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Greenpeace will Verbot

27.10.2021 • 12:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Greenpeace will Verbot
zigres/stock.adobe.com (SERGIO MONTI)

In Österreich könnten 80 Prozent der Flüge durch die Bahn ersetzt werden.

80 Prozent der österreichischen Kurzstreckenflüge könnten durch Bahnreisen ersetzt werden. Zu diesem Schluss kommt ein Greenpeace-Report, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Für 53 Prozent der meistfrequentierten Kurzstreckenflüge innerhalb der EU gibt es zudem direkte Nachtzugverbindungen. “Ein absoluter Spitzenwert in Europa”, hieß es in einer Aussendung. Die NGO forderte ein Verbot der leicht ersetzbaren Flüge.

Der vom italienischen Institut OBC-Transeuropa erstellte Report analysierte die 150 am häufigsten gebuchten Kurzstreckenflüge in der EU sowie die meistgenutzten 250 Flüge in Europa. Zusätzlich wurden auch die 30 wichtigsten österreichischen Flüge betrachtet. Ausgeklammert wurden lediglich Flüge zu Inseln, die mit der Bahn nicht erreicht werden können.

“Gemütlich umsteigen”

Von den meistgenutzten Flugstrecken gibt es demnach bei zehn Prozent eine Zugverbindung in unter vier Stunden und bei weiteren 19 Prozent eine in unter sechs Stunden. “Zusammen mit den direkten Nachtzügen könnte in Europa also bereits jetzt bei fast der Hälfte aller Kurzstrecken gemütlich auf die Bahn umgestiegen werden“, analysierte Greenpeace-Verkehrssprecher Herwig Schuster. In Österreich gelte dies – inklusive einigen schnellen Tagzügen und Nachtzügen mit einmaligem Umsteigen – sogar für 80 Prozent aller Kurzstreckenflüge.

Verbot gefordert

Auf Basis der verfügbaren hervorragenden Bahnverbindungen in Österreich forderte Greenpeace rasch ein Verbot aller Inlandsflüge sowie der Flugverbindungen von Wien nach Prag, Budapest und München aufgrund der schnellen Tagzüge. Darüber hinaus fordert Greenpeace die Einstellung von Verbindungen mit sehr guten Nachtzugverbindungen, darunter Wien nach Warschau, Berlin, Düsseldorf, Zürich, Venedig, Hamburg und Frankfurt.

Die wichtigsten Ergebnisse für Österreich

Mit Ausnahme der Verbindung nach Athen gibt es für alle untersuchten österreichischen Flüge eine Alternative mit dem Zug. Die durchschnittliche Fahrtdauer beträgt 10:38 Stunden. Die längste Zugverbindung ist jene nach Sofia mit 29:38 Stunden, die kürzesten im Report erhobenen sind Wien-Graz mit 2:28 Stunden und Wien-Prag mit 3:57 Stunden. Nicht vom Report erfasst – da nicht in den Top 30 – wurde die insgesamt kürzeste Zugalternative ins Ausland, nämlich Wien-Budapest mit 2:34 Stunden.

Die durchschnittliche Zugstrecke beträgt 916 km, im Schnitt wird 100 km/h schnell gefahren. Am schnellsten ist die Verbindung von Wien nach Hannover mit 169 km/h, am langsamsten jene nach Sofia mit 56 km/h. Trotz direkter Nachtzugverbindung ab Wien nur unwesentlich schneller ist die Verbindung nach Bukarest mit 57 km/h.

Für 53 Prozent der 30 meistfrequentierten Flugstrecken innerhalb der EU gibt es direkte Nachtzüge als Alternative. Noch besser sind
die Zugverbindungen für die zwölf meistgenutzten Flugverbindungen innerhalb der EU für Österreich. Für zehn davon gibt es derzeit eine direkte Zugverbindung. Diese sind, jeweils ab Wien und nach Passagierzahlen geordnet: Frankfurt, Berlin, Paris (ab Dezember 22), Amsterdam, Düsseldorf, Hamburg, Bukarest, Mailand, Rom und München. Nur nach Stuttgart und Barcelona gibt es derzeit keine direkte Zugverbindung.

Flüge nach Frankfurt sollten auch ab Linz und Salzburg der Vergangenheit angehören. “Ein Ersatz aller Top-250-Kurzstreckenflüge in Europa durch Züge würde eine jährliche CO2-Einsparung von rund 23,5 Millionen Tonnen pro Jahr bringen. Das entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von ganz Kroatien”, sagte Schuster.

Für einen Komplettausstieg aus Kurzstreckenflügen in Europa forderte Greenpeace Verbesserungen bei der Bahn. “Die Bahn muss im Vergleich zum Flugzeug deutlich billiger gemacht werden”, sagte Schuster. Vor allem in Ost- und Südosteuropa müssten die Züge deutlich schneller und öfter fahren.

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