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Diabetiker sollten nicht auf Impfung verzichten

31.10.2021 • 13:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Diabetiker sollten nicht auf Impfung verzichten

Diabetes-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf.

“Überproportional viele unserer Patientinnen und Patienten sind gegen Covid-19 geimpft”, sagt Elke Hammer. Sie ist die ärztliche Leiterin der Diabetes Spezialambulanz der Barmherzigen Brüder in Graz. Den Grund für die erhöhte Durchimpfungsrate unter Diabetikerinnen und Diabetikern sieht die Expertin im erhöhten Risikobewusstsein der Betroffenen. Tagtäglich müssen diese auf sich und ihre Gesundheit schauen. So müssen sie darauf achten, welche Lebensmittel sie konsumieren und den Blutzuckerspiegel messen, um diese Erkrankung in Schach zu halten. Denn „Diabetiker haben per se, also auch ohne Covid, eine Risikoeinstufung“.

In Bezug auf Covid ist eine Diabetes-Erkrankung also nicht vorteilhaft, die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlauf zu entwickelt ist massiv erhöht. Im Zuge eines schweren Verlaufs müssen Patienten im Normalfall hospitalisiert werden. „Es ist in der Tat so, dass viele Diabetiker unter den Spitalspatienten zu finden sind“, erzählt Hammer.

Diese Erfahrungen der Expertin aus Graz belegt auch eine Studie der Med-Uni Innsbruck. Eine erste Pilotstudie hat der Leiter der internistischen Intensivstation Michael Joannidis schon im Frühjahr 2020 durchgeführt, vor kurzem wurden in einer zweiten Runde Daten von 350 Patienten aus ganz Tirol miteinbezogen.

Was der HbA1c-Wert sagt

Die Auswertung ergab: Rund 30 Prozent der schwer Erkrankten hatten dieser Untersuchung zufolge einen bekannten (Prä-)Diabetes. Bei über 85 Prozent der Intensivpatienten war der sogenannte HbA1c-Wert erhöht, der Auskunft über den Langzeit-Blutzuckerspiegel gibt, so Studienautor Joannidis. Liegt dieser Wert über 6,5 Prozent, ist der Blutzuckerspiegel chronisch erhöht und man spricht von Diabetes. Nur ein Drittel der untersuchten Patienten mit einem erhöhten HbA1c-Wert hätte davon gewusst, betonte der Innsbrucker Mediziner. „Es wäre deshalb ratsam, dass im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung bei allen Menschen auch der HbA1c-Wert bestimmt wird“, sagte Joannidis. Auch die Österreichische Diabetes Gesellschaft fordere dies schon länger. „Diabetiker, die gut eingestellt waren, hatten mildere Verläufe“, bestätigt der Mediziner.

Expertin Hammer beobachtet auch bei ihren Ambulanzpatienten eine grundsätzliche Verbesserung. „Es scheint, dass die Menschen im Zuge der Pandemie, motivierter waren, besser auf sich zu achten und sich genauer an die therapeutischen Vorgaben gehalten haben.“ Eine Erklärung dafür könne sein, dass vor allem in der ersten Welle viele aufgrund der Ansteckungsgefahr Krankenhäuser gemieden haben.
Grundsätzlich erfordert die Zuckerkrankheit oder der Diabetes mellitus eine engmaschig, regelmäßige Überwachung: Durch die Blutzuckermessung, welche die Patienten selbst durchführen können und durch die regelmäßigen Kontrolltermine beim betreuenden Arzt. Diabetes-Patienten haben ein hohes kardiovaskuläres Risiko, auch Übergewicht spielt eine Rolle. Letzteres haben auch internationale Studien in Bezug auf Covid-19 gezeigt.

Wichtig für den Verlauf der Erkrankung ist einer frühe Diagnose, so können die Folgeerkrankungen zurückgedrängt werden. Erste Anzeichen können ein andauerndes Durstgefühl, vermehrtes Harnlassen, aber auch Pilzinfektionen von Scheide und Penis sein. Der erste Weg bei einem Verdacht führt zum Hausarzt. Dieser kann den schon erwähnten HbA1c-Wert feststellen und weitere Schritte veranlassen. „Je länger die Krankheit dauert, desto höher wird die Zahl der Nebenerkrankungen“, weiß Hammer. Je mehr dieser sogenannten Komorbiditäten auftreten, umso höher ist auch das Risiko, im Falle einer Covid-Erkrankung einen schweren Verlauf zu entwickeln. Aus diesem Grund plädiert Hammer im Sinne der Impfentscheidung „nicht nur für sich selbst zu impfen, sondern auch an Risikogruppen zu denken.“

Die Zuckerkrankheit

Diabetes mellitus wird in zwei Typen unterteilt.
Seltener leiden Menschen an Typ 1. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die dazu führt, dass die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin erzeugen kann. Bei Typ 2 hingegen wird
zunächst genug Insulin produziert, es kann seine Wirkung an den Zellen aber nicht richtig entfalten.

800.000 Diabetikerinnen und Diabetiker dürfte es Schätzungen von Experten zufolge in Österreich geben. Hinzu dürften noch 350.000 Prädiabetiker kommen, die ein hohes Risiko für den Ausbruch der Erkrankung haben. Um die Zahl genau bestimmten zu können, fordern Mediziner ein nationales Diabetes-Register.