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Aufwind in Industrie könnte bald nachlassen

04.11.2021 • 21:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
IV-Geschäftsführer Christian Zoll ist zufrieden mit den Ergebnissen der Konjunkturumfrage, er warnt aber auch vor zusätzlichen Belastungen für die Unternehmen. <span class="copyright">Hartinger</span>
IV-Geschäftsführer Christian Zoll ist zufrieden mit den Ergebnissen der Konjunkturumfrage, er warnt aber auch vor zusätzlichen Belastungen für die Unternehmen. Hartinger

Industrie mit stabiler Entwicklung nach der Krise, aber auch mit Fragezeichen zur Zukunft.

Positiv, aber ob der unsicheren Zukunftsprognosen auch mit einer gewissen Skepsis behaftet – so lässt sich die momentane Stimmung in der Vorarlberger Industrie beschreiben. Das legt zumindest das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) und der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer nahe. Diese wird vierteljährlich durchgeführt, um die aktuelle Gemütslage in den Unternehmen abzufragen. Dabei wird auch der Geschäftsklimaindex ermittelt, der sich aus dem Mittelwert der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und der in sechs Monaten erwarteten ergibt. Im vorherigen Quartal wurde dabei ein Wert von 44,5 Prozentpunkten erreicht. Zuletzt war der Wert im Jahr 2016, also vor der Coronakrise, so hoch gewesen.

Unsicherheit

In der neuesten Konjunktur­umfrage, an der sich 43 Vorarl­berger Industriebetriebe mit insgesamt rund 27.000 Beschäftigten beteiligt haben, wIn der neuesten Konjunktur­umfrage, an der sich 43 Vorarl­berger Industriebetriebe mit insgesamt rund 27.000 Beschäftigten beteiligt haben, wurde mit 44,0 Prozentpunkten ein ähnlich hoher Wert erreicht. Dies liege vor allem daran, dass die derzeitige Geschäftslage, der Auftragsbestand und die Auslandsaufträge solide seien, heißt es in einer Aussendung der IV. Allerdings gebe es auch eine zunehmende Unsicherheit. Bereits im zweiten Quartal hatten die Unternehmen die Geschäftslage und den Auftragsbestand mehrheitlich positiv beurteilt. Deutlich verbessert hat sich im dritten Quartal die Einschätzung bezüglich der Auslandsaufträge. Hier meldeten 82 Prozent der Unternehmen eine positive Entwicklung, was einem Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht.

Die globalen Lieferketten sind immer noch stark beeinträchtigt. <span class="copyright">AP</span>
Die globalen Lieferketten sind immer noch stark beeinträchtigt. AP

IV-Geschäftsführer Christian Zoll freute sich über das Ergebnis der Umfrage: „Die solide Einschätzung der Vorarlberger Industrie über die aktuelle Geschäftslage spiegelt die positive Stimmung nach dem historischen Einbruch durch die Coronapandemie wider. Vor allem der starke Anstieg in der Bewertung der Auslandsaufträge zeigt aber, dass das gute Fundament auf dünnem Eis steht.“ Die heimische Industrie sei sehr exportorientiert. Durch den unsicheren Pandemie-Verlauf in wichtigen Exportländern in Asien, aber auch in Europa und Nordamerika, könne sich die positive Einschätzung sehr schnell nach unten korrigieren. Auch die angespannte Situation bei den globalen Güterströmen sowie der bereits spürbare Mitarbeitermangel könnten sich negativ auswirken.

Der Ausblick auf die Geschäftslage in sechs Monaten ist trotz der Unwägbarkeiten dennoch solide. 73 Prozent der Befragten erwarten eine gleichbleibende Entwicklung. Lediglich fünf Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. An eine Verbesserung glauben jedoch auch nur 22 Prozent der Umfrageteilnehmer. Düsterer ist die Einschätzung bezüglich der Ertragssituation. Hier erwarten trotz gut gefüllter Auftragsbücher lediglich 15 Prozent eine Verbesserung in den nächsten sechs Monaten. 17 Prozent der Befragten gehen sogar von einer Verschlechterung aus.

Wachstumshemmnisse

IV-Geschäftsführer Zoll sieht die größten Wachstumshemmnisse für die hIV-Geschäftsführer Zoll sieht die größten Wachstumshemmnisse für die heimische Wirtschaft neben dem herrschenden Arbeitskräftemangel in den aktuell stark beeinträchtigten Lieferketten, den steigenden Rohstoffpreisen und der eingeschränkten Verfügbarkeit von Rohmaterialien. „Ein gut gefülltes Auftragsbuch hilft wenig, wenn die Aufträge aufgrund nicht vorhandener Rohstoffe und fehlender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht schnell genug abgearbeitet werden können“, verdeutlichte Zoll.

Keine Belastungen

Zusätzlicher Druck in Sachen Ertragslage entstehe durch die steigenden Preise für Energie und Rohstoffe. Daher dürfe man die Industrie nicht noch zusätzlich unverhältnismäßig stark belasten, meinte der Geschäftsführer auch im Hinblick auf die gerade laufenden Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller.

Vor allem in der Elektro- und Elektronikindustrie ist der Mangel an Bauteilen ein Problem. <span class="copyright">Symbolbild/Reuters</span>
Vor allem in der Elektro- und Elektronikindustrie ist der Mangel an Bauteilen ein Problem. Symbolbild/Reuters

Die Auswertung der Konjunkturumfrage erfolgt auch immer für die einzelnen Branchen. So kommen aufgrund des Wieder-Anlaufens der Gastronomie positive Signale aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Allerdings herrscht hier große Unsicherheit bezüglich der Zukunftsaussichten. Die Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie schätzen die Lage am schlechtesten ein. Hier drücken die Preissteigerungen und der Mangel an Rohstoffen und Bauteilen auf die Stimmung. Die Einschätzung in der Maschinen- und Metallindustrie spiegelt die allgemeine Stimmungslage wider: aktuell ist man positiv eingestellt, allerdings gibt es Bedenken bezüglich der künftigen Entwicklungen.