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Wallner: Derzeit gute Chancen bei Jobsuche

06.10.2021 • 19:54 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Landeshauptmann Markus Wallner bekräftigt, dass jeder, der arbeiten kann, auch arbeiten soll. <span class="copyright">Hartinger</span>
Landeshauptmann Markus Wallner bekräftigt, dass jeder, der arbeiten kann, auch arbeiten soll. Hartinger

Jüngste Entwicklung des Arbeitsmarkts wird im Landtag positiv bewertet.

Die Gegenwart und Zukunft des Arbeitsmarkts waren am Mittwoch Thema der Aktuellen Stunde im Landtag. Doch auch die Steuerreform und die Kinderbetreuung wurden in diesem Zusammenhang von so manchem Redner und so mancher Rednerin angesprochen. Weitgehende Einigkeit herrschte unter den Abgeordneten, dass es mit dem heimischen Arbeitsmarkt wieder aufwärts geht.

Keine Denkverbote

Gleich zu Beginn der Debatte wies der zuständige ÖVP-Bereichssprecher, Harald Witwer, auf die sinkenden Arbeitslosenzahlen hin. Man habe sich ursprünglich das Ziel gesetzt, bis zum Jahresende wieder weniger als 10.000 Beschäftigungslose in Vorarlberg zu haben. Bereits Ende Juli sei es gelungen, den Wert zu unterschreiten. Zugleich seien auch mehr offene Stellen verfügbar als noch vor der Coronapandemie. Umso wichtiger sei es nun, die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen. Dabei dürfe es auch keine Denkverbote geben, betonte Witwer. So könne man durchaus über ein degressives Modell beim Arbeitslosengeld nachdenken. Derzeit gibt es 55 Prozent des bisherigen Netto-Einkommens als Grundbetrag beim Arbeitslosengeld. Für Witwer ist hier eine Erhöhung zu Beginn mit einer Absenkung bei längerer Arbeitslosigkeit denkbar.
Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sagte, dass es durchaus Grund für Mut und Zuversicht gebe. Denn die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, stünden derzeit besonders gut. Davon würden vor allem Gruppen wie Jugendliche und Langzeitarbeitslose profitieren, um die man sich zu Beginn der Krise noch Sorgen gemacht hätte.

FPÖ-Chef Christof Bitschi sah den Arbeitsmarkt nicht ganz so positiv wie die ÖVP-Verantwortlichen. <span class="copyright">Hartinger</span>
FPÖ-Chef Christof Bitschi sah den Arbeitsmarkt nicht ganz so positiv wie die ÖVP-Verantwortlichen. Hartinger

So sei etwa die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen im Monatsvergleich rückläufig, meinte Wallner. In vielen Bereichen würden Hilfskräfte für Jobs gesucht, die jeder machen könne. „Wer langzeitarbeitslos, einigermaßen gesund und willig ist, der findet einen Job im Land – und zwar jetzt“, betonte der Landeshauptmann. Es gehe dabei nicht um eine Stigmatisierung, lediglich um die Klarstellung, dass jeder jetzt die Chance habe, eine Beschäftigung zu finden. Dies gelte auch im Bereich der Jugendlichen. Den etwa 200 jungen Menschen, die derzeit eine Lehrstelle suchten, stünden fast 700 offene Ausbildungsplätze gegenüber. Es gebe also keine Ausreden.

Vorarlberg zurückgefallen

Nicht ganz so positiv fiel die Einschätzung von FPÖ-Klubobmann Christof Bitschi aus. Zwar erhole sich der Arbeitsmarkt in Vorarlberg, aber im Bundesländervergleich liege man bei den Zahlen nur noch auf Platz fünf. Früher sei das Ländle im Top-Feld gelegen. Die vergleichbaren Bundesländer Tirol und Salzburg stünden deutlich besser da. Der Freiheitliche warf der ÖVP auch vor, die Schuld für die Arbeitslosigkeit ein Stück weit auf die Betroffenen abwälzen zu wollen, anstatt bei sich selbst zu suchen. Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass sich das Arbeiten lohnt. „Wer arbeitet, darf nicht der Dumme sein“, meinte Bitschi. Die Steuer auf Arbeit sei immer noch zu hoch. Daran ändere auch die geplante Reform nichts. Die kalte Progression gehöre endlich abgeschafft.

landtags-Splitter

Geburtstagskinder. Grund zum Feiern hatte am Mittwoch der FPÖ-Abgeordnete Hubert Kinz. Der Bregenzer feierte seinen 61. Geburtstag. Glückwünsche gab es dazu bei der Sitzungseröffnung von Landtagspräsident Harald Sonderegger (ÖVP). Doch nicht nur Kinz hat Anfang Oktober seinen Freudentag. Am Dienstag wurde Patrick Wiedl von der ÖVP 38 Jahre alt. Christoph Thoma (48/ÖVP) und Vahide Aydin (53/Grüne) feierten am Sonntag ihren Geburtstag.

Begeisterung. Für eine Abschaffung der Kalten Progression machte sich ÖVP-Arbeitsmarktsprecher Harald Witwer stark. Dies erfreute vor allem die Neos. Die Abgeordneten Johannes Gasser und Gerfried Thür taten ihre Begeisterung mit lautem Klopfen kund. Ob dieser Euphorie drehte sich die FPÖ-Abgeordneten Nicole Hosp und Andrea Kerbleder überrascht zu den direkt hinter ihnen sitzenden Neos um.

Kein Ordnungsruf. Glimpflich davon kam Grünen-Abgeordneter Bernhard Weber, nachdem er seinen Musikerkollegen Willi Resetarits zitiert hatte. Wenn die Gesetze zur Raumplanung in den Gemeinden nicht umgesetzt würden, sei man „im Oasch daham“, meinte Weber. Keine Freude hatte damit Landtagspräsident Harald Sonderegger (ÖVP): Durch die „geschickte Zitateinbindung“ sei Weber zwar einem Ordnungsruf entgangen, aber dennoch solle er bitte künftig auf seine Wortwahl achten, meinte er.

Mit dieser Forderung stieß Bitschi durchaus auf Zustimmung der anderen Parteien. Bereits zuvor hatte sich ÖVP-Arbeitsmarktsprecher Witwer dafür ausgesprochen. Der Landeshauptmann war prinzipiell auch dafür, jedoch müsse man sich genau anschauen, wie man vorgehe. Denn bei einer generellen Abschaffung der kalten Progression würden vor allem Menschen mit hohen Einkommen profitieren.

Dringender Handlungsbedarf

SPÖ-Abgeordnete Manuela Auer zeigte sich erfreut über die Aussagen des Landshauptmanns. Denn bei der kalten Progression gebe es dringenden Handlungsbedarf. Seitens des ÖGB gebe es bereits ein entsprechendes Modell für die Steuerentlastung der unteren Einkommensgruppen. Eine solche Staffelung könne man auch gleich beim Familienbonus einführen. Dafür gab es vom Landeshauptmann jedoch eine Absage.

Kinderbetreuung

Ein ganz anderes Thema nahm Neos-Arbeitssprecher Johannes Gasser ins Visier. Beim Arbeitsmarkt und möglichen Reformen gehe es auch darum, vorhandene Potenziale noch besser zu nutzen. Jeder, der arbeiten wolle, müsse auch arbeiten können, sagte er. Dabei gehe es vor allem um Frauen. Denn es gebe viele Betroffene, die gerne einer Beschäftigung nachgehen würden, jedoch aufgrund fehlender Kinderbetreuungsangebote eingeschränkt seien. Hier brauche es Verbesserungen.

Die vorhandenen Potentiale müssen besser genutzt werden, ist Neos-Abgeordneter Johannes Gasser überzeugt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die vorhandenen Potentiale müssen besser genutzt werden, ist Neos-Abgeordneter Johannes Gasser überzeugt. Hartinger

Dem stimmte auch Grünen-Klubobmann Daniel Zadra zu. Es gebe in Vorarlberg zahlreiche gut ausgebildete Frauen. Dieses Potenzial zu nützen, sei wichtig für den Standort. In Sachen Kinderbetreuung habe man in Vorarlberg in den vergangenen Jahren „vieles auf den Boden gebracht“. Nun gelte es, einen weiteren Schritt zu tun.

Weitere Veränderungen

Zugleich wies Zadra auf weitere Veränderungen hin, auf die man sich im Bereich des Arbeitsmarkts vorbereiten müsse. Er nannte etwa die Digitalisierung oder auch „Green Jobs“ als Beispiele. Hier müsse man in die Aus- und Weiterbildung investieren. Nicht zuletzt müsse man auch in der Pflege, der Bildung und im Tourismus die Bemühungen um mehr Personal verstärken.