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Ski: Recycling wird zum großen Thema

23.10.2021 • 15:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
3,4 Millionen Skischuhe werden pro Jahr verkauft. Ausrangierte landen im Müll
3,4 Millionen Skischuhe werden pro Jahr verkauft. Ausrangierte landen im Müll KK

Tourismus und Skiindustrie hoffen auf langsame Rückkehr in die Normalität.

Es ist eine Mischung aus Erleichterung, Hoffnung und Ungeduld, die diese Tage im Tourismus und der Wintersportindustrie prägen. Das Warten auf eine Verordnung, die die Corona-Spielregeln in den Skigebieten festlegt, ist zu Ende. Die Zuversicht, dass die Gäste nach dem „Diät-Winter“ wieder „skihungrig“ zurückkehren, ist groß. Und es gibt Anzeichen, dass sich diese Wünsche erfüllen.

„Seitdem die Sicherheitsmaßnahmen am Tisch liegen, sind auch die Buchungen aus dem Ausland spürbar angesprungen“, berichtete Lisa Weddig, Geschäftsführerin der Österreich Werbung (ÖW), kürzlich bei der Tagung der österreichischen Seilbahner. Mit 17 Millionen Menschen gibt die ÖW das Potenzial an in- und ausländischen Gästen an, die einen Winterurlaub in Österreich buchen könnten. 16 Millionen registrierte Gäste waren es im letzten „normalen“ Winter vor Corona. „Die Nachfrage, nach Österreich zu kommen, ist demnach schon einmal ganz gut“, ist Weddig zufrieden.

Wochenendschichten in der Skiindustrie

Auch in der Skiindustrie haben sich die dunklen Pandemie-Wolken verzogen. Mit minus 20 bis 30 Prozent quantifizierte man den coronabedingten Ausfall der vergangenen Saison. Kurzarbeit im ersten Quartal war die Folge. Jetzt scheint wieder die Sonne. Es mussten sogar Wochenendschichten eingeschoben werden.

Auslöser sind vor allem große Ordervolumina aus Nordamerika, Asien und – im Langlauf-Segment – Skandinavien, ist Wolfgang Mayrhofer zufrieden. Mayrhofer ist Geschäftsführer von Atomic und Sprecher der heimischen Skiindustrie. Als solcher kann er ein Branchen-Comeback vermelden: Die österreichischen Marken Atomic, Blizzard, Fischer und Head rechnen demnach mit einer annähernden Rückkehr des Weltmarktvolumens auf Vorkrisenniveau.

In Zahlen: 3,3 Millionen Paar Alpin- und Touren-Ski und ebenso viele Skibindungen; mehr als 3,4 Mio Paar Alpin- und Touren-Skischuhe; 2,2 Millionen Paar Langlaufski- und Schuhe sowie 900.000 Stück Snowboards. Österreich kann sich diesbezüglich als globale Supermacht fühlen. Jeder zweite Ski, der weltweit verkauft wird, ist eine österreichische Marke – wobei man relativieren muss: Außer bei Fischer stehen hinter den bekanntesten Marken mittlerweile ausländische Eigentümer. Und die Produktentwicklung und Herstellung der Premiummodelle passiert zwar in den heimischen Stammwerken. Die Massenware wird aus Kostengründen aber in Fabriken in Osteuropa produziert – mit den aktuell üblichen Problemen: Der Preis für Rohstoffe wie Stahl, Carbon oder Kunststoff ist gestiegen. Zudem haben sich die Transportkosten für Container verfünffacht. Die Ski-Preise werden damit sanft steigen.

Aus Vibration wird Beschleunigung

Neben Innovationen im Geschäft – Atomic hat beispielsweise in sein neues Revoshock-Modell Module verbaut, die Energie aus Vibrationen und Schlägen auf die Kante übertragen und in Beschleunigung umwandeln – gibt es auch am anderen Ende der Lebenskurve der Ausrüstung Neues. Recycling von Ski und Skischuhen wird bei den Herstellern zunehmend zum Thema. Während man beim Ski gefordert ist, das Separieren der einzelnen Materialien zu erleichtern, indem beispielsweise andere Klebstoffe zum Einsatz kommen, ist das Skischuh-Recycling vor allem logistisch aufwendig.

Die italienische Blizzard-„Mutter“ Tecnica übernimmt dabei eine Pionierrolle. In acht europäischen Ländern startet ab diesem Winter zusammen mit 150 Händlern eine Rückholaktion von Altschuhen. Die Skischuhe werden gesammelt, in ihre Einzelteile zerlegt. Plastik wird geschreddert und daraus werden wieder Skischuhe, auch die Innenschuhe werden recycelt und für neue Polsterungen verwendet. Andere Hersteller wollen spätestens 2024 folgen.

"Brauchen mehr Saisonniers"

Mit den Zahlen kommt die ganze Dramatik zurück: Nachdem es zwischen 2010 und 2019 im österreichischen Tourismus ein durchschnittliches Nächtigungswachstum von 2,3 Prozent pro Jahr gab, trafen die Corona-Maßnahmen die Branche mit voller Wucht. Minus 35,9 Prozent weist das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für 2020 aus.

In selber Größenordnung brach die Wertschöpfung ein: Von 29,7 Milliarden Euro auf 20,5 Milliarden, wobei der Westen Österreichs durch den Totalausfall der Wintersaison besonders betroffen war, analysiert Oliver Fritz (Wifo).

Sorgen bereitet Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), aber auch noch die Lage am Arbeitsmarkt. Er verwies im Rahmen des „Forum Zukunft Winter“ in Zell am See vor den heimischen Seilbahnbetreibern auf dringenden Handlungsbedarf in Sachen Personal.

Denn in der Hotellerie und Gastronomie herrscht massiver Mangel, trotz bereits 55 Prozent ausländischer Arbeitskräfte. Katzenschlager drängt daher auf eine Erhöhung des zuletzt mit 1263 Beschäftigungsbewilligungen für ausländische Saison-Arbeitskräfte zu eng bemessenen Kontingents. Als „Restart“-Maßnahme müsse man es „weiter aufmachen – und zwar relativ schnell, sonst lassen wir sehr viel Potenzial liegen“.