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Das Wichtigste zur Auffrischungsimpfung

04.10.2021 • 18:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Nicht alle Menschen brauchen sofort eine Auffrischungsimpfung, das Nationale Impfgremium hat Risikogruppen gereiht, die vorrangig den dritten Stich erhalten sollten
Nicht alle Menschen brauchen sofort eine Auffrischungsimpfung, das Nationale Impfgremium hat Risikogruppen gereiht, die vorrangig den dritten Stich erhalten sollten (c) AP (Pavel Golovkin)

Die wichtigsten medizinischen Fakten zusammengefasst.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat die dritte Dosis bzw. eine Auffrischungsimpfung für den Covid-Impfstoff von Biontech/Pfizer empfohlen. In Österreich wird die Auffrischungsimpfung seit einigen Wochen durchgeführt – allerdings nicht für die gesamte Bevölkerung, sondern vorerst nur für bestimmte Gruppen.

Notwendig gemacht hat dies die rasche Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante von Sars-CoV-2. Es wird erwartet, dass diese Variante gepaart mit herbstlicheren Temperaturen und die vermehrte Rückkehr in geschlossene Räume wieder für einen Anstieg der Neuinfektionen führen wird. Wer sollte also eine Auffrischung bekommen und welches Antikörperlevel schützt überhaupt? Wir haben die wichtigsten medizinischen Fakten zusammengefasst.

1 Wer sollte eine Auffrischungsimpfung erhalten?
ANTWORT: Das Nationale Impfgremium (NIG) spricht sich in seiner aktuellen Anwendungsempfehlung nicht für eine sofortige Auffrischungsimpfung für die breite Bevölkerung aus, sondern differenziert. „Frühestens sechs bis spätestens neun Monate nach Abschluss der vollständigen Erstimmunisierung“ sollte eine dritte Impfung erfolgen, und zwar bei folgenden Risikogruppen:

Grob zusammenfassend kann man sagen, dass auf diese Gruppen entweder zutrifft, dass ihre Immunantwort, etwa aufgrund von Alter oder Vorerkrankung, geringer ausfällt, als bei gesunden Menschen anzunehmen wäre. Oder dass sie einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind, etwa Personal in Gesundheitseinrichtungen. Oder auch, dass sie aufgrund von Vorerkrankung keine oder nur eine sehr schwache Immunantwort aufbauen können, also immunsuprimierte Personen.

Alle weiteren Personen (ab 16 Jahren) sollen ihre Auffrischungsimpfung nicht nach sechs, sondern erst nach neun bis zwölf Monaten erhalten.

Anmeldung

Über den dritten Stich werden die Menschen in Österreich künftig per Brief informiert und zur Auffrischung aufgefordert, kündigte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein Anfang Oktober an. 

Man kann sich über die Plattform “Österreich impft” auch selbst für die Auffrischungsimpfung anmelden. 

2 Welche Besonderheiten gelten für Johnson & Johnson?
ANTWORT: Das Vakzin des US-Pharmakonzerns Janssen (Johnson & Johnson) ist aktuell der einzige Covid-Impfstoff, der nur in einer Dosis verimpft wird. Beim Wildtyp bzw. bei der Alpha-Variante von Sars-CoV-2 zeigte dieses Präparat zwar geringere Wirksamkeitsdaten, die aber immer noch ausreichend Schutz boten. Mit Delta hat sich das nun geändert, “es gibt einige Anzeichen, dass dieser Impfstoff hier nicht so wirksam ist”, bestätigt Herwig Kollaritsch, Mitglied des NIG. So wurden etwa mehr Impfdurchbrüche bei dem J&J-Vakzin gemeldet.

Demnach können auch jene Personen, die ihre erste Dosis J&J schon erhalten haben, frühestens ab 28. Tagen nach der Impfung eine Auffrischung erhalten.

3 Welche Impfstoffe werden für die Auffrischungsimpfung verwendet?
ANTWORT: Das NIG empfiehlt hier, auf die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer sowie Moderna zurückzugreifen. Dies gilt für alle oben geschilderten Gruppen. Grundsätzlich ist mittlerweile belegt, dass ein heterologes Impfschema, also die Kombination von Vektor- und mRNA-Vakzinen, eine sehr gute Immunantwort auslöst.

4 Sollte man vor einer dritten Impfung einen Antikörpertest machen?
ANTWORT: Es ist eine verständlicher Impuls, den Immunstatus überprüfen zu wollen. Aber: Es ist immer noch nicht klar, welches Level an Antikörpern vor Covid-19 schützt. Dieser Wert, das Schutzkorrelat, konnte noch nicht abschließend bestimmt werden. Das ist der Hauptgrund, wieso das NIG einen Antikörpertest nicht für die breite Masse empfiehlt. „Wir nützen die Tests für jene Personen, wo wir überprüfen, ob überhaupt eine Immunantwort da ist“, sagt Kollaritsch.

Hinzu kommt, dass nur neutralisierende Antikörper eine Auskunft über den Schutz geben können. Diese Tests sind aber aufwändiger als die gängigen Antikörpertests und müssen in Speziallabors durchgeführt werden. Die alleinige Anzahl aller Antikörper ist nicht aussagekräftig, betont Bergthaler. „Nur weil ich eine bestimmte Anzahl an Antikörpern habe, heißt das nicht, dass ich geschützt bin“, sagte Virologe Andreas Bergthaler zur Kleinen Zeitung.

5 Welche Erfahrungswerte hat man schon mit Auffrischungsimpfungen?
ANTWORT: Grundsätzlich ist mittlerweile belegt, dass die Zahl der Antikörper mit der Zeit abnimmt. Bei jungen, immunkompetenten Menschen ist dies eher langsamer der Fall. Mit dem Alter geht aber auch die Fitness des Immunsystems zurück, aus diesem Grund nimmt auch die Schutzfähigkeit ab, die Antikörpertiter können bei älteren schneller sinken. „Wir haben Daten, die zeigen, wenn wir Menschen boostern, die Antikörpertiter nach der dritten Impfung noch deutlich höher sind als nach der zweiten Impfung“, sagt der Pharmakologe Markus Zeitlinger in der ZiB2 am vergangenen Donnerstag. Zudem gibt es Daten aus Israel, die zeigen, dass Menschen, die eine dritte Impfung bekommen haben, „nur noch ein Zehntel so häufig Durchbruchsinfektionen haben, verglichen mit jenen, die noch nicht diese Booster-Impfung haben.“

6 Heißt das, wir müssen die Covid-Impfung – wie die Grippe-Impfung – jährlich auffrischen?
ANTWORT: Nein, das heißt es (noch) nicht. Um diese Frage beantworten zu können, braucht es mehr Daten – auch zu den anderen Armen der Immunantwort abseits der Antikörper. Es gibt auch noch die zelluläre Immunantwort in Form von T-Zellen, und auch die B-Zellen, welche für die Antikörperproduktion verantwortlich sind, spielen keine unwesentliche Rolle. Wie sich diese über einen längeren Zeitraum verhalten, ist noch Gegenstand von Untersuchungen. Das im Moment wahrscheinlichste Szenario schildert Impfforscher Leif Erik Sander bei einem Press Briefing des Science Media Center: „Ich glaube, dass Auffrischen notwendig sein wird, aber auch, dass derzeit die herkömmlichen Impfstoffe dafür ausreichen.“ Dass in Zukunft alle neun Monate geimpft werden muss, vermutet der Experte nicht: „Wir werden nicht jedes Jahr auffrischen müssen. Die Abstände werden weit größer sein.“