.

Kreidezähne

Bei der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) handelt es sich um eine Mindermineralisation, welche die bleibende Schneide- und Backenzähne betrifft. 

Auf den Zähnen bilden sich gelbliche oder bräunliche Flecken, hier ist der Zahnschmelz weniger fest als bei gesunden Zähnen. Es gibt unterschiedliche Schweregrade, bei allen ist aber eine engmaschige Kontrolle beim Zahnarzt angezeigt.

Ursache für Kreidezähne ist unklar

Häufig werden Kreidezähne als neue „Volkskrankheit“ bezeichnet. Doch präzise Zahlen, wie viele Kinder in Österreich daran leiden, sind schwer zu finden. „Wir haben nur Daten von vor etwa zehn Jahren“, sagt Bekes. Und diese besagen, dass etwa elf Prozent der Kinder in Österreich von MIH betroffen sind. Weltweit spricht man von Raten um 13, 14 Prozent. „Wir brauchen genauere und mehr Daten, dann könnten wir auch neue Erkenntnisse in Bezug auf die Ursache gewinnen“, fordert Bekes.
Denn die Frage nach der Ursache ist bislang eine unbeantwortete. Diskutiert werden unterschiedliche Szenarien. Infektionskrankheiten der oberen Atemwege könnten eine Rolle spielen, ebenso Antibiotikatherapien oder auch Weichmacher. „Aber es gibt noch kein abschließendes Fazit“, sagt Bekes.

„Unser Problem ist vor allem, dass wir die Faktoren, die wir diskutieren, nicht unterbinden können.“ Damit meint Bekes etwa, dass, wenn ein Kind durch einen Infekt erkrankt, man ihm etwa die Antibiotikatherapie nicht vorenthalten kann, um das Risiko von Kreidezähnen zu minimieren. „Vieles ist eine retrospektive Betrachtung“, erklärt Bekes. Denn auch, wenn die eigentliche Ursache noch nicht abschließend geklärt ist, so ist doch klar, dass sich MIH früh bildet. „Diese Minderminalisation ist eng mit der Zahnbildung verknüpft.“ Und die bleibenden Zähne werden nicht gebildet, kurz bevor ein Milchzahn ausfällt, sondern die Entwicklung der Backen- und Schneidezähne beginnt im achten Schwangerschaftsmonat und endet etwa im vierten Lebensjahr.

Das bedeutet auch, dass fehlende Mundhygiene, oder auch die Konsumation von Softdrinks sowie zu viel Zucker die Entstehung von Kreidezähnen nicht begünstigt. „Nein, zu seltenes Zähneputzen hat keinen Einfluss auf die Erkrankung“, sagt Bekes. „Aber dennoch ist auf gute Mundhygiene zu achten, denn Kinder, die an MIH leiden, haben ein erhöhtes und frühes Risiko, Karies zu entwickeln.“

Worauf Eltern achten sollten

Worauf sollten Eltern also achten? Grundsätzlich sollten Kinder ab dem ersten Milchzahn zweimal pro Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle. Bemerken die Eltern gelbliche oder bräunliche Flecken auf den Backen- bzw. Schneidezähnen, sollte ebenfalls der Zahnarzt konsultiert werden.

Bestätigt sich der Verdacht der MIH, müssen die Kinder regelmäßig zur Kontrolle, je nach Schweregrad vier- bis fünfmal jährlich. „Es geht darum, den Zustand der Zähne stabil zu halten“, erklärt Bekes. Das kann bei leichteren Fällen etwa durch Fluorid-Lacke erreicht werden, auch Füllungen sind ein Thema. „Ist die MIH fortgeschritten, kann es sein, dass ein Zahn entfernt werden muss.“ Da es keine Präventionsmaßnahmen gibt, ist eine frühe Diagnose, gefolgt von einer engmaschigen Kontrolle, wichtig. „Desto eher wir das Problem kennen, umso eher können wir eingreifen.“

Zahnhygiene-Tipps für Kinder

Nicht nur aufgrund von Kreidezähnen bzw. der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) ist gute und regelmäßige Zahnhygiene wichtig.
Um Karies vorzubeugen, sollten zweimal pro Tag die Zähne geputzt werden – ab dem ersten Milchzahn. Bei kleinen Kindern ist Nachputzen unerlässlich.

Der erste Zahnarztbesuch sollte ebenfalls mit dem ersten Milchzahn erfolgen. Zweimal pro Jahr sollte eine Kontrolle erfolgen.