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Für mehr Komfort im Kuhstall

17.10.2021 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Thomas Ganahl und seine Frau Theresa führen den Hof seit Anfang des letzten Jahres. <span class="copyright">Hartinger</span>
Thomas Ganahl und seine Frau Theresa führen den Hof seit Anfang des letzten Jahres. Hartinger

Bei Familie Ganahl ist im Stall seit kurzem ein neuer Helfer im Einsatz.

Auf dem Bergbauernhof von Familie Ganahl in Bartholomäberg entscheiden die Kühe, wann die optimale Melkzeit ist. Die 18 Milchkühe können sich in ihrem geräumigen hellen Laufstall frei bewegen und die Melkbox selbständig aufsuchen, wenn sie gemolken werden wollen.

„Früher waren die Melkzeiten jeweils nach zwölf Stunden. Jetzt kommen manche bereits nach acht Stunden zum Melken, andere wiederum erst nach 13 oder 14 Stunden“, berichtet Thomas Ganahl. Für den Landwirt selbst bedeutet die Neuanschaffung mehr Flexibilität im Arbeitsalltag: „Ich bin jetzt zeitlich nicht mehr so gebunden wie früher. Am Wochenende kann ich nun auch einmal erst um 7 oder halb 8 Uhr in den Stall gehen.“

Im Jahr 1996 wurde der Laufstall für die Milchkühe gebaut und gleichzeitig auf Bio umgestellt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Im Jahr 1996 wurde der Laufstall für die Milchkühe gebaut und gleichzeitig auf Bio umgestellt. Hartinger

Vor zwei Wochen hat der Voll­erwerbsbauer die gebraucht erworbene Maschine in Betrieb genommen. Mittlerweile haben sich die Tiere schon gut an den Roboter gewöhnt. „Die Ruhe, die am Morgen im Stall herrscht, ist einfach unglaublich“, erzählt Ganahl. Der Melkroboter ist mit einer umfassenden Datenerfassung verbunden. Der Landwirt erhält so genaue Informationen, beispielsweise welche Kuh zu welchem Zeitpunkt wieviel Milch gegeben hat. Die vollautomatische Melktechnik ist zwar eine Arbeitserleichterung, kann aber kein Ersatz für den direkten Kontakt zwischen Menschen und Tieren sein. „Der Roboter verschafft mir Freiraum für andere Tätigkeiten im Stall“, sagt der 31-Jährige, der den landwirtschaftlichen Betrieb vor eineinhalb Jahren von seinen Eltern übernommen hat.

Eigene Sennerei

„Der Prozess der natürlichen Säuerung dauert unterschiedlich lange“, erzählt der Landwirtschaftsmeister. So erfordert die Herstellung des Magermilchkäses viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Fähigkeiten, die auch bei der Produktion von Camembert sehr gefragt sind. Der Weißschimmelkäse ist nicht nur bei der Zubereitung, sondern auch bei der Reifung sehr anspruchsvoll. „Ich habe anfangs viel Lehrgeld bezahlt und musste einige Chargen verwerfen“, sagt der Montafoner.

Aber auch abseits der Stallarbeit hat der junge Familienvater einiges zu tun. Auf seinem Hof werden jährlich rund 120.000 Liter Bio-Heumilch produziert. Ungefähr die Hälfte davon wird vor Ort verarbeitet und vermarktet. Bereits vor zehn Jahren wurde damit begonnen, die Montafoner Spezialität „Sura Kees“ selbst herzustellen. Da die Nachfrage nach dem regionalen Produkt so groß war, entschied sich die Familie 2016 eine neue Sennerei zu bauen und die Produktpalette zu erweitern. Nun werden auf dem Hof auch Schnittkäse, Joghurt und Camembert hergestellt. Im Gegensatz zum Schnittkäse wird der „Sura Kees“ ohne die Zugabe von Lab hergestellt.

Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden hauptsächlich an Gastronomiebetriebe und an kleine Lebensmittelhändler vermarktet. Nur ein kleiner Teil wird über den eigenen Hofladen verkauft, denn das Einzugsgebiet ist sehr klein. Die Lage des Hofs auf 1080 Meter bringt auch noch andere Herausforderungen mit sich. So erfordert die Bewirtschaftung der steilen Bergwiesen sehr viel Handarbeit. „Mit Technik kommt man hier nicht weit. Dadurch benötigen wir viel mehr Leute, die mithelfen. Beim Heuen hilft die ganze Familie zusammen“, so Ganahl.

Feriengäste seit den 1960ern.

Vier Generationen leben mittlerweile auf dem Bergbauernhof. Die Großeltern Klaudia und Martin Ganahl übernahmen den Hof am Innerberg im Jahr 1960. Sie setzten bereits auf verschiedene Betriebszweige und so verbrachten schon vor 60 Jahren die ers­ten Gäste ihren Urlaub auf dem rundum gepflegten Bauernhof. Ihr ältester Sohn Oswald, der den Hof mit seiner Frau Maria übernahm, stellte den Betrieb vor 25 Jahren als einer der ersten in der Region auf biologische Wirtschaftsweise um und errichtete einen Laufstall für die Milchkühe.
In den letzten Jahrzehnten wurde ständig erweitert und dazu gebaut. Die in der Sennerei anfallende Molke wird nun über die Schweinemast veredelt und damit ein weiteres Standbein geschaffen. Da der Hof nicht an das Kanalnetz angebunden ist, musste eine biologische Kläranlage errichtet werden. Zusammen mit einer eigenen Quelle ist der Betrieb nun unabhängig, was Wasser und Abwasser betrifft. Letztes Jahr wurde eine neue Hackschnitzelanlage installiert. Das Holz für die Hackschnitzel stammt aus dem eigenen Wald.

Mit Töchterchen Sophia wohnen nun vier Genera­tionen auf dem Hof. <span class="copyright">Hartinger</span>
Mit Töchterchen Sophia wohnen nun vier Genera­tionen auf dem Hof. Hartinger

Auch für den neuen Betriebsführer Thomas Ganahl sind Innovationen in einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb unerlässlich. „Stillstand ist Rückschritt“, sagt der engagierte Junglandwirt und präzisiert: „Mit der Betriebsgröße haben wir einen Punkt erreicht, der für uns optimal ist. Daher wird bei uns künftig nur noch an der Qualität gearbeitet.“ Als eines der nächsten Projekte sollen die Ferienwohnungen renoviert werden. Außerdem ist geplant, den Stall mit einem Belüftungssystem auszustatten, das für optimales Klima sorgt und den Rindern damit noch mehr Komfort bieten soll. Denn für Familie Ganahl ist seit Generationen klar: Nur Tiere, die gesund sind und sich wohlfühlen, produzieren erstklassige Lebensmittel.

Infobox

Bergbauernhof Ganahl

Kellerweg 4

6781 Bartholomäberg

Telefon: +43 664 5707645

E-Mail: info@familie-ganahl.at

Betriebszweige: Milchviehhaltung, Direktvermarktung und Ferienwohnungen

Tierbestand: 18 Milchkühe plus Nachzucht, Schweine, Ziegen, Esel, Hasen, Hund und Katze

Bewirtschaftungsform: Biobetrieb

Von Gertraud Höfle-Peter

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