Allgemein

Touristiker schlagen erneut Alarm

27.09.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gutes Personal ist in Vorarlberg in vielen Branchen schwierig zu finden. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Gutes Personal ist in Vorarlberg in vielen Branchen schwierig zu finden. Shutterstock

Branche fordert verbesserte Bedingungen, weil es am Personal fehlt.

Nachdem die Vertreter der Tourismusbranche in der Coronakrise lautstark ihren Unmut über Betriebsschließungen und andere Maßnahmen kundgetan haben, meldet sich nun erneut Branchensprecher Markus Kegele zu Wort. Das Thema ist der Mangel an Fachkräften. Schon seit Langem klagen die Touristiker im Land über fehlendes Personal. Die Pandemie hat den Engpass noch verschlimmert, da das AMS Umschulungen angeboten hat. Diese Mitarbeiter sind nun verloren und kommen wohl nicht wieder. Der Ratschlag, dass bessere Bezahlung auch mehr Mitarbeiter bringen würde, kann Kegele schon nicht mehr hören.

<strong>Markus Kegele</strong> ist Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Zusätzlich führt er als Eigentümer und Geschäftsführer das Hotel Mondschein in Stuben am Arlberg. Das als GmbH geführte Hotel beschäftigt laut Wirtschaftskammer Vorarlberg 20 Mitarbeiter.
Markus Kegele ist Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Zusätzlich führt er als Eigentümer und Geschäftsführer das Hotel Mondschein in Stuben am Arlberg. Das als GmbH geführte Hotel beschäftigt laut Wirtschaftskammer Vorarlberg 20 Mitarbeiter.

„Der Großteil der Betriebe zahlt Löhne weit über dem Kollektivvertrag. Für alle anderen gilt das Mindestgehalt. Hinzu kommen jedoch standardmäßig Boni, Überstundenpauschale, Kost und Logis – also Vollpension und Übernachtung – sowie Vorteile bei Freizeitaktivitäten. Außerdem wird sehr vielen Mitarbeitern eine Wohnqualität auf dem Niveau der Gäs­te geboten.“

Rahmenbedingungen ändern

Aber er macht auch keinen Hehl daraus, dass die Kosten für die Arbeitnehmer durchaus Probleme bereiten. Die Spanne zwischen Nettoverdienst und dem, was der Arbeitgeber zahlt, sei viel zu hoch. Mehr Netto vom Brutto müsse die Devise sein. Es müsse an vielen Schrauben gedreht werden. Dabei seien sowohl die Branche als auch die Politik gefordert. Eine weitere Problematik bei der Suche und vor allem Findung qualifizierter Arbeitskräfte sind die unterschiedlichen Saisonen in Vorarlberg. Der Wintertourismus ist weitaus stärker ausgeprägt als der Sommer, was einen Personalunterschied von rund 3000 Mitarbeitern bedeutet. Sprich durch die Saisonen muss immer wieder neues Personal auf dem internationalen Markt gesucht werden. Und die Konkurrenz ist groß. Vor allem Deutschland grast einiges an aussichtsreichen Kandidaten ab. Daher sei laut Kegele nun die Politik am Zug, die Rahmenbedingungen für die Anstellungen zu ändern. Die Öffnung des Arbeitsmarktes für Drittstaaten könnte laut dem Touristiker ein Ansatz sein.

 Der Tourismus beklagt ebenfalls fehlende Facharbeiter. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Der Tourismus beklagt ebenfalls fehlende Facharbeiter. Shutterstock

„Wir brauchen daher langfris­tig neue praktikable Saisonbeschäftigungsmodelle, die auch Mitarbeiter aus Drittstaaten wieder verstärkt mit einbeziehen und die den Betrieben Rechtssicherheit und Planbarkeit geben.“ Mitarbeiterinnen, die über mehrere Saisonen immer wieder kommen, müsse man aus den starren Saisonkontingenten herausnehmen“, sagt Kegele.

Mitarbeiterrecruiting

Ein Modell für Quereinsteiger wäre auch eine Option, allerdings würde es nicht reichen, einfach nur Arbeitslose für neue Aufgaben zu rekrutieren. Denn aufgrund der herausfordernden Arbeit und dem Saisonmodell, das viele abschreckt, müsse eine hohe Bereitschaft an den Tag gelegt werden. „Wer bisher nicht mit Begeisterung und aus Überzeugung im Tourismus gelandet ist, wird das auch künftig nicht. Wir sind eine Dienstleistungsbranche, die auf motivierte und qualitätsorientierte Mitarbeiterinnen baut, die mit Gästen umgehen können“, erklärt Kegele. Steuerfreie Wochend- und Feiertagsstunden sind nur ein Vorschlag, den der Branchensprecher ins Rennen wirft, um die Branche attraktiver zu machen.

Die Zeit drängt aber, denn die nächste Saison steht schon vor der Türe und es fehlen nach wie vor hunderte Mitarbeiter. Und ein weiteres Jahr ohne Sommer- oder Wintersaison dürfe es nicht mehr geben.