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Der reduzierte Mensch als Symbol

11.10.2021 • 17:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Herbert Albrecht im Jahr 2017. <span class="copyright">Gabriel Rüf</span>
Herbert Albrecht im Jahr 2017. Gabriel Rüf

Der Bildhauer Herbert Albrecht starb im Alter von 94 Jahren.

Sein bildhauerisches Werk wird auch über die Grenzen Österreichs hinaus geschätzt: Wie der ORF Vorarlberg am Montag berichtete, ist der Vorarlberger Bildhauer Herbert Albrecht am Wochenende verstorben. Der gebürtige Auer (Jahrgang 1927), der in Wolfurt lebte, wurde 94 Jahre alt. „Albrecht zählte zu den bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauern Österreichs“, teilten gestern Landeshauptmann Wallner und Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink in einer Aussendung mit.

Herbert Albrechts "Doppelkopf" in Wolfurt.<span class="copyright"> Dietmar Stiplovsek</span>
Herbert Albrechts "Doppelkopf" in Wolfurt. Dietmar Stiplovsek

In Albrechts Schaffen zeigt sich dessen Auseinandersetzung mit verschiedenen künstlerischen Epochen und Stilen, wie der klassisch-historistischen, aber auch der modernen Bildhauerei, mit dem Kubismus und der informellen Kunst. Im Zentrum seines Interesses stand über 60 Jahre lang der Mensch, vor allem der Kopf diente als wesentliches Motiv. Im November vergangenen Jahres wurde in Wolfurt Albrechts Bronzeplastik „Doppelkopf“ im Zentrum der Heimatgemeinde des Künstlers platziert. Die Skulptur reihte sich in die Werkserie der „Köpfe“ ein, welche das Werk des Bildhauers prägen. Metall und vor allem Stein waren seine wichtigsten Materialien.

Rückkehr

Albrechts Ausbildung begann 1941 in der Bildhauerklasse der Kunstgewerbeschule Innsbruck. Einfluss auf das Schaffen des gebürtigen Bregenzerwälders hatte unter anderem sein Lehrer Fritz Wotruba, bei dem er von 1951 bis 1955 an der Akademie der Bildenden Künste Wien studierte. Auch Franz Santifaller und Herbert Boeckl zählten zu seinen Lehrern.
Nach Albrechts Rückkehr nach Wien folgten beruflich weniger erfolgfreiche Jahre, durch sein kontinuierliches und konsenquentes Schaffen nahm seine Karriere in Vorarlberg schließlich an Fahrt auf, schrieb die „Kulturzeitschrift“ anlässlich seines 90. Geburtstages 2017. Albrecht erhielt den Auftrag zur Portalplastik der Klosterkirche Mehrerau, die 1962 realisiert wurde. Bekannte Werke im öffentlichen Raum sind etwa die „Mutterfigur“ beim Autobahnrastplatz Frutz (1976), vor dem Juridicum in Wien (1984) sowie am Bregenzer Hafen (2011) findet sich eine Bronzeskultpur Albrechts.

Albrecht neben seinen Arbeiten. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Albrecht neben seinen Arbeiten. Wolfgang Ölz

Zum 90. Geburtstag des Bildhauers gab es eine gemeinsame Ausstellung des vorarlberg museums und des Kunsthistorischen Museums Wien. Zu dieser Zeit stand der Künstler noch täglich im Atelier, wie damals berichtet wurde. In Albrechts Augen sei das Menschenbild spätestens seit den Gräueln des Nationalsozialismus fragil geworden. Weil man den Menschen nicht mehr idealisierend darstellen könne, „reduziere ich ihn, mache ihn sozusagen zum Symbol des Menschen“, wurde der Künstler im Katalog zur Ausstellung zitiert. In seinen späten Schaffensjahren hat sich die Tendenz zur formalen Reduktion der „Köpfe“ weiter verstärkt. Zu seiner lebenslangen Verwendung von Stein sagte Albrecht: „Der Stein zwingt zur Haltung und widersetzt sich durch seine Härte der Schnelllebigkeit unserer Zeit und damit dem Zeitgeist“.

Ehrenkreuz

Neben mehreren Auszeichnungen des Landes Vorarlberg wurde dem Bildhauer 2002 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse der Republik Österreich verliehen.