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Welcher Wanderschuh der richtige ist

04.10.2021 • 12:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vor dem Kauf sollte man sich ein paar Fragen stellen: Wie oft? Wie anspruchsvoll? Welches Gelände? Daraus lässt sich ableiten, ob man einen Hiking-, Trekking-, Wander- oder Bergschuh benötigt
Vor dem Kauf sollte man sich ein paar Fragen stellen: Wie oft? Wie anspruchsvoll? Welches Gelände? Daraus lässt sich ableiten, ob man einen Hiking-, Trekking-, Wander- oder Bergschuh benötigt (c) leszekglasner – stock.adobe.com

Die Machart von Wanderschuhen hat sich gewandelt.

Für eine der beiden Spaßbremsen beim Wandern ist man selbst verantwortlich. Tatsächlich kann man gegen schlechtes Wetter nichts tun, gegen falsches Schuhwerk schon. Denn der Sporthandel bietet ein (fast) unüberschaubares Angebot an bergtauglichen Modellen für die verschiedenen Arten alpiner Abenteuer. Blasen, Druckstellen oder Reibflächen sind bei richtiger Schuhwahl daher verhinderbar. Was es von Kundenseite braucht, ist ein Abgleich zwischen tatsächlicher Aktion, materiellen Anforderungen und dafür notwendiger Ausrüstung.

Die Kernfragen: Wie oft? Wie anspruchsvoll? Welches Gelände? Daraus lässt sich ableiten, ob man einen Hiking-, Trekking-, Wander- oder Bergschuh benötigt – wobei die Eigenschaften und Einsatzgebiete nicht immer scharf abgegrenzt sind. Bei Hikingschuhen endet der Schaft jedenfalls unter dem Knöchel (Halbschuhe), bei Trekkingschuhen reicht er über den Knöchel – was mehr Stabilität bringt. Hiking- und Trekkingschuhe werden aber im Vergleich zu Bergschuhen meist nicht in hochalpinem Gelände getragen. Dort sind unter Umständen steigeisen-taugliche Modelle notwendig – was eine bestimmte Sohlenbauart notwendig macht.

Der Preis macht oft den Unterschied

Die Produzenten setzen je nach Einsatzgebiet und Firmenphilosophie auf unterschiedliche Macharten. Diese wirken sich nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Haltbarkeit und die Reparaturmöglichkeiten aus. Immerhin werden in einem Bergschuh hoher Qualität 180 Teile in 120 Arbeitsschritten zusammengefügt. Entscheidend ist beispielsweise, wie der Oberteil (Schaft) mit dem Unterteil (Sohle) verbunden ist und welche Lederstärke verarbeitet wird. Bei Schuhen für hochalpine Einsätze ist das Leder drei Millimeter dick, für Trekkingschuhe 2,4 Millimeter. Für weniger geländegängige Modelle reicht auch 1,7 Millimeter dickes Leder.

Von den ursprünglich aus Holz gefertigten Leisten ist man in der industriellen Massenproduktion auf gedrehte Kunststoffleisten umgestiegen. Zwanzig verschiedene Modelle kommen davon beispielsweise beim bayerischen Produzenten Hanwag zum Einsatz. Je nach Einsatzgebiet ein anderer Leisten. „Da geht es um Zehntelmillimeter“, erklärt Hanwag-Entwicklungsleiter Andreas Settele.

Hanwag gehört zu den wenigen Produzenten, die (auch) noch traditionelle und handwerklich anspruchsvolle zwiegenähte Modelle im Portfolio haben. Dabei wird die sogenannte Brandsohle mit dem Oberleder zweifach vernäht. „Diese aufwendige Bauart wurde gewählt, weil lange Zeit die verfügbaren Klebstoffe zu schlecht waren“, begründet Settele.

Verklebt unter hohem Druck

Weniger hart, leichter und damit komfortabler sind dagegen Schuhe aus (klebe)gezwickter Machart. Dabei wurden früher Schaft und Sohle mit Nägeln miteinander verbunden, heute werden sie unter hohem Druck miteinander verklebt. Diese Art wird für stabile Wanderschuhe verwendet, mit denen man im Voralpenland oder Mittelgebirge unterwegs ist.

Die dritte Machart sind „gestrobelte“ Schuhe. Dabei wird eine Art „Schuhsocken“ über den Leisten gezogen und die Sohle entweder angeklebt oder direkt aufgespritzt. Da das Leder nicht vorgedehnt ist, bleibt die Formstabilität gering, dafür sind die Schuhe billiger – aber auch weniger haltbar.

Apropos Haltbarkeit: Schuhe besser nicht im verschlossenen Karton lagern, da sie dort weniger gut durchlüftet werden. Und Feuchtigkeit vermeiden. Denn in den Poren des in den Zwischensohlen verwendeten Kunststoffs können sich sonst Bakterien einlagern, die die Sohle in weiterer Folge zersetzen. Sie bricht dann vom Restschuh ab. In so einem Fall sollte die Berghütte in der Nähe sein.

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