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AT&S investiert halbe Milliarde Euro

16.10.2021 • 13:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer
AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer AT&S

Der Standort im steirischen Leoben wird bis 2025 ausgebaut.

Bei dem steirischen Technologiekonzern AT&S jagt eine Nachricht von einer Großinvestition die andere. In wenigen Tagen wird in Kulim in Malaysia der Spatenstich den Baubeginn eines 1,7 Milliarden Euro teuren neuen Produktionswerkes markieren. Nun wird parallel zu diesem Mammutprojekt das Stammwerk in Leoben hochgerüstet. Eine halbe Milliarde Euro nimmt AT&S hier bis 2025 in die Hand. Konkret für die Weiterentwicklung der AT&S-Erfolgsstory rund um den relativ jungen Geschäftsbereich der sogenannten IC-Substrate. Hier haben die Steirer eine weltweite Spitzenstellung, die jetzt rasch ausgebaut wird. In wenigen Jahren soll sich der Umsatz auf drei Milliarden Euro verdreifachen.

Leoben, der einzig „logische“ Ort

Leoben ist für diese Investition, die binnen vier Jahren immerhin 700 neue Jobs in der Montanuni- und Industriestadt schaffen wird, der einzig „logische“ Ort. Dabei geht es laut AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer auf der einen Seite „ganz pragmatisch um die hier mögliche Umsetzungsgeschwindigkeit“. Auf der anderen Seite geht es um Standortfaktoren wie „die sehr guten Forschungseinrichtungen in Europa und die Rechtssicherheit“, betont Gerstenmayer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Aufsichtsratschef Hannes Androsch, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl.

So große Füllhörner wie andere Staaten kann Österreich zwar nicht an Förderungen ausschütten, aber immerhin fließen 28,5 Millionen Euro aus dem IPCEI -Programm (Important Projects of Common European Interest). Den Löwenanteil aus dem ersten IPCEI-Fördertopf hatte übrigens Infineon für sein gerade eröffnetes Chipwerk in Villach bekommen. Österreichs Süden ist somit gerade die Region in Europa, wo der große politische Plan, wieder die Mikroelektronik-Industrie in der EU zu stärken, Gestalt in Großformat annimmt.

Entscheidende Verbindungstechnologie

Die ersten 150 Millionen aus dem IPCEI-Programm sind bereits ausgeschöpft, weitere 100 Millionen Euro folgen. Hier adressiert Gerstenmayer an die EU, viel mehr Geld in Bewegung zu setzen. Es gelte mit noch vernetzterer Forschung, einer eigenen Rohstoffbeschaffung und eigenem Hightech-Maschinen- und Anlagenbau gegenüber Asien wieder einigermaßen Souveränität über die gesamten Produktionsketten zu bekommen. Nur auf die Halbleiterindustrie – die Chips herstellt – zu schauen, wie die EU das gerade in ihrem „European Chips Act“ mache, könne nicht funktionieren. „Wir brauchen auch unbedingt die Verbindungstechnologie“, so Gerstenmayer.

Diese Verbindungstechnologie ist das, was die AT&S mit den IC-Substraten derzeit nahezu exklusiv in der Hand hat. Mit ihr werden Chips zu immer noch schnelleren Hochleistungseinheiten paketiert. Kleine Serien werden künftig von Leoben aus an die „Community in Europa geliefert“, so der AT&S-Chef.

Leuchtturmprojekt für ganz Europa

„Ein Leuchtturmprojekt“ sei die Investition für Österreich, freut sich die Wirtschaftsministerin. „Auch für Europa ist sie ganz wesentlich, weil es diese Technologie hier bisher noch nicht gibt.“ Beim „European Chips Act“ werde sie Österreichs Positionen massiv einbringen. Sie sei persönlich froh, dass die EU bei diesem Thema „aufgewacht“ sei.

Barbara Eibinger-Miedl, Andreas Gerstenmayer, Margarete Schramböck, Hannes Androsch
Barbara Eibinger-Miedl, Andreas Gerstenmayer, Margarete Schramböck, Hannes Androsch AT&S

Hannes Androsch, AT&S-Aufsichtsratschef und der Haupteigentümer des vom kleinen Leiterplattenhersteller zur Hightech-Schmiede gewachsenen Konzerns, stellt indes klar, dass die günstige Massenfertigung in Asien eine Voraussetzung für die Investition in Leoben ist. „Die gäbe es nicht ohne Indien, China, Korea und Malaysia“, sagt Androsch.

Internationaler Kindergarten gefordert

Für Leoben wird der Ausbau jedenfalls eine Herausforderung. Androsch: „Wir haben ein Rekrutierungsproblem, sind auf internationale Fachkräfte angewiesen und brauchen unbedingt einen internationalen Kindergarten und eine internationale Schule. Wir werden auch 150 Wohneinheiten höherer Qualität benötigen“, so der Industrielle. „Es genügt nicht, dass wir diese Mitarbeiter sehr gut zahlen.“

Dass in Leoben ein Stadtteil wie eine „Smart City“ mit neuen Energiekonzepten entstehen könnte, hält Gerstenmayer für eine gute Idee, aber vor allem sei Pragmatismus gefragt. Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) sagt Unterstützung zu, die Freude sei „riesengroß“. Stolz sagt sie zum Elektronik-Cluster Silicon Alps: „Wir haben im Süden ein Stärkefeld aufgebaut. Wir sind das Silicon Valley der Alpen.“

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