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Vorgängerin im Rennen als Nachfolgerin

11.10.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gabriele Sprickler-Falschlunger war bereits von 2016 bis 2018 Landesparteivorsitzende. <span class="copyright">ARCHIV/NEUE</span>
Gabriele Sprickler-Falschlunger war bereits von 2016 bis 2018 Landesparteivorsitzende. ARCHIV/NEUE

Gabriele Sprickler-Falschlunger bewirbt sich als SPÖ-Chefin.

Die Vorarlberger SPÖ kommt im Vorfeld des Landesparteitags an diesem Samstag nicht zur Ruhe. Nachdem in der vergangenen Woche die Streitereien bei der Suche nach einem Nachfolger für Noch-Parteichef Martin Staudinger ein vorläufiges Ende gefunden hatten, gab es am Montag einen neuerlichen Knalleffekt. Die frühere Landtagsabgeordnete Gabriele Sprickler-Falschlunger, die den Parteivorsitz bereits von Oktober 2016 bis September 2018 inne hatte, möchte das Amt erneut übernehmen. Keine große Freude hat damit jedoch ihr Nachfolger, der nun auch zu ihrem Vorgänger werden könnte.

Zweidrittelmehrheit

Sie habe sich „nach langer Überlegung“ für eine Kandidatur entschieden, sagte Sprickler-Falschlunger auf Nachfrage. Viele Vertreter von Ortsparteien seien mit der Bitte auf sie zugekommen, erneut das Ruder in der Partei zu übernehmen. „Ich habe eine intakte Gesprächsbasis mit allen in der SPÖ Vorarlberg“, betonte die Dornbirner Allgemeinmedizinerin. Um am Samstag antreten zu dürfen, braucht sie eigenen Angaben zufolge beim Landesparteitag die Zustimmung von einer Zweidrittelmehrheit der Delegierten. Die bereits feststehenden Kandidaten habe sie am Sonntagabend über ihren Entschluss informiert.

Zur Person

Gabriele Sprickler-Falschlunger wurde am 21. August 1956 in Bregenz geboren und ist als Allgemeinmedizinerin in Dornbirn tätig. Sie ist seit 1999 SPÖ-Mitglied. Von 2016 bis 2018 war sie SPÖ-Landesparteivorsitzende, nachdem sie das Amt interimistisch von Michael Ritsch übernommen hatte und dann im März 2017 offiziell gewählt wurde. 2018 übergab sie den Vorsitz an Martin Staudinger.

Die Entscheidung, sich um das Amt zu bewerben, habe sie getroffen, da politische Themen derzeit wichtiger seien als interne Streitigkeiten um das Personal. Sprickler-Falschlunger nannte das leistbare Wohnen als Beispiel. Auch die Vorgänge auf Bundesebene sind für sie Grund für Ärger: „Mich stört, dass im Hinblick auf Sebastian Kurz und seine ‚Buberlpartie‘ jetzt viele sagen: ‚Das ist halt so in der Politik.‘ Nein, es ist nicht so. Bei keiner Partei ist es so“, betont die 65-Jährige.

Im März 2017 wurde sie als interimistische Vorsitzende offiziell zur Parteichefin gewählt. Der damalige Bundeskanzler Christian Kern gratulierte. <span class="copyright">ARCHIV/NEUE</span>
Im März 2017 wurde sie als interimistische Vorsitzende offiziell zur Parteichefin gewählt. Der damalige Bundeskanzler Christian Kern gratulierte. ARCHIV/NEUE

Es gehe für die Vorarlberger Sozialdemokraten nun darum, sich in Themenfragen zu schärfen und im Hinblick auf die Landtagswahl 2024 die personellen Weichen zu stellen. Wie dies gehen solle, werde sie dann im Landesparteivorstand besprechen, falls sie gewählt werde. Dass sie selbst als Spitzenkandidatin in die nächste Landtagswahl gehen könnte, schloss Sprickler-Falschlunger dezidiert aus.
Es sei ein Vor- und Nachteil zugleich, dass sie seit 2019 nicht mehr als SPÖ-Abgeordnete im Landtag vertreten und auch in der Dornbirner Stadtvertretung nur noch Ersatzmitglied sei. Ein Vorteil sei sicher, dass sie nicht in die Konflikte der jüngsten Zeit involviert gewesen sei und daher neutral sein könne. Allerdings sei sie dadurch bisher auch nicht in die Arbeit im Landtag mit eingebunden gewesen. Ihre Erfahrung als ehemalige Kurzzeit-Parteichefin habe ihr bei der Entscheidung geholfen. „Ich bin kein Greenhorn und weiß, was es heißt, diese Aufgabe zu übernehmen“, betont die Dornbirnerin.

Geschehen weiter verfolgt

Sie habe nach ihrem Ausscheiden aus dem Vorarlberger Landesparlament nicht mit der Politik abgeschlossen, sondern das Geschehen weiter genau verfolgt. „Ich bin ein politischer Mensch“, sagt die Allgemeinmedizinerin über sich selbst. Allerdings habe sie sich nach Ende ihrer Tätigkeit im Landtag bewusst zurückgezogen und das politische Geschehen nicht mehr kommentiert, um den Akteuren „nicht hineinzufunken“. Aus Sorge um die Partei habe sie jetzt jedoch den Beschluss gefasst, wieder auf die politische Bühne zurückzukehren.

Streit um Vorsitz

Seit Wochen gibt es bereits Unstimmigkeiten in der SPÖ, was die Nachfolge von Noch-Parteichef Staudinger betrifft. Begonnen hatte die Debatte im Sommer, als der Landtagsabgeordnete und Bürgermeister von Hard SPÖ-Klubobmann Thomas Hopfner als seinen Nachfolger ins Spiel gebracht hatte. Dies hatte parteiintern für Unruhe gesorgt. Vor allem der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch machte gegen Hopfner mobil. Kurzzeitig war auch der ehemalige Bludenzer Vize-Stadtchef Mario Leiter als Gegenkandidat gegen Hopfner im Gespräch. Der Konflikt mündete in einer „Abhör-Affäre“, bei der ein Gespräch zwischen Hopfner und Ritsch ohne Wissen des Bregenzer Bürgermeisters aufgezeichnet worden sein soll. Dieser legte daraufhin alle Funktionen in der Partei nieder. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. In der vergangenen Woche kam vermeintlich Ruhe in die aufgeheizte Diskussion. Vier Kandidaten sollten beim Parteitag ins Rennen gehen. Neben Hopfner waren dies Alp Sanlialp (24), Robert Bedjanic (46) und Angelika Mayr (37). Am Montag wurden die Karten neu gemischt.