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Diebstahlsopfer wegen Selbstjustiz verurteilt

06.10.2021 • 19:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Prozess fand gestern am Landesgericht statt.             <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Prozess fand gestern am Landesgericht statt. Klaus Hartinger

21-Jährigem wurden 20 Gramm Marihuana weggenommen. Opfer holte sich Drogen zurück.

Ein 22-jähriger Bregenzer wurde am Landesgericht Feldkirch wegen räuberischen Diebstahls zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Davon betrug der unbedingte, zu verbüßende Teil fünf Monate Haft. Nach den gerichtlichen Feststellungen hat der Österreicher türkischer Abstammung einem 21-Jährigen 20 Gramm Marihuana im Wert von 2000 Euro gestohlen und auf der Flucht die Beute mit Gewalt verteidigt.

Das Opfer des räuberischen Diebstahls hat vor dem Prozess gegen den Täter verbotenerweise Selbstjustiz geübt. Der 21-Jährige holte sich zusammen mit Komplizen im November 2020 in Bregenz vom Täter das gestohlene Rauschgift mit Gewalt zurück. Und er hat danach als Zeuge vor der Polizei gelogen. Indem er wahrheitswidrig behauptet hat, ein 29-jähriger Tschetschene sei bei der Racheaktion nicht dabei gewesen.

Haft- und Geldstrafe

Dafür wurde der geständige 21-Jährige am Mittwoch am Landesgericht Feldkirch wegen Anstiftung zur Nötigung und versuchten Nötigung sowie wegen falscher Zeugenaussage schuldig gesprochen. Der mit vier Vorstrafen belastete Arbeitslose wurde rechtskräftig zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von sechs Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 520 Euro (130 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Die mögliche Höchststrafe wäre drei Jahre Gefängnis gewesen.

Sein Chauffeur (24), der ihn mit seinem Auto zum Tatort nach Bregenz gefahren hat, kam als Beitragstäter zu den Nötigungen und wegen falscher Zeugenaussage mit einer Diversion davon. Dem unbescholtenen und geständigen Arbeiter mit dem Netto-Einkommen von 2000 Euro bleibt eine Vorstrafe erspart, wenn er dem Gericht als Geldbuße 2900 Euro überweist.

Vertagt

Nicht geständig war am Mittwoch der 29-jährige Tschetschene, dem Nötigung und versuchte Nötigung zur Last gelegt werden. Für die Befragung einer Entlastungszeugin, die bestätigen soll, dass der 29-Jährige zur Tatzeit in Wien und nicht in Bregenz war, hat Richter Dietmar Nußbaumer die Hauptverhandlung vertagt. Staatsanwalt Manfred Bolter wirft dem mehrfach Vorbestraften vor, er habe im Auftrag des Opfers dem Dieb eine Ohrfeige verpasst und ihn so zur Rückgabe der gestohlenen 20 Gramm Marihuana gezwungen. Zudem soll der Tschetschene dem 22-Jährigen mit weiteren Schlägen gedroht haben, sollte er dem Opfer des räuberischen Diebstahls das geforderte Schmerzengeld von 300 Euro nicht bezahlen.