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Sprung vom Balkon: Widersacher schuldig

11.10.2021 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte hatte  einen Schlagring, dessen Besitz verboten ist.  <span class="copyright">Symbolbild apa</span>
Der Angeklagte hatte einen Schlagring, dessen Besitz verboten ist. Symbolbild apa

Angeklagter versuchte Streitschlichter mit Schlagring zu schlagen.

Der Streitschlichter sprang am 13. März in einer Bodenseegemeinde in einem Wohnhaus während einer Auseinandersetzung in Panik vom Balkon im ersten Stock. Dabei brach sich der junge Mann das Fersenbein und musste operiert werden. Für die schwere Körperverletzung des Widersachers wurde in der Hauptverhandlung am Montag am Landesgericht Feldkirch der Angeklagte verantwortlich gemacht.

Verbotener Besitz von Schlagring

Dafür wurde der mit zwei Vorstrafen belastete und gut verdienende Arbeiter zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von neun Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 4500 Euro (300 Tagessätze zu je 15 Euro) verurteilt. Als Teilschmerzengeld hat er dem Opfer 2000 Euro zukommen zu lassen. Der 31-Jährige muss Bewährungshilfe in Anspruch nehmen und sich einem Antigewalttraining unterziehen. Das Urteil von Richter Martin Mitter­egger, mit dem der von Andreas Germann verteidigte Angeklagte und Staatsanwalt Simon Mathis einverstanden waren, ist rechtskräftig. Der Schuldspruch erfolgte auch wegen des verbotenen Besitzes eines Schlagrings nach dem Waffengesetz. Der Strafrahmen für das Verbrechen der schweren Körperverletzung betrug wegen der Verwendung einer Waffe ein bis fünf Jahre Gefängnis. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht 14 Monaten Haft.

Verantwortlich gemacht wurde der Angeklagte für die schwere Körperverletzung, weil er nach den gerichtlichen Feststellungen vor dem Balkonsprung versucht hat, dem Streit­schlichter mit einem Schlagring ins Gesicht zu schlagen. Deshalb habe das Opfer auf dem kleinen Balkon aus Angst vor weiteren Angriffen keinen anderen Ausweg mehr gewusst, als flüchtend in die Tiefe zu springen, sagte Richter Mitteregger in seiner Urteilsbegründung. Der Strafrichter verwies dazu auf eine höchstgerichtliche Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) zu einem ähnlichen sogenannten Paniksprung.

Keine Erinnerung

Die Freundin des Angeklagten hatte den Streitschlichter zu Hilfe gerufen, weil der 31-Jährige aggressiv gegen sie vorgegangen sei. Die junge Frau habe nach dem Vorfall am Tatort zu einem Polizisten gesagt, ihr Freund habe ihrem Bekannten angedroht, ihn zu schlagen, merkte der Richter an. Danach habe der Angeklagte versucht, ihn zu schlagen. Woraufhin ihr Bekannter vom Balkon gesprungen sei. Der Angeklagte sagte vor Gericht, er habe keine Erinnerung an den angeklagten Vorfall.