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Das Buch kann wieder aufatmen

21.10.2021 • 20:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Fast beschaulich und still geht es heuer auf der Frankfurter Buchmesse zu
Fast beschaulich und still geht es heuer auf der Frankfurter Buchmesse zu APA/dpa/Sebastian Gollnow

Frankfurter Buchmesse findet unter strengen Corona-Bestimmungen statt.

Dem Geschäft mit dem Buch schadet es wohl, dass die Frankfurter Buchmesse coronabedingt auf Sparflamme läuft. Dem Buch selbst tut die Reduktion jedoch gut – es kann wieder aufatmen. Wo sich früher Menschenmassen durch die Gänge schoben und die Luft zum Schneiden war, herrscht jetzt fast so etwas wie Stille, Entspannung und Beschaulichkeit. Die Anzahl der Stände wurde radikal reduziert, „nur“ 25.000 Besucher pro Tag sind zugelassen und die Coronabestimmungen streng. Auf dem gesamten Gelände gilt die 3G-Regel.

Auch wenn in Frankfurt heuer wieder teilweise Live-Betrieb herrscht, ist die Veranstaltung doch ein Hybrid, viele Lesungen und Diskussionen finden nach wie vor digital statt. Das Motto der 73. Frankfurter Buchmesse lautet „Re-connect – Welcome back zu Frankfurt“. Kanada ist mit dem Motto „Singular Plurality“ diesjähriger Ehrengast und präsentiert erstmals sowohl englisch- als auch französischsprachige Texte von Literaten und Literatinnen der First Nations. Am Mittwoch und Donnerstag war die Messe nur für Fachpublikum geöffnet, bis Sonntag ist die Bücher-Schau noch für alle Besucher zugängig.

Noch kein Normalbetrieb

„Back to business“ sei noch lange nicht „back to normal“, sagte auch Buchmessen-Chef Jürgen Boos. Und von der Normalität ist man auch in Frankfurt tatsächlich noch weit entfernt. Im Jahr 2019 strömten mehr als 300.000 Menschen auf das Gelände, die Ausstellerzahl war vor zwei Jahren mit 7500 fast viermal so hoch wie heuer. Dennoch gibt sich die Buchbranche auch in diesen Tagen wieder optimistisch. Mit der Corona-Pandemie sei einer der größten Stresstests der Geschichte souverän bestanden worden.

Österreich ist mit mehr als 50 Verlagsauftritten in Frankfurt vertreten, dazu kommen zahlreiche heimische Autorinnen und Autoren, die auf der Messe selbst und in der Stadt Frankfurt auftreten. 35 österreichische Verlage präsentieren sich mit einem eigenen Stand, 21 Aussteller sind am österreichischen Gemeinschaftsstand vertreten, den der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und die Wirtschaftskammer Österreich organisiert.

Das Buch kann wieder aufatmen
Die steirische Delegation in Frankfurt mit Kulturlandesrat Christopher DrexlerSonstiges

Traditionsgemäß begab sich auch wieder eine steirische Delegation zur Buchmesse am Main. Angeführt von Kulturlandesrat Christopher Drexler, waren Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi, Olga Flor, die mit ihrem aktuellen Roman „Morituri“ auf der Shortlist für den Österreichischen Buchpreis steht, sowie die Literatinnen und Literaten Sonja Harter, Monique Schwitter, Andrea Stift-Laube, Werner Schandor, Martin G. Wanko und „manuskripte“-Herausgeber Andreas Unterweger mit an Bord. Beim Österreich-Empfang des Hauptverbandes im Städelmuseum, bei dem auch Ferdinand Schmalz und Anna Baar – beide ebenfalls auf der Shortlist vertreten – anwesend waren, betont Drexler einmal mehr die Wichtigkeit und Strahlkraft österreichischer und steirischer Literatur. „Man spürt auch hier in Frankfurt die besondere Rolle der Steiermark und sieht, wie wir uns selbstbewusst in den deutschsprachigen Literaturkosmos einbringen und Akzente setzen.“

Für die Autorinnen und Autoren, die mit nach Frankfurt reisten, war die Buchmesse ein „entspanntes, gutes Netzwerktreffen.“ Dass der Buch-Betrieb noch eingeschränkt läuft, wird von der schreibenden Zunft nicht als Nachteil empfunden. „Der Atmosphäre tut es gut, so sollte es immer sein.“

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“manuskripte”-Lesung im Frankfurter City Kiosk Yok-YokSonstiges

Ganz besonders und unverkrampft interkulturell war auch die Atmosphäre bei einer „manuskripte“-Lesung, die im Frankfurter City Kiosk Yok-Yok stattfand. Ein entspannter „Hot Spot“ in der Stadt, wo nicht nur Bier verkauft wird, sondern auch Kultur vermittelt – und das ganz ohne Scheuklappen und Grenzziehungen. Die Lesungen bezogen sich auf den „manuskripte“-Schwerpunkt „Mein Nachbar auf der Wolke“, in dem Lyrik aus Slowenien präsentiert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Aus ihren Werken lasen an diesem Abend die Lyrikerinnen Miljana Cunta und Anja Zag Golob , die Übersetzungen wurden von Andreas Unterweger vorgetragen. Von slowenischer Seite wurde bei dieser Gelegenheit übrigens bedauert, dass so wenig deutschsprachige Lyrik auf Slowenisch vorliege, weil der Markt offenbar zu klein sei.

Im Frankfurter Bahnhofsviertel herrschte Hochbetrieb, und drinnen im Yok-Yok mischten sich slowenische und deutsche Worte in das Geklirre von Bierflaschen. Geführt wird der beliebte Kunstkiosk übrigens vom Türken Nazim Alemdar. Dessen Laden ist eng, sein Kopf nicht.

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