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Heilwasser und Altes neu gemacht

22.10.2021 • 20:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Last Supper“ von Elsbeth Gisinger-Fessler <br><span class="copyright">Florian Raidt</span>
„Last Supper“ von Elsbeth Gisinger-Fessler
Florian Raidt

Drei Ausstellungen von Vorarlberger Künstlern sind in Bregenz zu sehen.

Minimalistische Konzeptkunst, zahlreiche Objekte und „Blätter“ sowie Heilwasser im Keller: Die erste Ausstellung im Künstlerhaus Bregenz nach der Sommerpause bestreiten drei Mitglieder der Vorarlberger Künstlervereinigung. Eine auch quantitativ reichhaltige Schau bieten Michael Mittermayer und Elsbeth Gisinger-Fessler, die dem Besucher eine je eigene Mischung an älteren und neueren Werken zeigen. Als Kontrast dazu präsentiert Albert Allgaier eine sehr reduzierte Auswahl seiner Werke – die Wände im ersten Geschoss des Palais Thurn und Taxis bleiben dabei leer.

Elsbeth Gisinger-Fessler im Künstlerhaus. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Elsbeth Gisinger-Fessler im Künstlerhaus. Lisa Kammann

Intensiv hat sich Gisinger-Fessler im Vorfeld der Schau mit den beiden Räumen auseinandergesetzt, die sie bespielt, erklärt die Lauteracher Künstlerin im Gespräch vor Ort. Dementsprechend treten auch ihre Objekte und Installationen in einen Dialog mit der Architektur des Hauses. Sehr gut passt etwa die Installation „Last Supper“ (Das letzte Abendmahl) in den Erker im Erdgeschoss, der gleich beim Eintritt den Blick einnimmt. Wie reife Fleischtomaten sehen die Plastiken aus Polyurethan aus, in denen Messer und Gabel stecken – nur ein Objekt bleibt farblos und unbestückt. Wie im berühmten Bild von Leonardo da Vinci öffnet sich auch hier der Blick nach hinten mit den parkseitigen Fenstern.
Leichtigkeit wollte die Künstlerin mit dem Arragement der weiteren Plastiken in dem Raum erzeugen. Die 33-teilige Arbeit „Zwangsläufig“ an der Wand zeigt eine übliche Arbeitsweise der Künstlerin: Gisinger-Fessler bringt weiches Polyurethan in Form, wobei sie das Material nicht selten mit Werkzeugen aus verschiedenen Berufen manipuliert. Diese – zum Beispiel Zangen – werden nach dem Aushärten wieder angebracht. Arbeit ist ein wiederkehrendes Thema in der Arbeit der Künstlerin, gerne ergänzt sie ihre Plastiken mit gefunden Gegenständen aus der Arbeitswelt.

Während Gisinger-Fessler den oberen Raum öffnen wollte, sollte die Atmosphäre im Keller geschlossener wirken, wie sie erklärt. Eine christlich-kulturelle Prägung tritt im „Quellwasserregal“ hervor, aus dem sich die Besucher ein Fläschchen Heilwasser nehmen können. Der Zweifel des Besuchers, ob die Künstlerin nun tatsächlich Heilwasser in die Fläschchen gefüllt hat, ist gewollt. In einer Kasse kann auch für Ungläubige gespendet werden, und tatsächlich befand sich bei einer Nachschau Geld in der Kasse.

Werke von Albert Allgaier.  <span class="copyright">Florian Raidt</span>
Werke von Albert Allgaier. Florian Raidt

Katze im Garten

Allgaier, der in Japanologie bewandte Konzeptkünstler, redet ungern über seine Arbeit. Selbsterklärend scheint etwa die Arbeit „I Like White Walls“ zu sein. Der Schriftzug findet sich auf Kappaplatten inmitten des balkonseitigen Raums mit weißen Wänden. In einem Video zeigt der in Wien und Bregenz lebende Künstler eine Katze, die durch den Garten streift. Auf dem Vorplatz hat er „Bad Ideas“ (schlechte Ideen) begraben, auf der Parkseite hat er einen Schriftzug mit der streitbaren Aussage „Conceptual Art is For Everyone“ am Gebäude angebracht.
Blätter aus alten Büchern, Lexika oder Zeitschriften sind ein beliebtes Ausgangsmaterial für Mittermayer. Für die Schau im Künstlerhaus hat sich der Bludenzer Künstler alte Werke zur Brust genommen und neu bearbeitet. Er überklebt, übertippt oder überzeichnet die Seiten mit Tusche, Edding oder der Schreibmaschine.

Werk von Michael Mittermayer.  <span class="copyright">Florian Raidt</span>
Werk von Michael Mittermayer. Florian Raidt

Im Dachgeschoss kann der Besucher durch das Schaffen Mittermayers schmökern, viele klein­formatige Arbeiten geben einen schönen Einblick. Verblüffend ist es, wie sich der ursprüngliche Inhalt der Blätter verändert oder erweitert wird. Da wird etwa auf ein Bild einer alpinen Landschaft einfach ein Gletscher aufgeklebt.
Ein Besuch des Künstlerhauses lohnt sich – vor allem ein Blick in Keller und Dachboden wird empfohlen.

Bis 14. November im Künstlerhaus Bregenz. Mi. bis Sa. 14 bis 18 Uhr, So. 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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