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“Sehr heiß machen, nutzt.”

15.10.2021 • 20:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Symbolbild
Symbolbild (c) imago images/Shotshop (PRILL Mediendesign & via www.imago-images.de)

Eine Faustregel des 21. Jahrhunderts lautet: “Das Internet vergisst nicht.”

WhatsApp-Nachrichten, als Backup gespeichert auf einer Festplatte, stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen gegen den ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Eine der Beschuldigten wurde verhaftet, weil sie vor der Hausdurchsuchung noch einmal eine Festplatte gelöscht haben soll. Neben all den politischen Auswüchsen zeigt die Affäre auch, dass der Spruch “aus den Augen, aus dem Sinn” im Internetzeitalter ausgedient hat.

Ein Problem sind freilich Informationen, die man in Chatprogrammen und auf sozialen Netzwerken geteilt hat. “Jeder kann dann eine Kopie dieser Information anlegen”, sagt Klaus Gheri vom IT-Sicherheitsunternehmen Barracuda. Viele Messenger bieten inzwischen zwar selbstlöschenden Nachrichten an, aber auch diese könnte man einfach fotografieren und so eine digitale Kopie anlegen. Dazu komme, dass die Anbieter der populären Chatprogramme aus den USA, Russland oder China sind. “Staaten, die beim Thema Überwachung nicht so zurückhaltend sind, wie die EU”. Das Schlimmste im Punkto Sicherheit sei aber SMS, sagt Gheri: “Hier gibt es gar keine Verschlüsselung, keine sichere Verbindung.”

Datensparsamkeit

Doch auch ganz ohne niedere Absicht, sollte jeder Mensch und auch jedes Unternehmen sorgsamer mit Daten umgehen, die auf Festplatten, Handys und Co. gespeichert sind. “Seit der Datenschutzgrundverordnung sollte eigentlich der Grundsatz der Datensparsamkeit gelten”, erklärt der IT-Experte. “Man sollte nur die Daten behalten, die man wirklich braucht.”

Wenn es aber dann ernst wird und es wirklich um das Löschen geht, würden viele Menschen zurückschrecken und dann einfach ein Archiv machen, sagt der Sicherheitsexperte. Gerade in Unternehmen könne sich so ein Berg an Daten ansammeln. “Das aufzuräumen ist richtig schwierig”, sagt Gheri. Inzwischen gibt es hier aber spezielle Software-Programme, die das Durchforsten übernehmen und dabei helfen, die eigenen Daten regelmäßig aufzuräumen.

Löschen reicht nicht

Will man übrigens sicher gehen, dass diese Daten nicht in fremde Hände geraten, sollte man Computer oder Festplatten nicht einfach wegwerfen oder löschen. Daten lassen sich nämlich relativ einfach wieder herstellen. “Es gibt spezielle Programme, die eine Festplatte so oft komplett mit Zufallsdaten überschreiben, bis wirklich nichts mehr oben ist.”

Für den Fall, dass der Speicher nicht mehr benötigt wird, würde auch der Hammer nichts nützen. SSD-Speicher von heute seien recht robust, erklärt Gheri. Aber aus physikalischer Sicht sei ein hohes Maß an Unordnung für die Speicher schlecht und Hitze sorge für Unordnung. Gheri: “Sehr heiß machen, nutzt.

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