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Was man über “Delta plus” wissen muss

23.10.2021 • 15:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ulrich Elling, Molekularbiologe, erforscht die Ausbreitung von Coronavirus-Varianten in Österreich
Ulrich Elling, Molekularbiologe, erforscht die Ausbreitung von Coronavirus-Varianten in Österreich APA/ROLAND SCHLAGER

Zwei Mutationen am Spike-Protein dürften „Delta plus“ infektiöser machen.

Vieles ist noch unklar, wenn die Rede von „Delta plus“ ist, einer weiteren Mutation von Sars-CoV-2. Bei AY.4.2, einer Unterart der Delta-Variante, sind es zwei zusätzliche Veränderungen direkt am Spike-Protein, die unter Beobachtung stehen. Mit diesem dockt das Coronavirus an die menschliche Zelle an, Mutationen ebenda könnten also Auswirkungen auf die Infektiosität haben. Um beurteilen zu können, ob „Delta plus“ in der Tat ansteckender als die ursprüngliche Delta-Variante ist, braucht es aber noch eine Vielfaches mehr an Daten.

Auf der Basis bisheriger Erkenntnisse sagt Ulrich Elling: „AY.4.2 dürfte etwa zehn bis 15 Prozent infektiöser als Delta sein.“ Der Molekularbiologe forscht am IMBA (Institut für Molekulare Biotechnologie) an der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er zeichnet mit Forschungspartnerin Luisa Cochella für einen Großteil der heimischen Sequenzierungen verantwortlich. Übrigens: Schon einmal wurde eine Variante als „Delta plus“ bezeichnet, diese hatte ihren Ursprung in Nepal. AY.4.2 ist damit nicht zu verwechseln.

“Delta plus”: Kaum Dynamik in Österreich

In Österreich wurden bislang rund 30 Fälle detektiert, sagt Elling „AY.4.2 breitet sich im Moment nicht massiv aus. Pro Woche haben wir unter zehn Fälle, diese Woche waren es fünf.“ Die Dynamik hierzulande ist also überschaubar, anders als in Großbritannien. Dort hat sich „Delta plus“ in den vergangenen Wochen beständig ausgebreitet – etwa zehn Prozent der Neuinfektionen gehen auf diese Untervariante zurück. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist aber langsamer als in jener Phase, in der Delta die Vormachtstellung gegenüber Alpha übernommen hat. „AY.4.2 ist aber die erste Variante, die sich in Anwesenheit von Delta ausbreiten kann“, gibt Elling zu bedenken.

Der tatsächliche Effekt auf das Pandemiegeschehen ist also noch nicht abschließend geklärt. Es braucht mehr Labordaten, um verlässliche Aussagen treffen zu können, ob „Delta plus“ schwerer Verläufe verursacht oder ob sie den Impfschutz effektiver umgehen kann.

Plädoyer für gesellschaftlichen Konsens

Wesentlich mehr Effekt auf das Infektionsgeschehen in Österreich hat aktuell die Saisonalität, abzulesen an den massiv gestiegenen Zahlen der letzten Tage. Vor diesem Hintergrund plädiert Elling für die Impfung, vor allem auch für die Booster-Impfung, die in Israel eine gute Wirkung gezeigt hat. Und er fügt hinzu: „Noch ist unklar, ob die Impfung alleine die Pandemie besiegt, es ist aber auf jeden Fall unsere stärkste Waffe.“ Deswegen spricht sich Elling auch für eine Impfpflicht aus, zumindest ab einem gewissen Alter, um diese Pandemie in die Schranken zu weisen. „Es braucht endlich einen gesellschaftlichen Konsens, wie wir mit dieser Pandemie künftig umgehen wollen.“

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