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Schimmelpilzinfektionen sind problematisch

30.09.2021 • 11:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Entwickeln Intensivpatienten auch eine Schimmelpilzinfektion, verschlechtert sich ihre Prognose
Entwickeln Intensivpatienten auch eine Schimmelpilzinfektion, verschlechtert sich ihre Prognose (c) Kiryl Lis – stock.adobe.com

Schimmelpilzinfektionen werden bei Covid-Intensivpatienten zu Problem.

Die Lage auf den Intensivstationen wird genau überwacht, von der Politik, den Medien, der Öffentlichkeit. Medizinisches Personal, dass auf Intensivstationen tätig ist, beobachtet wiederum den Zustand der Patientinnen und Patienten. Dieses Personal sieht sich mit einem Problem konfrontiert, dass die Überlebenschancen von Covid-Patienten mindern kann. Grazer Fachleute beschreiben in einer neuen Arbeit eine Schimmelpilzinfektion der Lunge, die Einfluss auf die Prognose von Patientinnen und Patienten hat. Die Forschungsgruppe rund um Stefan Hatzl, Gernot Schilcher und Robert Krause zeigt aber auch, dass die Gabe einer Pilzprophylaxe bei COVID-19-Patientinnen ein sinnvoller Therapieansatz sein könnte.

Veröffentlicht wurde die Arbeit des Teams der Medizinischen Universität Graz in der international renommierten Zeitschrift „Critical Care“. Demnach stellen Schimmelpilzinfektionen, vor allem bei intensivpflichtigen COVID-19 Patienten ein zunehmendes Problem dar. In europäischen Breiten sind Pilze der Aspergillus Gruppe der Auslöser einer Infektion. Aufgrund dieser Problematik hat sich bereits ein eigenes Krankheitsbild entwickelt – die COVID-19 assoziierte Pulmonale Aspergillose (CAPA).

„Im Rahmen unserer Forschungsarbeit haben wir alle intensivpflichtigen COVID-19 Fälle, welche an der Med Uni Graz bzw. dem LKH-Universitätsklinikum Graz behandelt wurden, untersucht. Wir konnten erstmals in Österreich eine konkrete Inzidenzzahl für die CAPA im Intensivbereich definieren“, erklärt Hatzl. Auf den Intensivstationen am Universitätsklinikum Graz haben 17 Prozent der Patienten zumindest ein diagnostisches Kriterium hinsichtlich einer CAPA entwickelt. Die Diagnose der CAPA wurde im Durchschnitt sechs Tage nach der Intensivstationsaufnahme gestellt.

„In einem nächsten Schritt untersuchten wir die Auswirkungen einer CAPA-Diagnose auf die Prognose der Patienten. Wir konnten zeigen, dass nahezu alle Patienten, die eine CAPA entwickelt haben, verstorben sind: Nach der Diagnose einer Schimmelpilzinfektion sind 87 Prozent der COVID-19 Patienten verstorben, zusätzlich konnten wir auch zeigen, dass CAPA ein unabhängiger prognostischer Parameter für den Tod der COVID-19 Patienten war“, fasst Schilcher zusammen.

Pilzprophylaxe könnte die Prognose verbessern

Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit lag auf dem Verhindern dieser prognoselimitierenden Erkrankung im Sinne einer Prophylaxe einer CAPA. „Wir konnten in unserer Studie zeigen, dass die prophylaktische Verabreichung eines Pilzmedikaments mit definierter Wirkung gegen Schimmelpilze CAPA-Fälle verhindern konnte. In der Gruppe von Patienten mit Pilz-Prophylaxe entwickelten nur zwei Prozent der Patienten eine CAPA verglichen mit 17 Prozent in der Gruppe ohne Pilz-Prophylaxe“, so Krause, supplierender Leiter der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der Med Uni Graz.

Diese Arbeit ist weltweit die erste, welche die Wirksamkeit einer Pilz-Prophylaxe zur Verhinderung einer CAPA bei Patienten auf der Intensivstation untersuchte. Die Schlussfolgerungen dieser Publikation könnten auch für die „Black Fungus“-Pandemie Bedeutung haben, die vor allem in Indien für Probleme sorgt. Denn das in der Studie verwendete Pilzmedikament ist ebenso wirksam gegen jenen Pilzstamm, der in Indien vorherrschend ist: Mucorales spp.

“Black Fungus”-Pandemie in Indien

„Aktuell sorgt die sogenannte „Black Fungus”-Pandemie bei indischen COVID-19 Patienten für zunehmende Sorge bei globalen Gesundheitsbehörden“, erklärt Krause. Dieser vor allem durch die Medien geprägte Terminus „Black Fungus“ steht für eine fungale Superinfektion mit Schimmelpilzen aus dem Genus der Mucorales spp. Zudem ist bekannt, dass COVID-19 Patienten, die diese Superinfektion entwickeln, besonders schlechte Überlebenschancen zeigen. Warum es gerade bei Bewohnern des indischen Subkontinents zu diesen besorgniserregenden Entwicklungen kommt, ist nicht restlos geklärt. „In der Debatte stehen vor allem das feuchtwarme Klima der Tropen, die schlechte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung speziell in Bezug auf chronische Erkrankungen wie Diabetes, als auch der immer breitere Einsatz von notwendigen Corticosteroiden in der Behandlung von COVID-19“, erklärt der Experte.

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