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Sprickler-Falschlunger erneut SPÖ-Vorsitzende

16.10.2021 • 21:52 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Gabriele Sprickler-Falschlunger setzte sich in der Wahl deutlich durch. <span class="copyright">Steurer</span>
Gabriele Sprickler-Falschlunger setzte sich in der Wahl deutlich durch. Steurer

Gabriele Sprickler-Falschlunger soll Ruhe in die Partei bringen.

Schon vor dem offiziellen Beginn des Landesparteitags der SPÖ Vorarlberg zeigt sich am Samstag, in welche Richtung es bei der Wahl des neuen Parteichefs gehen wird. Die Dornbirner Allgemeinmedizinerin Gabriele Sprickler-Falschlunger steht im Hohenemser Löwensaal nahe des Eingangs, und eine Genossin ruft ihr zu: „Danke Gabi, dass du antrittst!“ Die Angesprochene nimmt den Dank entgegen und fährt damit fort, weitere Gäste zu begrüßen. Es ist ein erstes Zeichen, für wen das Herz vieler Delegierter im Rennen um den Parteivorsitz schlägt. Dass die neue SPÖ-Chefin nur Sprickler-Falschlunger heißen kann, wird im weiteren Verlauf des Vormittags immer deutlicher. Die ehemalige Landtagsabgeordnete wurde von den Genossinnen und Genossen dazu auserkoren, die Sozialdemokraten nach heftigen internen Querelen in den vergangenen Wochen wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Große Unterstützung gab es für die neue Parteivorsitzende. <span class="copyright">Steurer</span>
Große Unterstützung gab es für die neue Parteivorsitzende. Steurer

Kurz nach 14 Uhr ist es dann tatsächlich fix. Sprickler-Falschlunger wird zum zweiten Mal nach 2017 zur Vorsitzenden der Vorarlberger Sozialdemokraten gewählt. 115 von insgesamt 162 anwesenden Delegierten stimmen für die Dornbirnerin. Das entspricht einem Anteil von 70,99 Prozent. Damit liegt sie deutlich vor SPÖ-Landtagsklub­obmann Thomas Hopfner (33 Stimmen) und der Gaißauerin Angelika Mayr (14 Stimmen). Tosender und lang anhaltender Applaus für die frisch gekürte Parteichefin unterstreichen ihre Beliebtheit unter den Genossen.

Für die Kandidatur

Dies war bereits am Vormittag so. Um antreten zu dürfen, musste Sprickler-Falschlungers Kandidatur von mindestens zwei Dritteln der Anwesenden gutgeheißen werden. Denn sie hatte ihre Bewerbung erst nach der offiziellen Frist bekannt gegeben. Die Hürde übersprang die Allgemeinmedizinerin jedoch ohne Probleme. 140 der 162 Delegierten sprachen sich dafür aus, die Kandidatur zuzulassen.

Klubobmann Thomas Hopfner gehörte zu den Geschlagenen im Rennen um den Chefsessel. <span class="copyright">Steurer</span>
Klubobmann Thomas Hopfner gehörte zu den Geschlagenen im Rennen um den Chefsessel. Steurer

Zwei Gegenkandidaten, der Lochauer Unternehmer Robert Bedjanic und der Götzner Vorsitzende der Jungen Generation, Alp Sanlialp, zogen daraufhin ihre Kandidatur zurück und gaben eine Wahlempfehlung für Sprickler-Falschlunger ab. Sie sei die richtige Person, um ein schlagkräftiges Team für die nächsten Wahlen aufzustellen und Ruhe in die Partei zu bringen, sagte Bedjanic.
Mit Angelika Mayr und Thomas Hopfner blieben jedoch zwei weitere Konkurrenten noch im Rennen. Mayr war vor dem gestrigen Parteitag auch innerhalb der SPÖ weitgehend unbekannt. Mit einer beherzten und emotionalen Rede gelang es ihr jedoch, die Genossinnen und Genossen von sich zu überzeugen. Später wurde sie daher zu einer von fünf Stellvertreterinnen der neuen Chefin gewählt.

Parteitags-Splitter

Bilanz. Der scheidende Vorsitzende Martin Staudinger zog auf dem Parteitag Bilanz über seine Amtszeit. Er wies auf die erfolgreichen Wahlen wie etwa die Landtags- oder Gemeindewahl hin. Die Partei müsse nun Geschlossenheit zeigen. Olaf Scholz und die deutsche SPD hätten mit ihrem Erfolg bei der Bundestagswahl gezeigt, dass sich in der Politik schnell viel ändern könne.

Wadlbeißerin. In ihrer Bewerbungsrede ging Gabriele Sprickler-Falschlunger nur kurz auf die Streitigkeiten in der Partei ein. Es sei kein Problem, sich zu streiten. Dies dürfe aber nicht medial passieren. „Das ist der Tod der Partei“, sagte sie. Den Rest ihrer Rede nutzte sie dazu, auf die Vorgänge im Bund einzugehen. Thomas Hopfner hatte zuvor gesagt, er wolle kein Wadlbeißer sein. Angesichts der Vorgänge rund um das „mafiöse Kurz-System“ wie es das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ beschrieben habe, würde sie jedoch gerne zur Wadlbeißerin werden, sagte Sprickler-Falschlunger.

Botschaft aus Wien. Bundes-SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort. In dieser sprach sie vor allem über die „politisch turbulenten Zeiten“. Die Koalition werde nicht mehr lange halten. Umso wichtiger sei es, dass sich die SPÖ als wählbare Alternative in Stellung bringe. Rendi-Wagner zeigte sich überzeugt, dass die Vorarlberger SPÖ-Mitglieder bei der Vorsitzwahl die richtige Entscheidung treffen werden.

Gänzlich anders verlief der Tag für Klubobmann Thomas Hopfner, der vom scheidenden SPÖ-Chef Martin Staudinger bereits als Wunschnachfolger in Stellung gebracht worden und somit ein Mitauslöser der Querelen war. Auch er wurde in seiner Rede emotional und erinnerte an Themen wie leistbares Wohnen, Kinderbetreuung oder die Kosten der Pandemie. Überzeugen konnte er die Parteifreunde jedoch nicht. Das zeigte nicht nur der deutliche Respektsabstand in der Abstimmung über den Parteivorsitz, sondern Hopfner ging auch im Rennen um einen Stellvertreter-Posten leer aus.

Angelika Mayr fiel den Parteifreunden positiv auf und wurde zu einer von fünf Stellvertreterinnen gewählt. <span class="copyright">Steurer</span>
Angelika Mayr fiel den Parteifreunden positiv auf und wurde zu einer von fünf Stellvertreterinnen gewählt. Steurer

Neben Mayr, die 73 Prozent Zustimmung erhielt, setzten sich Michelle Feigl (93 Prozent Zustimmung), die Landtagsabgeordnete Manuela Auer (91 Prozent), der Nationalratsabgeordnete Reinhold Einwallner (82 Prozent) und Robert Bedjanic (68 Prozent) durch. Die Zustimmung für den Klubobmann wurde gar nicht erst offiziell bekannt gegeben, soll aber dem Vernehmen nach bei lediglich 39 Prozent gelegen sein.

Basis am Wort

Wie schlecht die Stimmung in der sozialdemokratischen Basis angesichts der Streitigkeiten der vergangenen Wochen ist, war schon zuvor zutage getreten. Verschiedene Vertreter von Ortsgruppen – allen voran jene aus Dornbirn – und auch einige der Kandidaten ließen die Streithähne in der Partei wissen, was sie von den jüngsten Querelen halten.

Der Dornbirner Gebhard Greber fand deutliche Worte für die Vorgänge in der Partei. <span class="copyright">Steurer</span>
Der Dornbirner Gebhard Greber fand deutliche Worte für die Vorgänge in der Partei. Steurer

Eine Hauptrolle nahm dabei das Dornbirner SPÖ-Urgestein Gebhard Greber ein. Er sei „zornig und entsetzt“ darüber, wie führende Vertreter der Landes-SPÖ ihre Streitigkeiten in der Öffentlichkeit ausgetragen hätten. Umso beschämender sei, dass es dabei nicht um Inhalte, sondern persönliche Befindlichkeiten gegangen sei. Greber, der 24 Jahre lang Stadtrat in Dornbirn war, ermahnte die Genossinnen und Genossen zu Geschlossenheit. Denn der öffentliche Streit habe den Aufwärtstrend der Partei gestoppt. „Eine Partei, die streitet, wählt man nicht“, betonte er. Sprickler-Falschlunger sei aus seiner Sicht und der Sicht der Dornbirner SPÖ die geeignetste Kandidatin, um den Querelen ein Ende zu setzen. Sie sei eine Teamplayerin und habe eine Gesprächsbasis mit allen in der Partei. Nicht zuletzt sei sie auch die Grande Dame der Vorarlberger Sozialdemokratie und damit eine Autorität.

Zur Person

Gabriele Sprickler-Falschlunger wurde am 21. August 1956 in Bregenz geboren. Sie arbeitet als Allgemeinmedizinerin in Dornbirn. Schon ihr Vater Karl war in den 1990er-Jahren Vorsitzender der Landes-SPÖ. Sprickler-Falschlunger wurde 1999 Parteimitglied der SPÖ und im Jahr darauf Stadträtin in Dornbirn. Von 2009 bis 2019 war sie Landtagsabgeordnete. Den SPÖ-Vorsitz hatte die Dornbirnerin bereits einmal von 2016 bis 2018 inne.

Mit der deutlichen Wahl von Sprickler-Falschlunger als neue Parteivorsitzende ging der Wunsch der Dornbirner und zahlreicher anderer Vertreter der Basis in Erfüllung. Nun ist die Parteichefin am Zug, um die Weichen für die Zukunft stellen.

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