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Wallner: „Lehre ist keine Sackgasse“

05.10.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die erfolgreichen Lehrlinge wurden am Dienstag im Landhaus geehrt.<span class="copyright">VLK/Serra</span>
Die erfolgreichen Lehrlinge wurden am Dienstag im Landhaus geehrt.VLK/Serra

Landeshauptmann lobt duale Ausbildung und fordert Einführung einer Pflegelehre.

Ein Loblied auf die duale Ausbildung stimmten Landeshauptmann Markus Wallner, Landesrat Marco Tittler (beide ÖVP), Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler und Blum-Ausbildungsleiter Dieter Hämmerle beim Pressefoyer am Dienstag an. Anlass dafür war ein Empfang für die erfolgreichen Vorarl­berger Teilnehmer bei den Berufseuropameisterschaften „Euro­Skills“, die kürzlich in Graz über die Bühne gegangen sind. Von 33 Medaillen, die Österreich dort errungen hat, gingen sieben nach Vorarlberg. Die heimischen Lehrlinge durften sich über eine Gold-, drei Silber- und drei Bronzemedaillen freuen.

Imageprobleme

Im Pressefoyer nach der Regierungssitzung waren sich die Vertreter von Politik und Wirtschaft einig, dass die duale Ausbildung keine Sackgasse ist, wie es etwa der Landeshauptmann formulierte. Allerdings habe man teilweise immer noch mit Imageproblemen zu kämpfen, merkte Hämmerle an. Denn Modelle wie „Lehre und Matura“ oder die „Duale Akademie“, bei der Maturanten eine Lehre absolvieren können, seien vielfach nicht bekannt. Dabei gebe es zahlreiche Erfolgsgeschichten als Beispiel, bei denen Lehrlinge über weitere Ausbildungsschritte wie etwa die Meis­terprüfung zu erfolgreichen Unternehmern geworden seien, fügte Metzler an.

Landesrat Marco Tittler, Landeshauptmann Markus Wallner, Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler und Blum-Ausbildungsleiter Dieter Hämmerle (v.l.n.r.). <span class="copyright">VLK</span>
Landesrat Marco Tittler, Landeshauptmann Markus Wallner, Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler und Blum-Ausbildungsleiter Dieter Hämmerle (v.l.n.r.). VLK

Die Lehre spielt in Vorarlberg auch eine wichtige Rolle für den Wirtschaftsstandort, betonte Wallner. Schließlich bräuchten die heimischen Unternehmen gut ausgebildete Fachkräfte. Ohne diese „wird es dunkel“, meinte Wirtschaftskammerpräsident Metzler. Nicht zuletzt habe die duale Ausbildung auch einen großen Anteil daran, dass es im Ländle im Vergleich zu anderen Regionen eine sehr geringe Jugendarbeitslosigkeit gibt. Daher werde man auch weiterhin kräftig in dieses Ausbildungsmodell investieren, sagte der Landeshauptmann.

Zudem wird über den Verein „Lehre in Vorarlberg“ Aufklärungsarbeit über die duale Ausbildung geleistet. Land, Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer ziehen dabei an einem Strang. Dass sich die Bemühungen lohnen, zeigen nach Ansicht der Verantwortlichen auch die Zahlen. So habe es zwar zu Beginn der Pandemie leichte Besorgnis bezüglich der Ausbildungsplätze für Jugendliche gegeben. Mittlerweile sei die Zahl der arbeitlos gemeldeten Jugendlichen unter 25 Jahren im Jahresvergleich um 19 Prozent zurückgegangen. 200 Lehrstellensuchenden stünden 681 sofort verfügbare Stellen gegenüber. Insgesamt gibt es derzeit in Vorarlberg 7043 Jugendliche, die eine Lehre absolvieren.

Die duale Ausbildung war am Dienstag das Thema im Pressefoyer. <span class="copyright">VLK</span>
Die duale Ausbildung war am Dienstag das Thema im Pressefoyer. VLK

Die hohe Qualität der dualen Ausbildung zeige sich in den Erfolgen der heimischen Lehrlinge wie etwa jüngst bei den „Euro­Skills“. Für Spitzenleistungen brauche es aber auch eine breite Basis, in die ebenfalls investiert werden müsse, betonte Wirtschaftslandesrat Tittler. Es sei wohl unbestritten, dass eine gute Ausbildung auch gut für die persönliche berufliche Zukunft sei. Umso wichtiger sei es daher, Jugendliche in schwierigen Situationen zu unterstützen. Als Beispiel dafür nannte Tittler das seit 2004 angebotene Lehrlingscoaching. Dieses hat zum Ziel, helfend einzugreifen, um Lehrabbrüche oder die Auflösung von Ausbildungsverhältnissen zu verhindern. Rund 200 Jugendliche würden jährlich die Begleitung in Anspruch nehmen. In 70 Prozent der Fälle werde eine Stabilisierung der Situation erreicht, berichtete der Landesrat.

Überbetriebliche Ausbildung

Eine wichtige Rolle spielt aus seiner Sicht auch das Ausbildungszentrum Vorarlberg. Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, können dort eine duale Ausbildung in verschiedenen Bereichen absolvieren. Angeboten werden neben der Holz- und Metallverarbeitung auch Berufe in den Bereichen Einzelhandel, Elektrotechnik, Informatik und Gastronomie. Neu ist seit Kurzem auch der Lehrberuf des Fahrradmechatronikers.

Forderung nach Pflegelehre

Angesichts von Digitalisierung und Themen wie Nachhaltigkeit sowie Klimaschutz sei es wichtig, im Ausbildungsbereich immer wieder Anpassungen vorzunehmen, betonte Wallner. Dies gelte auch für andere Felder. So erneuerte der Landeshauptmann die Forderung nach Einführung einer Pflegelehre. Diese könne dabei helfen, den Personalmangel zu bekämpfen. Er habe „überhaupt kein Verständnis dafür“, dass man sich in diesem Bereich gegen die Einführung einer Lehre zur Wehr setze. Die duale Ausbildung sei in der gesamten Wirtschaft ein Erfolgsmodell, warum solle dies in der Pflege anders sein, fragte Wallner. Wichtig sei nur, dass die Auszubildenden in der Pflegelehre behutsam eingeführt würden und diese altersgerecht aufgebaut sei.

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