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“Planen mit VW Werk für Feststoffbatterien”

08.10.2021 • 13:14 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Friedrich Prinz lehrt und forscht an der School of Engeneering an der Stanford University im Slilicon Valley
Friedrich Prinz lehrt und forscht an der School of Engeneering an der Stanford University im Slilicon Valley Adolf Winkler

Friedrich Prinz forscht an der Stanford University im Silicon Valley.

Herr Professor Prinz, Sie sind Mitbegründer von QuantumScape. Was ist so bahnbrechend an den Feststoffbatterien, die QuantumScape plant?
Friedrich Prinz: Die QuantumScape-Batterien sind anders aufgebaut als traditionelle Lithium-Ionen-Batterien, die einen flüssigen Elektrolyten haben. Die Feststoffbatterien von QuantumScape haben einen Festkörper-Elektrolyt. Es ist ein keramisches Material und das bringt viele Vorteile.

Was sind die Vorteile dieser Feststoffbatterien?
Prinz: Die Vorteile sind mehrfach. Die Quantumscape-Batterie enthält kein Graphit und damit wird Platz frei, um mehr Batterie hineinzugeben und die Energiedichte zu erhöhen. Damit steigt auch die Reichweite beim Autofahren. Es wurde außerdem gezeigt, dass die QuantumScape-Batterien eine höhere Lebensdauer haben. Durch die Reduktion von brennbaren Materialien erhöht sich auch die Sicherheit. Der QuantumScape-Separator ist nicht brennbar. Durch die Eliminierung des Graphitmaterials sind die Herstellungskosten geringer. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist das schelle Aufladen. In weniger als 15 Minuten ist ein Aufladen der Batterien von fast Null auf 80 Prozent möglich.

Die Erwartung an diese Batterien ist auf den Märkten sehr groß. Bereits jetzt ist QuantumScape an der New Yorker Börse mit Milliarden US-Dollar bewertet. Wie können diese Batterien die Zukunft der E-Mobilität verändern?
Prinz: Die herkömmlichen Batterien sind den Benzinantrieben noch nicht gleichwertig was die Reichweite oder die Ladezeit anbelangt. Autos mit einer QuantumScape-Batterie werden diese Differenz zu den Benzinern reduzieren, wenn nicht eliminieren.

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Der VW-Konzern allein hat 300 Millionen US-Dollar in QuantumScape investiert. Wie seit sind Ihre gemeinsamen Pläne für ein Produktionswerk gediehen?
Prinz: QuantumScape arbeitet eng mit der Volkswagen-Gruppe zusammen – im Austausch von technischen Informationen und im Testen von QuantumScape-Zellen in den Volkswagen-Anlagen. Volkswagen ist der erste Partner, der QuantumScape-Zellen bekommen wird. Volkswagen hat angekündigt, gemeinsam mit QuantumScape Mitte des Jahrzehnts eine Batterie-Erzeugung in Betrieb zu nehmen.

QuantumScape ist seit rund einem Jahr an der New Yorker Börse notiert und erreichte einen Wert von rund 48 Milliarden US-Dollar, allerdings vorübergehend, derzeit ist es mit rund 9,3 Milliarden Dollar bewertet.
Prinz: Ich bitte um Verständnis, dass ich den Aktienkurs nicht kommentieren kann. Ich kann nur sagen: QuantumScape ist mit zehn Dollar an die Börse gegangen und der derzeitige Kurs ist über 20 Dollar.

Kürzlich stieg der Kurs an, weil Sie einen Deal bekanntgaben, dass sie mit einem Automobilhersteller Tests planen. Mischt hier Elon Musk mit Tesla mit?
Prinz: QuantumScape hat bekannt gegeben, dass es mit einem weiteren Vertreter der zehn größten Automobikonzerne gemeinsam testen wird. Mehr kann ich im Augenblick dazu nicht sagen.

Wie weit ist die Entwicklung der QuantumScape-Feststoffbatterien gediehen und wie lange ist Ihr Atem dank so potenter Investoren wie Katar oder Bill Gates?
Prinz: QuantumScape hat erklärt, dass es ein Unternehmen im Entwicklungsstadium ist und noch kein verkaufsreifes Produkt hat. Die finanzielle Position der Firma ist sehr günstig mit starken Investoren. Es hat erklärt, dass es solide finanziert wurde und mit dem vorhandenen Geld in die Produktion gehen will.

Professor Friedrich Prinz im Video
“In 15 Minuten aufladen auf 80 Prozent”Fotograf

Was sagen Sie Skeptikern, die am Gelingen zweifeln?
Prinz: QuantumScape hat einen festen Plan und macht darin gute Fortschritte und hat auch den Zeitplan angekündigt, wann die Batterien auf den Markt kommen werden.

Als ich Sie 2017 im Silicon Valley besuchte, haben Sie erklärt, dass in ein, zwei Dekaden 50 Prozent der Autos E-Mobile sein werden. Hält diese Prognose?
Prinz: Die Zahlen sind vielversprechend. Es gibt Vorbildländer wie Norwegen, die ab 2025 keine Benzinautos mehr anmelden lassen. Innerhalb des kommenden Jahrzehnts werden die Benziner unter Druck kommen und in den meisten Fällen durch E-Autos ausgetauscht werden. Ich finde das eine sehr positive Entwicklung, weil man damit einen wesentlichen Anteil des CO2-Ausstoßes reduzieren kann, vorausgesetzt, dass es dafür ausreichend grüne Primärenergie gibt.

In Österreich ist der Anteil an E-Mobilen noch gering. Was raten Sie der Bundesregierung, um den Wandel zu beschleunigen?
Prinz: Wichtig ist die Infrastruktur, sowohl für erneuerbare Energie als auch für Ladestationen, sowie für Informationssysteme, wo gerade welche Ladestationen frei sind zum Aufladen. Hier kann die Regierung sehr viel machen und da ist Geschwindigkeit entscheidend. Aber da sehe ich Österreich und Europa auf einem positiven Weg.

QuantumScape

Das Start-up QuantumScape ist ein US-Unternehmen für Batterieforschung und wurde 2010 von Jagdeep Singh und Professor Friedrich Prinz von der  Stanford University gegründet. Es arbeitet eng mit VW zusammen und plant gemeinsam mit VW ein Werk für Feststoff-Batterien. QuantumScape ging vor einem Jahr an die New Yorker Börse und erreichte vorübergehend einen Wert von 48 Milliarden US-Dollar. Aktuell hat es eine Marktkapitalisierung von rund 9,3 Milliarden US-Dollar.

Friedrich Prinz stammt aus Niederösterreich, er studierte in Wien und kam nach Aufenthalten  am MIT in Boston und an der Carnegie Mellon Universität  als Professor an die School of Engeneering an der  Stanford University im Silicon Valley, wo e sich besonders mit Nanotechnologie beschäftigt.

Was bewog Sie einst, als Wissenschaftler in die USA zu gehen?
Prinz: Die USA bieten, was Forschung anbelangt, enorme Möglichkeiten. Ich bekam nach meiner Ausbildung in Wien und Aufenthalten am MIT und an der Carnegie Mellon Universität eine Position als Professor an der School of Engeneering in Stanford. Hier wird viel über die Zukunft nachgedacht, um eine klimaneutrale Welt zu kreieren. Ich beschäftige mich mit diesem Thema seit mehr als 20 Jahren. Besonders interessiert mich ein molekularer Ansatz, wie ich grüne Energie konvertieren und speichern kann. Entscheidend ist Effizienz und die kann man am besten verstehen, wenn man atomistisch denkt.

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