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Atheistischer Afghane bekommt doch Asyl

01.11.2021 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Afghane wird nicht abgeschoben. <span class="copyright">APA</span>
Afghane wird nicht abgeschoben. APA

Er würde wegen seines Abfalls vom islamischen Glauben verfolgt werden.

Der in Vorarlberg lebende Asylwerber aus Afghanistan gab an, er sei kein Moslem mehr. Er sei inzwischen Atheist, der an keinen Gott glaube. Wegen seines glaubwürdig geschilderten Abfalls vom islamischen Glauben drohe dem Afghanen in Afghanistan Verfolgung aus religiösen Gründen, meint Richterin Doris Kohl vom Bundesverwaltungsgericht ­(BVwG). Deshalb hat sie in zweiter Instanz dem Asylwerber den Status des Aslyberechtigten zuerkannt. Er darf damit doch weiterhin in Österreich bleiben.In erster Instanz hat das Feldkircher Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) dem Asylwerber nicht geglaubt und ihm im Februar 2018 keinen Aufenthaltstitel gewährt. Das BFA erklärte in erster Instanz seine Abschiebung nach Afghanistan für zulässig. Das Bundesverwaltungsgericht hat heuer aber der Beschwerde des Afghanen gegen den negativen BFA-Bescheid Folge gegeben. Das BVwG erklärte eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof in Wien für zulässig. Das BFA könnte das BVwG-Erkenntnis mit einer außerordentlichen Revision am Höchstgericht bekämpfen.

Probleme mit dem Glauben

Der im Dezember 2015 illegal nach Österreich eingereiste Afghane sagte, er sei als Moslem in Pakistan auf die Welt gekommen. Sein Vater sei zum Christentum konvertiert. Deshalb hätten sie in Pakistan Probleme bekommen und seien nach Afghanistan gegangen. Weil sein Vater als Christ auch in Afghanistan Schwierigkeiten gehabt habe, seien er und sein Vater 2014 zuerst nach Pakis­tan zurückgekehrt und dann Richtung Europa geflohen. Auf der Flucht habe er seinen Vater aus den Augen verloren. Der Afghane konnte aus Sicht der BVwG-Richterin glaubhaft machen, vom islamischen Glauben abgefallen zu sein, keinen anderen Glauben auszuüben sowie kein Interesse an Religionen zu haben, da viele Probleme in seinem Leben auf Glauben und Religion zurückzuführen seien.

So habe er schon bei seiner Erstbefragung der Vorarlberger Polizei, dann auch bei seiner Einvernahme durch das BFA sowie bei der BVwG-Verhandlung glaubwürdig angegeben, keinen Glauben zu haben. Ihm seien daher keine asyltaktischen Überlegungen zu unterstellen. Sonst hätte er gesagt, Christ geworden zu sein. Als Atheist drohe ihm im islamischen Afghanistan Verfolgung, nach islamischem Recht vielleicht sogar die Todesstrafe, befürchtet die Asylrichterin. Sie fällte ihre Entscheidung schon vor der Machtübernahme in Afghanistan durch die radikal­islamischen Taliban.ung, nach islamischem Recht vielleicht sogar die Todesstrafe, befürchtet die Asylrichterin. Sie fällte ihre Entscheidung schon vor der Machtübernahme in Afghanistan durch die radikalislamischen Taliban.