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Vom „großen Ganzen“ bis zum Machterhalt

09.10.2021 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Vertreter der Vorarlberger Landtagsparteien bewerten den Rückzug unterschiedlich. <span class="copyright">hartinger</span>
Die Vertreter der Vorarlberger Landtagsparteien bewerten den Rückzug unterschiedlich. hartinger

Reaktionen auf den Rückzug von Kurz fallen bei Parteien unterschiedlich aus.

“Sehr froh, dass das Projekt weitergeht“, zeigt sich der ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück. Es seien so viele Dinge zu erledigen, sodass es nicht gut gewesen wäre, wenn die türkis-grüne Regierung geplatzt wäre, sagt er. „Wir sind froh, dass Sebastian Kurz die Größe hat, diese Verantwortung zu übernehmen und in die zweite Reihe zu treten und dass Schallenberg nun übernimmt“, so Frühstück.

ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück.    <span class="copyright">ÖVP</span>
ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück. ÖVP

Es sei nicht der Druck gewesen, der den Bundeskanzler zu diesem Schritt veranlasst habe, ist der ÖVP-Klubobmann überzeugt, sondern „das große Ganze“, wie er sagt. Es gebe schon Situationen, in denen der Einzelne für das Ganze zurückstecken müsse, meint er. Von Neuwahlen in nächster Zeit geht er nicht aus. „Ein paar können sich aber auch überlegen, wie sie sich in den letzten Tagen aufgeführt haben“, meint Frühstück, „wie schnell die Tür zu Kickl offen ist“, fügt er dann noch hinzu. Konkretisieren wollte er diese Aussage auf Nachfrage nicht. Er sei auf jeden Fall sehr erleichtert, dass es weitergehe.

SPÖ-Landesvorsitzender Martin Staudinger.   <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
SPÖ-Landesvorsitzender Martin Staudinger. Klaus Hartinger

„Das war aus ÖVP-Sicht der einzige Schritt, um an der Macht zu bleiben und gleichzeitig das System Kurz zu schützen“, sagt SPÖ-Landesvorsitzender Martin Staudinger. Alexander Schallenberg, den er aus seiner Zeit aus Wien persönlich kenne, sei auf jeden Fall eine „respektable Persönlichkeit“, aber die Rochade sei letztlich nur erfolgt, um an der Macht zu bleiben, betont der SPÖ-Landeschef. Er sei nichts anderes als ein strategischer Zug. Er frage sich aber, wie lange so etwas funktioniert. Staudinger ist überzeugt, dass sich Sebastian Kurz nicht dauerhaft mit der Rolle des Klubobmanns zufriedengeben werde.

Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht.        <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht. Klaus Hartinger

„Wir nehmen diesen überfälligen Schritt des Rücktritts zur Kenntnis. Die Frage ist, reicht das? Wer die 104 Seiten liest, sieht dass offenbar Kurz und seine Mitbeschuldigten nicht nur eine Partei und Wahl gekauft, sondern auch Menschen im großen Stil gezielt manipuliert haben“, nimmt Sabine Scheffknecht, Klubobfrau der Neos im Landtag, Stellung zum gestrigen Rückzug von Sebastian Kurz als Bundeskanzler. „Dieses System Kurz gehört aufgezeigt und abgeschafft“, fordert sie. Das passiere nicht, wenn Kurz Klubobmann und Parteichef bleibe, ist die Neos-Landeschefin überzeugt. „Wir brauchen einen echten Neustart für die österreichische Politik“, fordert sie.

Vertreter von Grünen und FPÖ waren am Samstagabend für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar.

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