Allgemein

Abwechslung, Erholung und viel Ruhe

14.10.2021 • 18:19 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Bärlapp-Wiesen in Richtung Ölberg.<span class="copyright">Hertha Glück </span>
Bärlapp-Wiesen in Richtung Ölberg.Hertha Glück

Geschichtenerzählerin Hertha Glück wanderte von Bezau zum Seevorsäß.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Diese Rundwanderung bietet nicht nur verschiedene Wege, sondern auch einen Erinnerungsort und zugleich Naherholungsgebiet für Jung und Alt.

Anforderung und Gehzeit: In zweieinhalb bis knappe drei Stunden werden ungefähr 200 Höhenmeter aufwärts und auch abwärts gemeistert.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß.

Charakter der Wege: Auf der Route begeht man abwechselnd Straße, Forst-, Wiesen- und Waldwege.

Kultur und Natur: Rimsgrund-, See- und Bockvorsäß, Kriegerdenkmal am Ölberg sowie Naherholungsgebiet, Grebauer Moos.

Anziehen und Mitnehmen: gutes Schuhwerk (Profilsohle) ist ebenso empfohlen wie warme Wetterkleidung, eventuell heißen Tee.

Einkehrmöglichkeiten: In Bezau finden sich reichlich Möglichkeiten zur Verpflegung und zum Verweilen.

Start und Ende: Seilbahn Bezau, Talstation. Dort gibt es einen großen Parkplatz und auch eine Bushaltestelle.

In Oberbezau zwischen den traditionell schönen Bregenzerwälder Bauernhäusern startet die Rundtour bei der Talstation der Seilbahn Bezau, weil sich dort ein guter Parkplatz sowie eine Bushaltestelle befinden. Deshalb macht man ein paar Schritte zurück in Richtung Bezau Ortsmitte und zweigt gleich links in Richtung Rimsgrund ab. Der Straße folgend über die kleine Brücke des Grebenbaches und geradeaus weiter, das Dorf hinter sich lassend, gelangt man in Bälde zum Waldrand.

Ein leichter Anstieg parallel zum lustig dahingurgelnden Rimsbach bringt einen zum Rimsgrundvorsäß mit Säge. Lange Zeit wandelt man zwischen zwei hoch aufragenden, steilen Felsen und man hat das Gefühl, man wandert im Tal eines Tales. Außer dem Bachrauschen ist es still. Erst oben am Marktobelvorsäß weitet sich die bäuerliche Landschaft wieder und Bänke bieten sonnige Rastplätze. Bei Seevorsäß in der Höhe von 890 Metern wendet man sich wieder talauswärts und kann sich auf einen idyllischen Weg mit viel Abwechslung freuen.

Kanisfluh mit Hohlenke. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Kanisfluh mit Hohlenke. Hertha Glück

Fantastischer Blick

In leichtem Auf und Ab führt ein Forstweg durchs Seevorsäß-Angerer. Einzelne Bauernhöfe, Heubargen und gepflegte Weiden bezeugen die landwirtschaftlich geprägte Gegend. Zu Beginn leuchtet im Hintergrund die Kanisfluh mit Hohlenke (2044 m) über die Baumwipfel und nahe dem Seevorsäß fällt die Hangspitze (1746 m) direkt in den Fokus. Durch dieses abgelegene Tal wandernd, erreicht man am Ende bei Bockvorsäß einen vornehmlichen Buchenwald. Ab hier geleitet ein abwechslungsreicher, schmaler Waldweg hinauf auf die Kuppe, vorbei an mit Keulen-Bärlapp überwachsenen Baumstrünken und durch raschelndes Laub.
Bei den Felsen lohnt sich der Linksschwenker zum Forstweg und nach der Kurve gibt es rechts eine Abkürzung. An der Felskante entlang, muss der Weg ein bisschen gesucht werden, aber Waldfenster bieten einen fantastischen Blick auf die Ortsmitte Bezau.

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Hertha Glück

Weg zurück

Schon ist man wieder unten im Tal bei Gschwend angelangt und die weiß-rot-weiße Markierung wechselt wieder auf gelb-weiß. Es geht kurz hin nach Bezau, um dann den Ölberg mit Kriegerdenkmal anzusteuern. Schon wieder übernimmt ein schmaler Waldweg aufwärts und plötzlich öffnet sich der Wald und weit sichtbar auf einer Hügelkuppe steht das Kriegerdenkmal Ölberg mit dem Naherholungsgebiet wie Fühlpfad, Märchen-Erzähl-Platz und Pflanzen-Kräuter-Pfad sowie Fitnessparcours. Eine Natur wahrlich in sich ruhend. Über den Bezauer Fußweg genießt man abschließend noch Teile des Grebauer Mooses, ein Regenmoor, das besonders im Herbst ein farbenprächtiges Kleid trägt. Die Talstation der Seilbahn im Blick hält man sich der Ortschaft zu und schließt mit einem Dorfeinblick die interessante Rundwanderung ab. So geht es flach dahin an Häuserzeilen vorbei, entlang dem Greberbach-Damm wieder zurück zum Ausgangspunkt.

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Hertha Glück

Blumenkunde

Keulen-Bärlapp ( Lycopodium clavatum) ist eine Kriechstaude, die Blätter sind nadelförmig. Die Bärlappsporen werden arzneilich als Wundpuder und zum Bestreuen der vom Apotheker hergestellten Pillen verwendet. Wegen des hohen Ölgehaltes wurden sie früher auch als Blitzlichtpulver gebraucht. Noch heute werden die Sporen beim Feuerspucken verwendet. Bärlappkraut wurde in der Volksmedizin als harntreibendes Mittel bei Nieren- und Blasenleiden verwendet. An manchen Standorten sind alle Bärlapp-Arten geschützt.

Kriegerdenkmal und Naherholungsgebiet

Die Anfänge der Dauerbesiedlung von „Baezenowe“ (urkundliche Erstnennung 1249) reichen vermutlich ins 12. bis 13. Jahrhundert zurück.
Eine Kapelle als Filiale von Egg bestand wohl schon im 14. Jahrhundert. Nach dem Bau einer neuen Kirche wurde Bezau 1497 selbstständige Pfarrei. 1656 wurde ein Kapuzinerkloster gegründet. Dieses trug über 320 Jahre zur Entwicklung Bezaus bei. Durch die Schaffung verschiedener zentralörtlicher Einrichtungen wurde der Standort Bezau im 19. Jahrhundert aufgewertet. Seit 1806 ist Bezau Gerichtsort für den Bregenzerwald. Ein weiterer Schritt auf dem Vormarsch Bezaus war 1902 die Eröffnung der Bregenzerwaldbahn mit Bezau als Endstation, die bis 1980 in Betrieb war. 1962 wurde Bezau zur Marktgemeinde des Bregenzerwaldes erhoben.

Die Kriegergedächtniskapelle am Ölberg im Ortsteil Greben erinnert an die 43 Kriegstoten des Ersten Weltkrieges und an die 92 gefallenen und vermissten Soldaten sowie zivilen Toten des Zweiten Weltkrieges. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hatte die Marktgemeinde Bezau damit „landesweit das größte persönliche Leid zu tragen“. Im Jahre 1924 wurde die Kapelle nach den Plänen des Architekten und Bildhauers Kaspar Albrecht, aus Au im Bregenzerwald stammend, erbaut.

Die Kriegergedächtniskapelle am Ölberg in Greben. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Die Kriegergedächtniskapelle am Ölberg in Greben. Hertha Glück

Da das Gelände rund um das Naherholungsgebiet Ölberg schwierig zu bewirtschaften ist, wurde eine intensive Nutzung verhindert. So konnte diese Magerwiese erhalten werden. Die Besonderheit des Ölberges liegt in der großen Arten- und Pflanzenvielfalt auf relativ kleinem Raum, nämlich über 200 verschiedene. Zur Sommerzeit sind diese mit Namensschildern gekennzeichnet. Nur die Pflege in Form einer jährlichen Herbstmahd und der Verzicht auf Düngung können diese Artenvielfalt bewahren.