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Richterin will Gezerre um Eitan beenden

27.10.2021 • 12:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eitans Tante Tante Aya Biran (Mitte des Bildes)
Eitans Tante Tante Aya Biran (Mitte des Bildes) AFP (JACK GUEZ)

Richterin ruft im Sorgerechtsstreit um Eitan Parteien zur Versöhnung auf.

Man weiß nicht viel über Iris Ilotowich-Segal. Doch die Richterin am Familiengericht in Tel Aviv scheint eine jener Personen zu sein, die im Streit um den kleinen Eitan zu verstehen versucht, was dem Sechsjährigen wirklich helfen würde: Eitan ist der einzige Überlebende des Seilbahnunglücks am Pfingstmontag am Lago Maggiore in Stresa. 14 Menschen starben bei dem Absturz der Gondel, darunter beide Eltern, sein kleiner Bruder und zwei Urgroßeltern.

Die in Italien und Israel lebenden Familien der verstorbenen Eltern liegen seither in einem Sorgerechtsstreit. Richterin Segal entschied, Eitan müsse nach Italien zurückkehren, dort sei der “Ort seines gewöhnlichen Wohnsitzes”. Vor allem rief sie zur Versöhnung auf.

Eitans Familie hatte während des Medizinstudiums des Vaters in Pavia südlich von Mailand gelebt, seit seinem ersten Lebensjahr war der Bub in Italien. Nach dem Unglück und Eitans Entlassung aus dem Krankenhaus sprach ein Jugendgericht der Schwester seines Vaters das Sorgerecht zu, auch sie lebt in Pavia. Vor sechs Wochen hatte Großvater Shmuel Peleg das Kind mit einem Privatflugzeug eigenhändig und gegen den Willen der Tante nach Israel gebracht, wo die Familie mütterlicherseits lebt. Die Staatsanwaltschaft Pavia ermittelt wegen Kindesentführung.

Tante Aya Biran, die Schwester von Eitans verstorbenem Vater, kam nach Israel und klagte. Die Richterin verfügte in weiterer Folge, dass er zunächst zu ihr nach Italien zurückkehren solle. Dort sei sein gewohntes Umfeld. Die Verbindung zur Familie der Tante sei nämlich stärker als die zur israelischen Familie. In ihrer Urteilsbegründung schrieb Richterin Segal die bislang wichtigsten Sätze in der Causa: Im Namen des “spirituellen Erbes der verstorbenen Eltern” sollten sich die Familien versöhnen. Es sei “von oberster Bedeutung, sich auf den medizinischen und emotionalen Zustand des Minderjährigen zu konzentrieren und ihm die Unterstützung, Behandlung und Umarmung zu geben, die er nach der Tragödie braucht”, so die Richterin. “Die Hoffnung besteht weiter, dass die Familien den Bruch heilen können.”

Derzeit verbringt der Sechsjährige in Israel jeweils drei Tage mit seiner Tante und seiner Familie mütterlicherseits: Eitans Großmutter Esther Cohen, die ihre Tochter, einen Enkel sowie beide Eltern bei dem Unglück verlor, scheint nicht auf Versöhnung eingestellt zu sein. Im israelischen TV nannte sie die Entscheidung eine “Tragödie von unermesslichem Ausmaß” und einen “nationalen Trauerfall”. Sie könne nicht glauben, dass auch der israelische Staat entschieden habe, “mir den einzigen Überlebenden wegzunehmen, der mir nach dem Verlust von drei Generationen meiner Familie geblieben ist”. Sie werde “bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen”, dass Eitan in Israel bleibe.

Ihre Familie kündigte Berufung gegen die Entscheidung an: Bis dahin muss Eitan in Israel bleiben. Vormund Aya Biran: “Es gibt keine Sieger und Besiegten, keine Gewinner und keine Verlierer. Es gibt nur Eitan.” Er solle so schnell wie möglich nach Hause kommen.

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