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Während der Gala vom Ehrgeiz gepackt

27.09.2021 • 19:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Einer der stolzen Sieger mit Harald Rammel (Landwirtschaftskammer) und Lisa Zmugg (Marketing NEUE). <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Einer der stolzen Sieger mit Harald Rammel (Landwirtschaftskammer) und Lisa Zmugg (Marketing NEUE). Alexandra Serra

Im Rahmen der Flora Gala wurden die Floristinnen-Lehrlinge ausgezeichnet.

“Stressig war’s, die Aufregung groß, aber die Erleichterung noch größer“, fassen Jessica Hämmerle und Natali Gapp die Emotionen rund um ihre Lehrabschlussprüfungen zur Floristin zusammen. Ihre Abschlussarbeiten sind wie die der anderen 16 frischgebackenen Floristinnen im Wolfurter Vereinshaus ausgestellt. Sie finden glühende Anhänger und Anhängerinnen. „Meine Tochter hat bei Rosen Waibel die Lehre zur Floristin gemacht und vor einem Jahr abgeschlossen“, erzählt etwa Vanessa Stopper. Sie weiß also, wovon die Rede ist. „Die Arbeiten sind alle schön“, schwärmt sie und gibt das Kompliment auch an die Macherinnen weiter.

Novus zeigten ihr neues Programm und begeisterten die Zuschauer mit ihrer Akrobatik.
Novus zeigten ihr neues Programm und begeisterten die Zuschauer mit ihrer Akrobatik.

Originalität und Können

An der Theke steht indes Cornelia Thaller vom Catering-Service. Sie gibt Getränke aus, findet aber Zeit, ihre Beobachtungen zu machen. „Ich hatte erwartet, dass die Frauen ihre Männer mitschleppen, aber so ist es gar nicht. Die meisten fangen an zu strahlen, wenn sie die Blumenkunstwerke sehen. ,Voll schön‘, sagt jeder und jede. Ich habe nicht viel mit Blumen zu tun, aber ich bin beeindruckt, auch von der Vielfalt.“ Herbstliche Sträuße, auf uralte Nähtische drapiert. Gestecke auf einer urbanen Konstruktion aus Holzpaletten. Ein Riesengefäß aus einer Erde-Lehm-Mischung mit wirkungsvoll inszenierten Gräsern. Ein stehender Metallring, in den Hämmerle Aberdutzende von Knöterich-Stielröhren geklebt und auf den sie ein Gebinde aus Ranken, Hortensien, Clematis, Zinnien, Heuchera und Hagebutte dekoriert hat. Für ihren Kranz mit 75 Zentimetern Durchmesser hatten Gapp und die anderen jungen Frauen zwei Stunden Zeit. Nicht viel, schätzt Gapp doch, dass sie dafür über 500 Blumen und Gräser angeschnitten und im Steckschwamm platziert hat. Das Ergebnis: Kreativkönnen trifft auf die farbensprühende Schöpfungskraft der Natur.

Enthusiasmus und schöne Bilder

Viele Neugierige sind gekommen, um das erste Getränk des Abends zwischen Blumen flanierend zu genießen. Viele auch, die danach den kurzen Weg zum Cubus schlendern, um einen Flora-Gala-Abend ganz im Zeichen des ästhetischen Umgangs mit dem Blühenden zu verleben.

Wie immer ist die Flora Gala gut besucht. Konnte sie im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Restriktionen nicht stattfinden, kommen an diesem Samstagabend zahlreiche Dauerfans und Anhänger, so auch Erika Nägele mit ihrem Mann, der bemerkt, dass sie beide seit mittlerweile 40 Jahren bei der Gala sind. Erika Nägele war viele Jahre auch in der Jury, die die eingereichten Gärten des Flora Gartenbewerbs beurteilt. Beide freuen sich auf schöne Bilder.

Und die bekommen sie tatsächlich zu sehen: Markus Linder moderiert gekonnt und mit viel Charme, Musik und Gags durch den Abend, lässt aber keinen Augenblick einen Zweifel daran, dass die Hauptpersonen im Rampenlicht die Gewinnerinnen und Gewinner des Bewerbs sind – und die Blumen selbst. Er widmet ihnen umgedichtete Lieder, und Aufruf für Aufruf werden es mehr Sieger, die Auszeichnungen dafür entgegennehmen, einen „Rosentraum im Garten“ zu haben oder ein „Blumenparadies“, ihren „Garten als Freizeitoase“ gestaltet zu haben oder ihren „Balkon als kleines Paradies“. Nicht zuletzt werden Preise an Hobbygärtner vergeben, die ihre „Vorratskammer im Garten“ haben.

Digitaler Wettbewerb

Statt dass die Jury eine Woche durchs Ländle getourt ist, wurde der Bewerb revolutioniert und die Gärten via Fotos eingereicht. Das hatte im vergangenen Jahr zur Folge, dass ein Drittel mehr Vorarlberger mit ihren Gärten beim Bewerb mitgemacht haben. Auch heuer war der Effekt spürbar.

Die Flora-Gala im Wolfurter Cubus war gut besucht und ein Highlight für Gartenfans.
Die Flora-Gala im Wolfurter Cubus war gut besucht und ein Highlight für Gartenfans.

Für die Ausgezeichneten ist Gärtnern eine Passion. „Es liegt im Blut“, sagt Walter Zanghellini aus Mäder schlicht. Und die ebenfalls ausgezeichnete Ulrike Vransak aus Feldkirch ist „überglücklich, ganz toll, dass die Arbeit gewürdigt wird, und dass man ihr Ergebnis teilen kann. Dass alle die Fotos sehen können, animiert mache vielleicht, ebenfalls im Garten Hand anzulegen“. Möglicherweise ist das tatsächlich so, denn zum Beispiel Ilse Dünser aus Göfis hat den Abend sichtlich genossen. „Der Wermutstropfen: Ich habe für meinen eingereichten Garten noch nicht einmal einen Trostpreis gewonnen. Aber jetzt habe ich die Fotos gesehen und habe ein besseres Gefühl dafür bekommen, worauf es der Jury ankommt. Ich werde mein Paradies für Bienen und Insekten mit dem Apfelbaum in der Mitte noch etwas aufhübschen und nächstes Jahr wieder antreten.“ Das ist der Gärtnergeist, den sich die Flora-Macher wünschen. Ihre Botschaft gilt nicht zuletzt auch für die leer ausgegangene Ilse Dünser: „Danke, dass Sie das Ländle so schön machen!“