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Das Streben nach der perfekten Figur

29.10.2021 • 19:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Künstler Udo Rabensteiner.      <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Künstler Udo Rabensteiner. Wolfgang Ölz

Ein Atelierbesuch beim Lustenauer Künstler Udo Rabensteiner.

Udo Rabensteiner (Jahrgang 1958) ist ein Künstler von der guten, alten Sorte. Nach einer Holz- und Steinbildhauerlehre und zwei Jahren in der Meisterklasse für plastische Formgebung an der Kunstgewerbeschule Graz, studierte der Lustenauer Bildhauer 1984 bis 1989 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Hans Ladner.

Warum? Weil Professor Ladner noch figurativ arbeitete, was schon in den späten 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts den Ruf des Veralteten hatte und in der heutigen Kunstproduktion Mitteleuropas gänzlich altertümlich-exotisch geworden ist.

Vom Geist beseelt

Auf der Akademie in München lernte Rabensteiner das genaue Sehen und das tägliche Modellieren von Akten. Kunst ist dann gut, wenn sie natürlich handwerklich passt, aber auch wenn sie von Geist beseelt ist, so der Künstler. Er glaubt an die große Seele. Bereits sein Vater Anton Rabensteiner, der aus Südtirol nach Lustenau einwanderte, arbeite als klassischer Bildhauer. Viele Madonnen und viele Grabsteine auf dem Lustenauer Friedhof stammen von ihm, der von der Holzschnitzerei im Grödnertal zur Arbeit im Laaser Marmor übergegangen war.

Die Werke von Udo Rabensteiner sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. Die Kunstankäufe des Landes Vorarl­berg 2020 verzeichnen zwei besonders schöne abstrakt-tiefgründige Madonnen. Vertreten wird Rabensteiner von der Galerie Maximilian Hutz in Hard.

Blick in Rabensteiners Atelier.  <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Blick in Rabensteiners Atelier. Wolfgang Ölz

Die kopflastige Kunst im Gefolge von Marcel Du­champ und die in großen Kunsthäusern übliche Kuratorenkunst ist seine Sache nicht. Einmal figurativ, einmal abstrakt – beides gehört zum Werk Udo Rabensteiners. Da gibt es den Heiligen Josef als figurative Bronzeskulptur in der Basilika Maria Bildstein genauso wie eine abstrakte Steinarbeit für die Euthanasieopfer in Hohenems.

Seine Technik ist nicht das Wegnehmen wie bei einer Stein- oder Holz-Skulptur, sondern das Dazugeben von Ton bei einer Plastik, die dann oft in Bronze oder Aluminium gegossen wird. Auch Glas und Polyester kommen zum Einsatz. Der Künstler träumt immer noch von einer perfekten Figur, die etwas unglaublich Lebendiges in sich birgt, die pulsiert und deren Herzschlag man spürt, weil sie aus sich atmet.

Zeichnung als Ursprung

Der Ursprung aller plastischen Arbeiten liegt für Rabensteiner in der Zeichnung. Nicht ohne Grund nimmt die von der bildhauerischen Kunst emanzipierte Zeichnung, die Verbindung von konstruktiven und organischen Elementen, einen wichtigen Teil seines Werkes ein.

Auch die Malerei betreibt Udo Rabensteiner immer wieder, vor allem in Schwarz, Weiß und Grau. Über viele Jahre hat sich der Lustenauer auch mit Architektur in der Kunst beschäftigt und auch Altarraumgestaltungen wie etwa die in der Pfarrkirche in Sonntag im Großen Walsertal geschaffen.

Die großen Fragen

Gute Kunst stellt immer auch ihren Schöpfer und ihren Rezipienten in Frage. Die großen Fragen des Lebens – Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? – stellen sich neu. Das echte Werk fordert den Menschen zur Änderung seines Lebens, genau wie das Rilke 1908 angesichts eines Torsos Apollos von Auguste Rodin formulierte: „Du musst Dein Leben ändern!“

Es geht laut Udo Rabensteiner in der Kunst immer um die ewigen Themen der Menschheit, die da sind Liebe, Hass, Neid, Grausamkeit … – so wie sie sich schon in den Dramen der griechischen Antike manifestieren. Die Arbeit muss gut sein, egal ob sie nun sakral wie die sensationellen Fresken von Richard Bösch in der Aufbahrungshalle in Andelsbuch oder profan wie die reine Malerei eines Gerhard Richter ist. Wolfgang Ölz