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Stark und tief verwurzelt im Wald

24.10.2021 • 16:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Den Bürojob hat Heinz Spiegel längst an den Nagel gehängt. <span class="copyright">Steurer</span>
Den Bürojob hat Heinz Spiegel längst an den Nagel gehängt. Steurer

Familie Spiegel führt Forstbetrieb mit 30 Hektar Waldfläche in Dornbirn.

Vielfalt Landwirtschaft

Heute mit:

Familie Spiegel

Von Gertraud Höfle-Peter

neue-redaktion@neue.at

In zwei Monaten ist Heilig­abend. Bei Familie Spiegel in Dornbirn haben die Vorbereitungen für den Christbaumverkauf schon längst begonnen. „Einen schönen Weihnachtsbaum herzubringen, das ist viel Arbeit“, erklärt Forstwirt Heinz Spiegel und zeigt auf die gelben Plastikhalterungen an den Bäumen. Mit diesen Zweigreglern bringt der 48-Jährige jene Tannenzweige, die nicht symmetrisch angeordnet sind, in die richtige Form. Ein spezieller Ring aus Metall kommt zum Einsatz, falls der obere Astkranz durch aufstehende Zweige geprägt ist. Sobald das Wachstum der Zweige in die gewünschte Richtung gelenkt ist, was meist einige Wochen dauert, können die Christbaumzüchter die Halterungen wieder entfernen.

Information

Familie Spiegel

Forstunternehmen: Nutzholz, Brennholz, Christbäume

30 Hektar Waldfläche

Rädermacher 5, 6850 Dornbirn

Tel. +43 664 960 64 01

Die Spiegels kennen fast alle ihrer Kunden persönlich und wissen, welche Wünsche diese in Bezug auf ihren Weihnachtsbaum haben. „Der Wohnraum ist in den letzten Jahren kleiner geworden. Deshalb sollte der Christbaum eher schmal, dafür aber dicht gewachsen sein“, sagt Bettina Spiegel. Häufig sind Korrekturschnitte nötig, damit der Baum kompakter wird. Um die Tannenbäume gesund zu halten, müssen die Christbaumfelder zudem regelmäßig von Unkraut befreit werden.

Früher Herbst ist Pflanzzeit

Über 2000 Bäume wachsen rund um das Eigenheim der sechsköpfigen Familie. Während Heinz Spiegel in den Anfängen seiner Christbaumzucht die neuen Jungbäume im Frühling anpflanzte, hat sich die Pflanzzeit mittlerweile in den frühen Herbst verlagert. „Im Frühjahr ist es mittlerweile einfach oft zu trocken, sodass die Bäume nicht richtig anwachsen.“ Zehn Jahre dauert es, bis die Tannen so groß sind, dass sie verkauft werden können. Früher waren in Vorarl­berg Fichten am gefragtesten. Heute geht der Trend hin zur Nordmanntanne. „Sie hält besser und hat eine schönere Form“, sagt Spiegel. Jedes Jahr verkauft der Dornbirner rund 200 Bäume. „Die Nachfrage wird größer. Die Kunden schätzen das familiäre Flair hier sehr.“

Vater Franz packt bei der Verarbeitung selbst noch mit an. <span class="copyright">Steurer</span>
Vater Franz packt bei der Verarbeitung selbst noch mit an. Steurer

Bereits ab Mitte November können die Kunden auf den Hof von Bettina und Heinz Spiegel kommen und sich ihren Weihnachtsbaum vor Ort aussuchen. „Der Baum wird dann beschriftet und ist somit für die Kunden reserviert.“ Gefällt wird er dann erst kurz vor Weihnachten, damit der Christbaum möglichst lange seine Nadeln behält.

Einige Kunden lassen sich den Baum zustellen, die meisten kommen aber persönlich auf die Christbaum-Plantage, die nur wenige Fahrminuten oberhalb der Haselstauder Kirche liegt. „Für viele Kundschaften ist es schon Tradition, dass sie mit den Kindern oder Enkelkindern vor Weihnachten zu uns kommen und den Baum zusammen absägen.“ Das gesellige Beisammensein kommt dabei nicht zu kurz: „Fast alle Nachbarn kommen her. Wir trinken dann ein Schnäpsle und essen ein paar ‚Chrömle‘. Diese Zeit ist wie Urlaubszeit für mich“, freut sich Spiegel.

Waldpflege statt Bürojob

Seit mittlerweile zehn Jahren ist der HTL-Absolvent als Forstunternehmer selbstständig. Zuvor war der gelernte Werkzeugmechaniker viele Jahre als Projektleiter in einem großen Unternehmen tätig. „Nach der Geburt unseres vierten Kindes bin ich in Vaterschaftskarenz. Das war die beste Entscheidung in meinem Leben“, betont Spiegel. Während der Karenzzeit verbrachte der frischgebackene Vater nicht nur viel Zeit mit den Kindern, sondern half auch im familiengeführten Forstbetrieb mit. Er fand immer mehr Gefallen an der Arbeit in der Natur und nach der intensiven Zeit daheim konnte er sich nicht mehr vorstellen, jeden Tag im Büro zu sitzen. Schließlich verbrachte der Sohn eines Forstwirts schon in seiner Kindheit viel Zeit im Wald.

Ein Familienunternehmen, bei dem sich alle gegenseitig unterstützen.<br><span class="copyright">Steurer</span>
Ein Familienunternehmen, bei dem sich alle gegenseitig unterstützen.
Steurer

Rund 30 Hektar Waldfläche, hauptsächlich im Dornbirner Firstgebiet, sind im Besitz der Familie. „Mein Opa hat die Fläche gekauft und dort zigtausende Tannen angesetzt. Er war mit Leib und Seele Forstwirt und hat auch viele Wegprojekte realisiert.“ Spiegels Vater Franz führte diese Arbeit weiter. Der heute 80-Jährige packt auch mittlerweile noch tatkräftig mit an. Gerade wenn es um das Spalten und Fräsen von Brennholz geht, ist er ganz in seinem Element. Denn bei Familie Spiegel gibt es nicht nur regionale Weihnachtsbäume zu erwerben, sondern auch Stückholz aus dem eigenen Wald. „Unser Brennholz geht zu 80 Prozent an Stammkunden. Manche beliefern wir schon seit über 40 Jahren“, erzählt der Dornbirner stolz. Viele Abnehmer schätzen es, dass beim Einlagern des Holzes auf das richtige Mondzeichen geachtet wird.

Eine Fichte im Vergleich zur Nordmanntanne. Die Fichte hat auf allen Seiten der Zweige Nadeln und spitzere Nadeln als die Nordmanntanne.
Eine Fichte im Vergleich zur Nordmanntanne. Die Fichte hat auf allen Seiten der Zweige Nadeln und spitzere Nadeln als die Nordmanntanne.

Hochqualitatives Holz, das auch optisch allen Anforderungen entspricht, wird direkt im Wald abgeholt und in ein Sägewerk gebracht. Von den in den letzten Jahren stark steigenden Holzpreisen profitiert der Waldbesitzer kaum. „Der Preis, den wir für das Holz bekommen, ist maximal so hoch wie vor fünf Jahren und sinkt jetzt schon wieder.“ Vor einigen Jahren hat sich der vierfache Familienvater mit der Demontage von alten Skiliften ein zusätzliches Standbein geschaffen. Das Schönste daran: Auch bei dieser Tätigkeit kann er in seinem geliebten Wald sein.

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