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Wie das Überleben auf dem Mars geübt wird

16.10.2021 • 19:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Einer der Analog-Astronauten: Der Tiroler Quantenphysiker Robert Wild
Einer der Analog-Astronauten: Der Tiroler Quantenphysiker Robert Wild AFP (JACK GUEZ)

In der israelischen Wüste wird das Leben auf dem Mars simuliert.

Österreich ist auf dem Mars. Nun ja, beinahe: Am Montag startete die neue Mars-Feldsimulation “AMADEE-20” des Österreichischen Weltraumforums (ÖWF) in der geologisch hochinteressanten israelischen Negev-Wüste. Mit dabei: Vier Männer und eine Frau aus Israel, Portugal, Spanien, Deutschland und den Niederlanden – und der Tiroler Quantenphysiker Robert Wild. Bis Ende Oktober wird mit zahlreichen Experimenten neue Technologie erprobt und nach Schwachpunkten bzw. Fehlern in den Arbeitsabläufen gesucht: Puzzlesteine, will Mensch auf dem Roten Planeten einmal (über)leben.

Die Simulation ist eine extreme Lockdown-Situation, wie Missionsleiter Gernot Grömer vom ÖWF im Interview erklärt: “Unsere Analog-Astronauten sind in Isolation und nur zehn Minuten zeitverzögert via Satellitenleitung über das Mission Support Center in Innsbruck erreichbar. Um das Risiko von Lagerkoller – den viele Menschen auch in der Pandemie erfahren mussten – zu reduzieren, haben wir auf eine aufwendige Selektion, viel Ausbildung und psychologische Überwachung geachtet.” Die größten zwischenmenschlichen Probleme ergeben sich oft aus den scheinbar unwichtigsten Details – vergleichbar mit einer Partnerschaft: “Nicht ordentlich abgespültes Geschirr, kleine Unpünktlichkeiten oder Hygienestandards. All das können wir mittlerweile gut verstehen.”

Mars-Feldsimulation AMADEE-20

Noch bis 31. Oktober führt das Österreichische Weltraumforum – in Kooperation mit der staatlichen israelischen Raumfahrtagentur Israel Space Agency sowie D-MARS – eine ganzheitliche, analoge Mars-Feldsimulation – die AMADEE-20 Mars Simulation – in der Negev Wüste in Israel durch. Die Expedition findet in einer sogenannten terrestrischen Mars-Analogumgebung statt und, geleitet wird sie von einem Mission Support Center von Österreich aus. Ein speziell trainiertes, sechsköpfiges Analog-Astronauten-Team testet mit von Raumanzugsimulatoren Experimente und Verfahren für zukünftige astronautische und robotische Exploration des Roten Planeten.


Die Crew hat ausgeklügelte Ausrüstung in Gebrauch: Der Rover “Mercator” der technischen Universität Graz etwa ist ein autonomes Fahrzeug, das – basierend auf Navigationsdaten der Drohnen – selbst den Weg findet. “Das Team rund um Gerald Steinbauer ist nach dem Oman zum zweiten Mal dabei – man sieht klare Fortschritte”, betont Grömer. Drei Doktoranden der Universität Klagenfurt sammeln vor Ort außerdem Daten zur Weiterentwicklung des Mars-Helikopters “Ingenuity”, der derzeit den “echten” Roten Planeten erkundet.

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